Entlassung bestätigt

Nach Belästigungsvorwürfen: Staatssekretär Sönmez (SPD) muss sofort gehen

Der ehemalige Wirtschaftstaatssekretär Umut Sönmez (SPD).
Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert

14.04.2026 / WIESBADEN - Im hessischen Wirtschaftsministerium ist eine weitreichende Personalentscheidung gefallen: Staatssekretär Umut Sönmez ist mit sofortiger Wirkung aus dem Amt entlassen worden. Damit zieht die Landesregierung die Konsequenzen aus schwerwiegenden Vorwürfen gegen den SPD-Politiker.



Im Mittelpunkt steht ein Vorfall bei einer internen Fastnachtsveranstaltung im Februar. Dort soll es zu mehrfachen Grenzüberschreitungen gegenüber einer Mitarbeiterin gekommen sein. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde die Frau wiederholt bedrängt und körperlich angegangen. Die Betroffene wandte sich anschließend offiziell an das Ministerium und fiel danach längere Zeit krankheitsbedingt aus.

Die Vorwürfe hatten bereits zuvor eine interne Untersuchung ausgelöst, die zum Zeitpunkt der Entlassung noch nicht abgeschlossen war. Dennoch entschied sich Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) zu einem entscheidenden Schritt - und trennte sich umgehend von seinem Staatssekretär.

Sönmez weist Vorwürfe zurück

Sönmez selbst äußerte sich zu den Entwicklungen und machte deutlich, dass er die Entscheidung akzeptiert. Minister Kaweh Mansoori habe den Ministerpräsidenten Boris Rhein gebeten, ihn zu entlassen, erklärte Sönmez. Angesichts der öffentlichen Berichterstattung halte er diesen Schritt für richtig, um weiteren Schaden vom Land, dem Ministerium und der Regierung abzuwenden.

Gleichzeitig widersprach er den Anschuldigungen deutlich. "Den Vorwurf einer sexuellen Belästigung weise ich entschieden zurück", so Sönmez in einer persönlichen Erklärung. Zudem betonte er, dass er die laufende Untersuchung für sinnvoll halte und sich davon eine vollständige Klärung erhoffe.

Zentrale Rolle im Ministerium

Die Entscheidung wiegt schwer, denn Sönmez gehörte zu den einflussreichsten Figuren im Haus. Als erster Staatssekretär war er nicht nur enger Vertrauter des Ministers, sondern auch für Personalfragen zuständig. Damit stand er im Zentrum der Führungsstruktur des Ministeriums.

Gerade diese Position macht den Fall besonders brisant. In einer Behörde, in der es auch um den Schutz von Beschäftigten geht, wiegen entsprechende Vorwürfe doppelt schwer.

Ministerium unter Druck

Das Wirtschaftsministerium steht damit erneut im Fokus der Öffentlichkeit. Bereits in der Vergangenheit hatte es Diskussionen um Personalentscheidungen gegeben. Die aktuelle Entwicklung verschärft den Druck auf die Hausleitung zusätzlich. Auch aus der Opposition kamen Forderungen nach schneller und vollständiger Aufklärung. Klar ist: Der Fall dürfte das Ministerium noch länger beschäftigen - sowohl politisch als auch intern. (Constantin von Butler) +++

X