Polizeiliche Kriminalstatistik 2025
Politische Gewalt steigt stark an - Gesamtkriminalität auf langer Sicht rückläufig
Fotos: Andreas Bejm
25.03.2026 / OFFENBACH -
Die Zahl der politisch motivierten Kriminalitätsfälle ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Das geht jetzt aus der Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Südosthessen hervor, welche am Mittwoch vorgestellt wurde. Das Präsidium ist zuständig für die Großstadt Offenbach am Main sowie für die Landkreise Offenbach und Main-Kinzig mit der Großstadt Hanau.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst alle zur Anzeige gebrachten Straftaten. Grundlage für die Einstufung der Straftaten ist die schwerstmögliche anzunehmende Tat. Aus einem in dieser Statistik erfassten Mord wird vor Gericht also regelmäßig ein Totschlag oder eine schwere Körperverletzung. Gleiches ist auf andere Straftatbestände anzuwenden. Weiterhin richtet sich die Statistik auf das Datum des Ermittlungsendes, nicht der Straftat. So fließen Taten aus 2024 in die Zahlen von 2025 ein und nicht alle Verbrechen aus 2025 finden sich in dieser Statistik. Auch die Dunkelziffer wird nicht berücksichtigt.
Untenstehend finden Sie eine Zusammenfassung. Ein Link zur ausführlichen Statistik befindet sich am Ende des Beitrags.
Leichter Anstieg der Gesamtkriminalität – Langzeittrend weiterhin rückläufig
Auch wenn die Fallzahlen der Gesamtkriminalität im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent angestiegen sind, zeigt die Gesamtentwicklung, dass die Kriminalitätsbelastung langfristig gesehen weiterhin auf einem insgesamt niedrigen Niveau bleibt. Während im Jahr 2004 mit 64.221 Fällen ein Höchststand erreicht wurde, ist das Fallaufkommen seither im Langzeitvergleich zurückgegangen. Für das Jahr 2025 weist die Statistik 41.452 Straftaten aus. Gegenüber dem Höchststand von 2004 entspricht dies einem Rückgang um rund ein Drittel. Die größten Fallzahlenanstiege waren insbesondere in den Deliktsbereichen der politisch motivierten Kriminalität (45,1 Prozent), der Geldwäsche (44,2 Prozent), des Diebstahls an oder aus Kraftfahrzeugen (22,9 Prozent) sowie bei der gefährlichen Körperverletzung (12,1 Prozent) zu verzeichnen. Die Fälle der gefährlichen Körperverletzung im öffentlichen Raum stiegen dabei um 19,9 Prozent. Die Aufklärungsquote ist im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt auf 60,3 Prozent gesunken.
Mit einer Kriminalitätsbelastung von 4.547 Straftaten pro 100.000 Einwohner ist die sogenannte Häufigkeitszahl um 5,7 Prozent gestiegen – die Zahl bewegt sich im Langzeitvergleich jedoch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.
In Hanau stiegen die Fallzahlen moderat um 3,8 Prozent (260 Fälle Die Aufklärungsquote lag hierbei bei 64,8 Prozent. Die größten Anstiege wurden bei Wohnungseinbruchdiebstahl (38 Prozent) und Körperverletzungsdelikten (25,4 Prozent) festgestellt. Im Gesamtraum des Main-Kinzig-Kreises ist die Kriminalitätsbelastung weiterhin niedrig. Die Zahl ist hier um 1,4 Prozent auf 146 Fälle gestiegen. Die Aufklärungsquote liegt hier, ähnlich wie auch in der Stadt Hanau, bei 64,6 Prozent. Den deutlichsten Zuwachs verzeichneten die Wohnungseinbruchsdiebstähle mit 36,9 Prozent.
Im Bereich der politisch motivierten Kriminalität (PMK) wurden im Jahr 2025 insgesamt 643 Straftaten registriert – 2024 waren es noch 443. Dies entspricht einem Anstieg von 45,1 Prozent – der Anstieg im Landesdurchschnitt lag bei 25,1 Prozent. Diese Entwicklung steht insbesondere im Zusammenhang mit zwei größeren Einsatzlagen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Südosthessen.
Am 1. Februar 2025 fanden mehrere Gegenversammlungen gegen eine Wahlkampfveranstaltung der AfD in Neu-Isenburg statt. Dort wurden 48 Straftaten, die dem Phänomenbereich PMK-Links zugeordnet werden können, festgestellt. Auch im Zusammenhang mit der Räumung eines Camps im Stadtwald in Langen wurden 54 Strafverfahren von der Polizei eingeleitet, die demselben Phänomenbereich zugeordnet werden können. 102 von 109 Straftaten aus diesem Bereich können also auf diese zwei Einsatzlagen zurückgeführt werden.
Trotz eines Rückgangs von 1,2 Prozent stellt der Bereich PMK-Rechts mit 242 Straftaten weiterhin den größten Anteil aller politisch motivierten Straftaten dar. Insbesondere im Phänomenbereich "Sonstige Zuordnung", der auch Hasskommentare beinhaltet, konnte ein Anstieg von 200 Prozent festgestellt werden, der zu großen Teilen in Zusammenhang mit der Bundestagswahl 2025 steht.
