Neue Ausstellung
Grenzerfahrungen und Urban Sketching – Vielfalt im Kunstverein
Fotos: Privat
23.03.2026 / FULDA -
Bei strahlendem Sonnenschein kamen 50 Besucherinnen und Besucher zur Eröffnung der neuen Ausstellungen des Kunstvereins Fulda in die Galerie in der Habsburgergasse 2 Die Vorsitzende Anne Härtel-Geise begrüßte die Gäste und stellte die besondere Konstellation des Nachmittags vor: Zwei Ausstellungen, die unterschiedliche künstlerische Positionen vereinen und zugleich die Vielfalt des Vereins sichtbar machen.
Im Mittelpunkt steht die Ausstellung "Schmerzgrenze" mit Arbeiten von Dr. Anja Dorst, Cathrin Reiss und Viktoria Wittek. Die drei Künstlerinnen setzen sich auf jeweils eigene Weise mit den Grenzen von Schmerz und existenzieller Erfahrung auseinander. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen persönlichen Bildwelten, materialbetonten Ansätzen und symbolischer Verdichtung und entwickeln dabei eine eindringliche, teils irritierende, zugleich aber auch ästhetisch anziehende Wirkung.
Körper, Raum und Bewegung
Victoria Wittek bewegt sich in einem bewusst offenen Zwischenraum von Zeichnung und Objektkunst. Ihre Arbeiten wirken skizzenhaft, beinahe flüchtig – als entstünden sie im Moment des Erfassens und zugleich im Impuls des Rückzugs. Körper, Raum und Bewegung geraten dabei in eine fragile Balance, die sich klaren Zuschreibungen entzieht.Dr. Anja Dorst entfaltet ein vielschichtiges Werk, das sich entlang der Erfahrung von Verlust und Trauer entwickelt. In symbolisch aufgeladenen, teils surreal verfremdeten Objekten entstehen Bildräume von großer Dichte. Persönliches Erleben verbindet sich mit übergeordneten, mitunter religiös konnotierten Bedeutungen. Dabei oszillieren die Arbeiten zwischen stiller Konzentration und eindringlicher Präsenz. Ingo Wirth beschreibt die eine Arbeit von Fr Dorst folgendermaßen "Ein Vorhang aus dicht gereihten Trauerschleifen, durch den man hindurchgehen muss. Der Raum dahinter bleibt ungewiss, doch der Akt des Durchschreitens wird selbst zur Erfahrung: Trauer erscheint nicht als Zustand, sondern als Weg – tastend, verhüllend, und doch unausweichlich."l
Zwischen Anziehung und Verstörung, Poesie und Bruch
So unterschiedlich die künstlerischen Ansätze sind, so verbindet sie doch eine gemeinsame Haltung: die Bereitschaft, sich an die Grenze des Darstellbaren vorzutasten. Zwischen Anziehung und Verstörung, Poesie und Bruch entsteht eine Bildsprache, die den Schmerz nicht erklärt, sondern erfahrbar macht.Urban Sketching bedeutet das spontane Zeichnen der Umgebung – draußen vor Ort, nicht vom Foto – und verbindet kreativen Ausdruck mit bewusster Entschleunigung. Neben dem Zeichnen steht der Austausch im Mittelpunkt: persönliche Geschichten, Tipps für Technik und Perspektive sowie die Freude am gemeinsamen Entdecken. Urban Sketching kann als "Meditation mit dem Stift in der Hand" verstanden werden, es fördert Präsenz im Alltag und hilft, Selbstzweifel zu überwinden.
Globale Community
Die Urban Sketchers sind Teil einer globalen Community: Weltweit gibt es über 300 offiziell registrierte Gruppen in mehr als 70 Ländern, von Helsinki über Tokyo bis Sydney. Viele Fuldaer Sketcher teilen ihre Arbeiten auch online auf Social-Media-Plattformen, wodurch ihre Skizzen international sichtbar werden und sie sich mit anderen Urban Sketchern weltweit vernetzen.Die Ausstellung zeigt diese Vielfalt anschaulich: Skizzenbücher, gerahmte Einzelblätter und Fotopräsentationen der letzten Jahre geben Einblicke in die spontane, beobachtende Herangehensweise der Urban Sketcher Fulda und machen die Freude an dieser besonderen Form des Zeichnens sichtbar.
Den stimmungsvollen Abschluss der Eröffnung gestaltete der Musiker Tim Hesselbein, der den Abend auch musikalisch eröffnete. Ausstellungsdauer: 22.3-10.5.2026, Öffnungszeiten Do.-So. 15-18 Uhr und nach Vereinbarung. (mmb/pm) +++