Preisexplosion an den Zapfsäulen
Wasserstoffherz Deutschlands im 3G: HyWheels bringt Player zusammen
Wasserstoffenthusiast, Wirtschaftsförder und Netzwerker Christoph Burkard (DRitter von rechts) führte die Fachexpeter der Wasserstoff-Technologie am Freitag in Fulda zusammen
Fotos: PeppiVision/Hans-Hubertus Braune
30.03.2026 / FULDA -
"Wir merken die Preisexplosion beim Diesel natürlich extrem. Das ist derzeit ein echter Kraftakt für uns. Wir müssen die Mehrkosten vorfinanzieren und haben nun auch noch das Ostergeschäft", sagt Claudia Schäfer vom Transportunternehmen Johannes Jäger aus Fulda. Sie denkt über alternative Kraftstoffe nach und will nun einen Wasserstoff-Antrieb testen.
Da passt es, dass sich am Freitag die verschiedenen Player zu einer gemeinsamen Tagung im 3-G-Technologiezentrum getroffen haben. "Immer mehr Speditionen beschäftigen sich jetzt mit dem Gedanken, auch Lkw mit Wasserstoffantrieb zu nutzen. Das HyWheels-Cluster wird im Rahmen seines Wasserstoff-Updates nicht nur moderne Wasserstoff-Lkws vorstellen, sondern auch die Fördermöglichkeiten und Muster-Kostenrechnungen", sagte kurz vor Beginn der Tagung Christoph Burkard.
"Es geht nicht um entweder oder - sondern um den Platz im Energiemix" machte Carsten Beyer von NOW GmbH gleich zu Beginn deutlich. Und auch die Lkw-Hersteller machten vor Ort deutlich, dass vor allem Technologieoffenheit in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu einer nachhaltigeren Logistik führen wird.
Das vielzitierte Henne-Ei-Problem soll mit dem neuen Förderaufruf angegangen werden und die Hersteller zeigten auf, wann die Logistiker mit den Fahrzeugen rechnen können. So ist Hyundai Motor Group Energy&Hydrogen Business bereits mit dem Motorwagen unterwegs und bringt 2029 die Sattelzugmaschine raus. Diese gibt es bei QUANTRON bereits im September diesen Jahres. Im Herbst nächsten Jahres folgt sie bei KEYOU.
Historie von Bosch Hydrogen Energy
Bosch Hydrogen Energy zeigte die Historie seiner Brennstoffzellen und die Anwendung bei Iveco Group und Quantron. Hans-Joachim Schulz zeigte zudem, dass China das Henne-Ei-Thema längst gelöst hat und sieht auch für Deutschland entsprechende Möglichkeiten. Nicht zuletzt durch die neue Förderung.
Allein schon an den Zapfsäulen ist der Wasserstoff-Lkw beim aktuellen Dieselpreis schon mit dem Diesel vergleichbar. Nimmt man die reinen Betriebskosten, so sind Brennstoffzellen-Lkws schon jetzt vergleichbar mit dem Diesel. Der Diesel-Lkw verursacht bei einem Verbrauch von 30 Litern auf 100 km mittlerweile Kosten in Höhe von 65 Euro. Der Brennstoffzellen-Lkw verbraucht acht Kilogramm Wasserstoff auf 100 Kilometer, wobei bei einem Preis von 8,00 Euro pro Kilogramm Wasserstoff Kosten in Höhe von 64 Euro entstehen. Auf den Dieselpreis von 2,15 Euro kommen zudem noch die CO₂-Abgabe von 20 Cent pro Liter, bei einem Preis pro Tonne CO₂ von etwa 60 Euro. Außerdem sei der Brennstoffzellen-Lkw mautbefreit, was einem weiteren 35 Cent pro Kilometer entspreche.
Mit dem aktuellen Förderprogramm des Bundes werden die Anschaffungskosten für die Wasserstoff-Schwerlast-Lkws gefördert, und zwar 80 Prozent der Mehrkosten gegenüber dem Diesel bis zu einer maximalen Förderhöhe von 300.000 Euro. Immer wieder gestellt wird auch die Frage, woher denn der Wasserstoff für die Lkw kommen soll. Die bereits vorhandenen und in den kommenden Jahren entstehenden Wasserstoff-Tankstellen werden aus dezentral betriebenen Elektrolyseuren gespeist, die ihren Strom aus regenerativen Energiequellen beziehen und damit auch noch die Stromnetze entlasten. Allein die beiden Tankstellen in Hünfeld-Michelsrombach und Eichenzell-Welkers haben eine Gesamtkapazität von drei Tonnen täglich. Damit könnten hier bereits jeden Tag 80 bis 100 Wasserstoff-Lkws versorgt werden.
Claudia Schäfer will in Kürze den ersten Wasserstoff-Lastwagen auf ihrem Hof begrüßen. ""Wir müssen nur noch ein paar kleine Feinheiten im Vertrag klären und wollen dann einen Hyundai sechs Monate lang testen", sagte sie gegenüber OSTHESSENNEWS. Der Fuhrpark vom Jäger Transportunternehmen umfasst 25 Lastwagen. Der Krieg im Nahen Osten und damit die Sperrung der Straße von Hormus verschärfen die schwere Situation in der Logistikbranche in Deutschland zusätzlich. Die Kraftstoffpreise zermürben die Wirtschaft. Gut, dass Christoph Burkard und sein Team unermüdlich daran weiterarbeiten und dafür kämpfen, den Wasserstoff als eine Alternative in Deutschland erfolgreich weiterzuentwickeln. Nur eine Technologieoffenheit und das Zusammenspiel aller relevanten Partner werden überhaupt erst die Chancen eröffnen, sich zumindest ein Stück weit unabhängiger von den geopolitischen Unsicherheiten zu machen. "
"Alles in allem hat die Veranstaltung gehalten, was sie versprochen hat. Und das definierte Christoph Burkard gleich in seiner Begrüßung: den Startschuss geben, informieren, Strukturen für die Förderung schaffen. Wir freuen uns auf die nächsten Monate und einige Beteiligungen für unsere geplante Antragstellung", fasst die Initiative "HyWheels" die Tagung im 3G-Kompetenzzentrum zusammen. (Hans-Hubertus Braune) +++