Insbesondere bei Straftaten, die im öffentlichen Raum begangen werden, bleiben die Zahlen weiterhin unter dem früheren Niveau. Im Zeitraum von 2001 (18.874 Fälle) bis zum Jahr 2025 (7.817 Fälle) konnten die Delikte um 60 Prozent reduziert werden. Hierein zählen etwa Körperverletzung, Straßenraub, Diebstahl, Sachbeschädigungen oder exhibitionistische Handlungen. Im Main-Kinzig-Kreis sank die Zahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 8 Prozent, in der Stadt Hanau um 5,3 Prozent und in der Stadt Offenbach um 4,8 Prozent.
Vor allem durch vermehrte Videoschutzanlagen können potenzielle Täter von der Begehung von Straftaten abgeschreckt werden. Hierdurch wird auch das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger gestärkt und eine bessere Strafverfolgung ermöglicht. Auch die seit 2024 laufende Innenstadtoffensive der Landesregierung ist hier ein wichtiger Bestandteil. In den Innenstädten von Offenbach und Hanau wurden insgesamt 5.423 Personen kontrolliert, 170 Personen vorläufig festgenommen und 54 Haftbefehle vollstreckt.
Wohnungseinbruchdiebstahl und sexueller Missbrauch von Kindern angestiegen
Die Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch von Kindern hat weiterhin höchste Priorität. Während die Delikte im Bereich Verbreitung, Erwerb und Besitz dieser Inhalte um 23,3 Prozent zurückgingen, wurde beim sexuellen Missbrauch von Kindern ein Anstieg von 9,4 Prozent registriert. Dabei haben 87,7 Prozent der Täter eine persönliche Bindung zum Opfer oder eine Vorbeziehung. Die Aufklärungsquote liegt im Bereich des Besitzes und der Verbreitung von kinderpornografischen Inhalten bei 91 Prozent.
Der Anstieg der Sexualstraftaten ist auch Ausdruck von Sensibilisierung und einer höheren Anzeigebereitschaft der Betroffenen. Auch die hohen Fallzahlen bei der Verbreitung stehen maßgeblich im Zusammenhang mit erweiterten Meldepflichten. Die spezialisierte FOKUS-Dienststelle ermittelte im vergangenen Jahr gegen mehr als 230 Beschuldigte und führte Durchsuchungen durch. Dabei wurden acht Haftbefehle vollstreckt und 1.180 Datenträger sichergestellt.
Bei Delikten wie Mord, Totschlag und Körperverletzung mit Todesfolge wurden im Jahr 2025 39 Fälle registriert, im Jahr 2024 waren es noch 45 Fälle. Nahezu alle sogenannten "Straftaten gegen das Leben" konnten aufgeklärt werden.
Im Bereich der Rohheitsdelikte stiegen die Fallzahlen um 11,5 Prozent auf 7.382 Fälle mit einer Aufklärungsquote von 89,7 Prozent. Im Deliktbereich Raub und räuberische Erpressung entwickelten sich die Zahlen rückläufig und sanken um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei Körperverletzungsdelikten machen mit 69,9 Prozent der Fälle die leichten Körperverletzungen den Großteil aus – die Zahlen stiegen hierbei im Vergleich zum Vorjahr um 9,2 Prozent. Die Anzahl der schweren Körperverletzungen stieg um 12,1 Prozent im Vergleich zu 2024. Über die Hälfte dieser Taten geschahen im öffentlichen Raum.
Vor allem bei häuslicher Gewalt wurde im Jahr 2025 mit 1.682 Fällen der höchste Wert der vergangenen Jahre registriert. Dies entspricht einem Anstieg von 16,4 Prozent. 82 Prozent der betroffenen Personen sind Frauen. Auch hier stehen die hohen Fallzahlen in Zusammenhang mit der öffentlichen Aufarbeitung und der Sensibilisierung von Betroffenen.
Einsatzkräfte der Polizei, Feuerwehr und des Rettungsdienstes sorgen täglich für den Schutz von Bürgern und Bürgerinnen. Dennoch wurde ein Anstieg von 541 Fällen von Gewalt gegen Einsatzkräfte registriert – dies entspricht einem Anstieg von 2,3 Prozent. Dabei gingen die Fälle gegen Polizeibeamte um zwei zurück, die Angriffe auf Rettungsdienstkräfte stiegen von 10 auf 18 Fälle. Die Mehrzahl der Widerstandshandlungen entsteht hierbei aus niedrigschwelligen Kontrollsituationen von alkoholisierten Personengruppen oder Personen.
Um Polizeibeamte besser vor Angriffen zu schützen, werden Polizeibeamte mit Bodycams und seit einigen Jahren auch mit sogenannten Distanzelektroimpulsgeräten (DEGS) ausgestattet.
Die ausführliche Presseinformation für alle Interessierten befindet sich samt einer PowerPoint-Präsentation auf der Website des Polizeipräsidiums Südosthessen unter der Rubrik "Statistik" (pg/pm) +++