Demo am Bahnhofsvorplatz

Großer Protesttag: "Apotheken retten Leben, doch wer rettet die Apotheken?"

Den Apothekern reicht es - das zeigten sie unmissverständlich am Fuldaer Bahnhofsvorplatz.
Fotos: Rene Kunze

23.03.2026 / FULDA - Am Fuldaer Bahnhofsvorplatz bot sich am Montagmittag ein ganz ungewohntes Bild: Hunderte weiße Kittel, Warnwesten und Kundgebungen - untermalt von Jubelrufen und tosendem Applaus. Der Apotheken-Protesttag erreichte in Osthessen mit der Demonstration in der Barockstadt einen ersten großen Höhepunkt. Während die Apotheken bis auf einige wenige verschlossen bleiben, setzen sich in der Innenstadt die Apotheker für ihre Interessen lautstark ein.



Insbesondere Unterfinanzierung der Niederlassungen, unfairer Wettbewerb mit dem Online-Versandhandel und vor allem nicht eingelöste Versprechen der Bundesregierung sind nur ein Bruchteil der Probleme, die den Apothekern seit Jahren das Leben schwer machen - mit einem großen Streik möchte das Personal auf die Missstände in der Branche aufmerksam machen.

Apotheken kaputt sparen? Mit uns nicht!

Bei Gesprächen mit Demonstranten ließ sich schnell ein Muster erkennen: Den Apotheken fehlt Geld und das schon seit Jahren – währenddessen steigen die Kosten in allen Bereichen. 2004 wurde die Honorierung honoriert und 2013 letztmalig angehoben, von 8,10 Euro pro abgegebener Packung auf 8,35 Euro - ein Anstieg von gerade mal drei Prozent in 22 Jahren. "25 Prozent der Apotheken sind wirtschaftlich nicht mehr tragfähig. Das heißt, dass jede vierte Apotheke perspektivisch verschwindet oder nur unter großem wirtschaftlichen Druck arbeiten kann", erklärte Holger Seyfarth, Vorstand des Hessischen Apothekerverbandes (HAV) im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.

Der Inhaber der Schlitzer Sonnen-Apotheke, Dr. Christian Gerninghaus, moderierte die Kundgebung und sendete klare Signale an die Bevölkerung und die Politik. "In den letzten 20 Jahren sind die Diäten der Abgeordneten um 63 Prozent und die Gehälter der Vorstandsvorsitzenden der Krankenkassen um 70 Prozent gestiegen. Die allgemeine Preissteigerung ist in einer ähnlichen Größenordnung. Wenn wir das einpreisen würden, wären wir bei 14 Euro Honorar pro Packung", so der langjährige Apotheker.

Dies unterstrich auch die Vizepräsidentin der Landesapothekerkammer, Schamim Eckart. "Während von uns verlangt wird jeden Cent umzudrehen und den Gürtel enger zu schnallen, stanzen andere sich immer größere Löcher in den eigenen Gürtel", so die Apothekerin.

Auch Maximilian Traut von der Fuldaer Stadtapotheke meldete sich zu Wort: "Die Apotheken sind schon lange keine Baustellen mehr. Sondern es herrscht akute Absturzgefahr!". Er agierte zudem als Hauptorganisator der Demonstration und stellte unter anderem auch die Technik zur Verfügung.

Vertreter der Kommunal- und Landespolitik solidarisieren sich mit den Apotheken

Auch der Oberbürgermeister der Stadt Fulda, Heiko Wingenfeld (CDU) und der CDU-Kreisvorsitzende, sowie Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt waren vor Ort – mitten im Geschehen und stellten sich unterstützend an die Seite der Demonstranten am Fuldaer Bahnhofsvorplatz und zeigten: "Ihr seid nicht allein mit euren Anliegen."

Als politische Redner traten unter anderem auch Dr. Ralf-Norbert Bartelt, Vorsitzender der CDU-Fraktion im hessischen Landtag und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP im Landtag, Yakin Pürsün, auf Auch sie unterstützten die Apotheker mit ihren Worten und machten Mut auf eine bessere Zukunft.

"Die Mindesterhöhung von 8,35 Euro auf 9,50 Euro muss zeitnah erfolgen", so Dr. Bartelt. Nur mit freiberuflichen Unternehmern und Fachleuten könnten die Leute so versorgt werden, wie sie es verdienen. Aus diesem Grund müsse ein Signal ausgehen, welches auch finanzielle Planungssicherheit schafft, ergänzte der ehemals freiberufliche Dermatologe Bartelt.

"Wir brauchen mehr Respekt für Ihren Einsatz, denn es geht dabei nicht nur um Sie, sondern um die gesundheitliche Versorgung in Hessen und ganz Deutschland", so Pürsün der zudem betonte, wie wichtig es auch sei im gleichen Zuge Bürokratie abzubauen, um den Niederlassungen nicht noch mehr Steine in den Weg zu legen.

Wie sich die Lage der Apotheker nun weiterentwickelt, ob die Apothekenreform im von SPD und CDU unterzeichneten Koalitionsvertrag umgesetzt wird und wie es mit den Apotheken weitergeht, die schon am Rande des Ruins stehen, bleibt noch abzuwarten. Eins ist allerdings sicher: Die Demonstration war laut, wichtig und vor allem deutlich in ihren Wünschen und Hoffnungen. (Philipp Gerhard) +++

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