Sexualisierte Gewalt

"Ich schweige nicht" - Gabriela Deneke gründet Mutraum nach Leid ihrer Tochter

Gabriela Deneke aus Romrod hat den "Mutraum" auf den Weg gebracht. Sie setzt ein Zeichen gegen sexualisierte Gewalt.
Fotos: Maurice Schumacher

26.03.2026 / ROMROD - Aus tiefem Schmerz kann große Stärke wachsen: Gabriela Deneke aus Romrod ist Mutter einer autistischen Tochter, die Opfer sexualisierter Gewalt wurde. "Der Vorfall hat sich in einem Umfeld zugetragen, das eigentlich ein geschützter Ort sein sollte." Gefühle der Ohnmacht und Hilflosigkeit machten sich breit, doch schnell stand für die 48-Jährige fest: "Niemand soll mit solchen Erfahrungen alleine bleiben." So entstand die Selbstinitiative "Mutraum Vogelsbergkreis".



Das Ganze liegt erst wenige Wochen zurück. Der Schock sitzt bei Deneke immer noch tief. Tagsüber funktioniere man irgendwie, erzählt sie, "aber abends kreisen die Gedanken, die Bilder kommen wieder". Die betroffene Mutter erklärt weiter: "Ich hätte niemals gedacht, dass mein Kind in einer Einrichtung einmal Opfer sexualisierter Gewalt wird." Eines Tages habe sie verzweifelte Hilferufe ihrer 27-jährigen Tochter auf ihr Handy erhalten. Rettungswagen und Polizei wurden alarmiert, die Ermittlungen laufen nach wie vor. "Ich war entsetzt von den Verletzungen." Für ihr Kind sei das Geschehene kaum greifbar. "Die Erinnerungen kehren langsam zurück." Doch eines steht für ihre Tochter außer Frage: Es war nicht einvernehmlich.

Mutraum als geschützter Ort für Betroffene und Angehörige

Um die Geschehnisse zu verarbeiten, hat Deneke als ersten Schritt psychologische Hilfe zu Rate gezogen. "Menschen mit Behinderung sind oft besonders verletzlich", stellt sie heraus. "Viele können nicht für sich selbst sprechen und nicht für sich einstehen, wenn ihnen etwas widerfahren ist. Deshalb soll der Mutraum ein geschützter Raum und eine Stimme sein - für Betroffene und Angehörige gleichermaßen." Austausch, Unterstützung und gegenseitige Stärke - all das findet hier Platz. "Auch meine zwei ausgebildeten Therapie-Begleithunde werden uns zur Seite stehen." Sie helfen, Ruhe zu finden und Sicherheit zu spüren.

Sich anderen Menschen anzuvertrauen, falle verständlicherweise nicht leicht. Dennoch ist die Botschaft der betroffenen Mutter ganz klar: "Es ist mutig, wenn man sich öffnet - Schweigen schützt den Täter." (mkr) +++

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