"Wir sind aus allen Wolken gefallen"

Ambiente kündigt kurzfristig Schließung an: Mehr als 30 Bewohner betroffen

Das Seniorenzentrum soll offenbar bereits zum 31. März schließen.
Fotos: js

25.03.2026 / HERBSTEIN - Schock, Fassungslosigkeit und tiefe Verunsicherung: Das Ambiente Care in Herbstein (Vogelsbergkreis) sorgte in den vergangenen Wochen für heftige Schlagzeilen, nachdem bekannt wurde, dass rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vergeblich auf ihre Gehaltszahlungen warteten. "Wir sind wirklich stocksauer", berichtete ein Beschäftigter gegenüber OSTHESSEN|NEWS. Nun folgt der nächste Paukenschlag: Das Seniorenzentrum soll offenbar bereits zum 31. März – also in nur einer Woche – schließen. Wohin die Bewohnerinnen und Bewohner dann ziehen sollen? Niemand weiß es. Und das ist längst nicht alles.


Zahlreiche Leser wandten sich an unsere Redaktion. Ihre Reaktionen reichen von Empörung bis zu blanker Fassungslosigkeit. "Wir sind aus allen Wolken gefallen", sagt eine Frau, deren Schwiegermutter seit vergangenem Jahr im Ambiente lebt. Für sie konnte inzwischen ein neuer Platz gefunden werden. Doch was ist mit den anderen Bewohnern? Wohin sollen sie jetzt?

Konten gesperrt, Leitung nicht erreichbar

Nach aktuellen Informationen leben derzeit über 35 Seniorinnen und Senioren im Heim. Viele von ihnen verfügen über ein Taschengeldkonto – doch offenbar haben sie darauf keinen Zugriff mehr. Die Kontrolle darüber liegt bei der Einrichtung, deren Verwaltungszentrale in Hannover sitzt. Die Angehörige, mit der wir gesprochen haben, erreicht niemanden aus der Geschäftsführung. "Die Bewohner kommen nicht an ihr eigenes Geld. Das ist ein Unding", sagt sie gegenüber O|N.

"Mir fehlen die Worte"

Nach ihren Informationen sollen selbst die Investoren des Heims nichts von der bevorstehenden Schließung gewusst haben und völlig überrascht worden sein. "Wir sind alle geschockt. Wie kann man so mit alten Menschen umgehen? Mir fehlen die Worte", sagt die Frau und man versteht ihren Unmut. Was nun mit den Bewohnern passieren soll? Sie müssen das Ambiente offenbar bis zum 31. März verlassen. Viele umliegende Einrichtungen sind jedoch voll und nehmen derzeit niemanden mehr auf. "Die Menschen zahlen viel Geld und dann so etwas. Das ist eine riesengroße Sauerei", fasst die Angehörige zusammen.

Staubach: "Uns sind als Kommune die Hände gebunden"

Wir haben auch mit Herbsteins Bürgermeisterin, Astrid Staubach, gesprochen. Die Lage sei "hochkomplex und wirtschaftlich verflochten", viele Stellen seien beteiligt, was schnelle Lösungen erschwere. Besonders betroffen zeigt sie sich von der Lage der Bewohnerinnen und Bewohner. "Mich bewegt das sehr, aber uns sind als Kommune die Hände gebunden", sagt sie gegenüber OSTHESSEN|NEWS. Man müsse die Angehörigen ermutigen, hart zu bleiben und den Betreiber an seine Verantwortung zu erinnern.

Am Dienstagabend findet eine Informationsveranstaltung statt, bei der alle offenen Fragen geklärt werden sollen. Wir bleiben am Thema dran. (js)+++


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