"Was tun gegen Einsamkeit?"

Experten diskutieren an der Katholischen Akademie

Experten diskutieren an der Katholischen Akademie Strategien gegen die innere Leere
Fotos: Sebastian Koch

29.03.2026 / FULDA - Beim Akademieabend "Was tun gegen Einsamkeit – Strategien gegen die innere Leere" diskutierten Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und sozialer Arbeit über Ursachen, Folgen und mögliche Gegenstrategien.



Nach einer Einführung durch Dr. Sebastian Koch von der Katholischen Akademie und Ludger Kersting von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ordnete Dr. Helena Ludwig-Walz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung den Begriff ein: Einsamkeit sei ein subjektives, oft auch körperlich schmerzhaftes Gefühl und klar zu unterscheiden von Alleinsein oder sozialer Isolation. Betroffen seien längst alle Generationen, wie das Einsamkeitsbarometer zeige.

Der FDP-Politiker Yanki Pürsün, Sprecher für Gesundheit, Soziales, Sport und Integration der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag betonte, dass das Thema in der Politik erst langsam ankomme. Besonders Kommunen bräuchten mehr finanzielle Mittel, um niedrigschwellige Begegnungsorte zu schaffen. Prävention müsse stärker in den Fokus rücken, damit Menschen gar nicht erst krank würden.

Folgen von Einsamkeit

Janina Wübbelsmann von der Caritas berichtete aus der Beratungspraxis, dass viele Menschen mit anderen Problemen kämen, hinter denen sich Einsamkeit verberge. Schon ein einziges Gespräch am Tag könne für Betroffene viel verändern. Das Caritas-Jahresthema "Zusammen geht was – Caritas verbindet Generationen" unterstreiche die Bedeutung des Themas.

Die Diskussion zeigte, wie gravierend die Folgen von Einsamkeit sind: erhöhte Krankheitsrisiken, frühere Sterblichkeit, psychische Belastungen und schwindendes Vertrauen in demokratische Prozesse. Deutschland gehöre laut Studien zu den am stärksten betroffenen Ländern. Auch die Rolle sozialer Medien wurde kritisch beleuchtet – zwischen Verstärkung und Zufluchtsort. Wübbelsmann verwies auf die Diskrepanz zwischen perfekter Onlinewelt und realem, unvollkommenem Menschsein. Letztendlich ein Plädoyer für eine Theologie des imperfekten Menschen.

Trotz der Herausforderungen gab es auch positive Perspektiven: Protektive Faktoren wie stabile Beziehungen und soziale Netzwerke seien bekannt und könnten gestärkt werden. Aus dem mit rund 50 Personen gut besuchtem Publikum kamen Hinweise auf kirchliche Begegnungsräume und der Gedanke, dass Glaube Menschen verbinden könne. Der Abend machte deutlich, dass Einsamkeit ein wachsendes gesellschaftliches Problem ist – aber eines, dem mit Prävention, Begegnung und Entstigmatisierung wirksam begegnet werden kann.

Die Katholische Akademie, die auch schon Fachtage zu diesem Schwerpunkt angeboten hat, will den Austausch fortsetzen und weiterhin Räume schaffen, in denen Einsamkeit offen besprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden kann. (nia/pm) +++

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