Geburt in unsichere Zeiten

Jungbiber in Gefahr: Naturschützer warnen vor wachsendem Druck

In wenigen Wochen wird im Main‑Kinzig‑Kreis eine neue Generation junger Biber geboren. Doch laut der Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) stehen die Tiere vor großen Herausforderungen – von einem unbeschwerten Start ins Leben kann keine Rede sein.
Symbolfoto: pixabay

05.04.2026 / REGION MKK - In wenigen Wochen wird im Main‑Kinzig‑Kreis eine neue Generation junger Biber geboren. Doch laut der Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) stehen die Tiere vor großen Herausforderungen – von einem unbeschwerten Start ins Leben kann keine Rede sein.



Der Eurasische Biber (Castor fiber) ist der größte europäische Nager. Mit bis zu 30 Kilogramm Körpergewicht und einer Körperlänge von 80 bis 130 Zentimetern ist er ein Tier, das seinen Lebensraum aktiv gestaltet, Burgen und Dämme baut und in der Lage ist, Wasser anzustauen. "Das macht er nicht, um uns zu ärgern, sondern weil es in seiner Natur liegt", so die Vorsitzende der GNA, Susanne Hufmann.

Biber waren seit dem 19. Jahrhundert in Hessen ausgerottet, bis sie Ende der 1980er Jahre im hessischen Spessart wiederangesiedelt wurden. An Sinn und Jossa setzte man damals 18 "Elbebiber" aus. Deren Ansiedelung glückte sofort. "Seitdem ist der Main-Kinzig-Kreis das Hauptausbreitungsgebiet für Hessen und Bayern. Mit der erfolgreichen Wiederansiedlung begannen aber auch die Konflikte mit den neuen Bewohnern der Auen – uns Menschen."

Von Beruf Holzfäller und Wasserbauingenieur

Aus Ästen und Zweigen, die bis zu einem Meter lang sein können, bauen die an das Leben im Wasser bestens angepassten Säugetiere Dämme, die sie mit Schlamm und Pflanzenteilen abdichten. Sie stauen kleine Bäche und Gräben auf, bis ein "Bibersee" entsteht.

Erst ab einer Wassertiefe von 80 Zentimetern und mehr beginnt der Burgenbau. Denn der Eingang muss unter Wasser liegen, um bei Gefahr schnell abtauchen zu können. Da Gewässer im Winter nicht bis zum Grund zufrieren, erreichen Biber auch dann noch ihre Nahrungsvorräte. In der Zeit, in der die Natur nichts Frisches zu bieten hat, sind sie auf Baumrinden angewiesen. In der kalten Jahreszeit fällen sie vor allem Gehölze - am Gewässer meist Weiden - um nicht zu verhungern.

Bemerkenswerte Lebensweise

Biber halten keinen Winterschlaf, sind dämmerungs- und nachtaktiv und ernähren sich ausschließlich vegetarisch. Sie leben monogam und in Familienverbänden. Die Elterntiere bewohnen mit den letzten beiden Jungtiergenerationen ein Revier, das sie mit einem körpereigenen Sekret markieren.

Geschlechter äußerlich kaum zu unterscheiden

Mit 25.000 Haaren pro Quadratzentimeter ist das braune Fell besonders dicht. Nur der breite, abgeplattete Schwanz, Kelle genannt, ist mit einer lederartigen Haut bedeckt und unbehaart. Die Schneidezähne sind groß, scharf und wachsen ein Leben lang nach! Biber haben kleine Vorderpfoten, mit denen sie ihre Bauwerke errichten, aber große Hinterfüße mit Schwimmhäuten, die als Paddel dienen.

Spuren der tierischen Landschaftsgestalter sind im Kinzigtal nicht zu übersehen

"Ebenso wenig und immer mehr sind aber auch die Spuren von Eingriffen und Verfolgung durch den Menschen nicht zu übersehen." kritisiert Günter Könitzer in seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender der GNA. Dazu zählt der engagierte Artenschützer vor allem das Einreißen von Dämmen, das Ablassen von Biberseen oder Störungen am Bau. "Was die wenigsten wissen, ist, dass Wildtiere in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz grundsätzlich streng geschützt sind. Das gilt auch für den Biber."

Gegen Vorurteile hilft nur sachliche Information

Auch europaweit steht der Biber unter Schutz. Grundlage dafür ist die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union. Jede Art von Nachstellung oder die Zerstörung seiner Lebensstätten ist verboten. Bei Verstößen drohen hohe Geldstrafen, Bußgelder oder Ersatzleistungen für entstandene Schäden in zerstörten Biberlebensräumen. "Soweit sollte man es erst gar nicht kommen lassen", meint Könitzer. Schließlich gibt es immer Lösungen. Praktikabel wäre zum Beispiel die Anlage von zehn Meter breiten Uferrandstreifen auf beiden Seiten eines Gewässers, die zeitweilige Überschwemmungen problemlos überstehen. Kommunen könnten hierfür die Pacht betroffener landwirtschaftlicher Flächen reduzieren oder ganz erlassen. So profitieren Landwirte, Kommunen und die Natur gleichermaßen.

Fleißiger Biber hilft zum Nulltarif

Auen sind ihr natürlicher Lebensraum. Sie besiedeln fließende und stehende Gewässer und bevorzugen Ufer mit dichter Kraut- und Weichholzvegetation. Durch ihre Bautätigkeit schaffen sie mit großer Kreativität und Ausdauer Kleingewässer, Totholzstrukturen und ganze Feuchtgebiete.

Fast über Nacht und ganz ohne Baugenehmigung entstehen Lebensräume, die vielen seltenen und bedrohten Tier- und Pflanzenarten zugutekommen. "Da wo viel Geld und Energie für Renaturierungen und den Erhalt der Biodiversität aufgewendet werden müsste, hilft uns der alteingesessene Auenbewohner zum Nulltarif. Das ist ein großer Gewinn für die Biodiversität und natürlich für uns!", so Könitzer abschließend. (mis/pm) +++

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