Soroptimist International

Aus Mut und Machen erwachsen Mutmacherinnen

Im Bild von links sitzend: Sonja Seeger, Lubica Bojkunova, Regine Dietz; stehend: Claudia Rivinius, Dr. Dorle Grünewald-Funk, Claudia Blum
Fotos: SI/Deibel (1) SI/Kirst (2)

23.03.2026 / LAUTERBACH - SI Lauterbach-Vogelsberg hatte zur Veranstaltung "Mut. Macherinnen. Möglichkeiten" in die Kulturspinnerei geladen und konnte sich über einen vollen Saal freuen.



Die Frage nach der Vereinbarkeit von Job, Familie, Alltag und den eigenen Bedürfnissen hatte zahlreiche Teilnehmerinnen in die Kulturspinnerei geführt und mit einem großartigen Format davon überzeugt, dass keine auf der Suche nach Antworten allein ist oder gar bleiben muss.

Alle Teilnehmerinnen wurden zunächst von Dr. Dorle Grünewald-Funk begrüßt, der aktuellen Präsidentin von SI Lauterbach-Vogelsberg, die anschließend an das Geschehen auf der Bühne übergab. Dort, eingerahmt und strukturiert durch eine souveräne Moderation durch Claudia Rivinius und Claudia Blum, vermittelten Sonja Seeger, Lubica Bojkunova und Regine Dietz ihre eigene Verortung in dem oben benannten Spannungsfeld auf sehr persönliche Art und Weise. Die unterschiedlichen Perspektiven spiegelten zum einen die jeweils individuelle, biografisch gewachsene Situation, zum anderen den persönlichen Umgang mit den Herausforderungen, die ein Frauenleben zwischen "Meetings und Muttersein" beinhalten kann: Berufstätig in Vollzeit mit einem Mix aus Home-Office und Präsenz, Selbstständigkeit, Unternehmerin, Angestellte, Führungsrolle, Patchworkfamilie, Alleinerziehende und Auslandsaufenthalt mit Kindern.

Alle drei Frauen haben im Lauf ihres bisherigen Lebens sehr unterschiedliche, prägende Erfahrungen gemacht und sich individuelle berufliche und familiäre Lösungen erarbeitet, denen eins gemein ist: Keine ist perfekt. Aber jede davon motiviert, einen eigenen Weg zu finden, der eine Art von Balance ermöglicht.
Nicht "Kind oder Karriere" lautet die Frage, sondern was wird gebraucht, um eine berufliche und persönliche Selbstentfaltung von Frauen zu ermöglichen und zu unterstützen.

Selbstverständlich benötigt ein solcher Weg auch Mut, und jede der drei danach Gefragten konnte präzisieren, wo und wann dieser im Alltag benötigt wird und wie er sich zeigt. Hier läge ein Schlüssel darin, Verantwortung zu übernehmen und voranzuschreiten. Angst vor einer scheinbar falschen Entscheidung ist ein Gefühl, das jede kannte, aber der Umgang damit vermittelte die große Resilienzkraft, die auch in der Furcht vor Scheitern stecken kann: Mut sei nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Erkenntnis, das etwas anderes wichtiger sei; "Nicht-Machen" sei die schlechteste Entscheidung von allen.

Seeger, Bojkunova und Dietz bekleiden zurzeit auch Vorstands-Ämter bei SI Lauterbach-Vogelsberg. Ein Engagement im Ehrenamt, das nicht nur Selbstverwirklichung bedeutet, sondern auch vielfältige Unterstützung; zudem eine Vernetzung, die Bewusstsein schafft und ihnen viel Kraft gibt, wie alle drei betonten.

Viel Applaus vom Publikum

Das Publikum reagierte mit viel Applaus - und mit vielen Rückmeldungen. Sofort wurde klar, dass die Veranstaltung von Soroptimist International Lauterbach-Vogelsberg einen Nerv getroffen hatte. Alle Anwesenden tauschten sich in großer Runde über ihre individuelle Situation und ihren Umgang damit aus. Auch Arbeitgeberinnen berichteten von ihren Erfahrungen und ihrem Bestreben, Mitarbeiterinnen optimale Entwicklungsmöglichkeiten zu geben.

Wiederholtes Thema des Abends waren die mangelnden Betreuungsstrukturen im Vogelsberg und eine Gesellschaft, die Sorge- und Pflege-Arbeit noch immer auf Seiten der Frauen sieht - und schlimmer noch: in der es Strömungen gibt, ein längst überholtes Rollenverständnis aus der Motten-Kiste zu holen und es wieder zu "bewerben". Ein Ausbau verlässlicher, flexibler Kinderbetreuungsangebote und eine Umverteilung der Sorge-Arbeit auf Männer wurde mehrfach gefordert - ein gesellschaftlicher Rahmen für Betreuung und Entfaltung, der weitergeht als nur eine individuelle Aufteilung innerhalb einer Familie.

Durch den Austausch der zahlreichen individuellen, teils auch sehr privaten Einblicke wurde ersichtlich, wie großflächig und politisch diese Problematik einzuordnen ist. Es war spürbar, in welchem Maß die Vernetzung der individuellen Erfahrungen, Wünsche, Ideen und Strategien im Laufe des Abends zu einem tragbaren Gerüst wurde, von dem jede Teilnehmerin ein Stück mitnehmen konnte. "Mut. Macherinnen. Möglichkeiten" hatte Mutmacherinnen erwachsen lassen. (pm/hhb) +++

Im Bild von links: Auf der Bühne während des Abends: Claudia Rivinius, Sonja Seeger, Lubica Bojkunova, Regine Dietz und Claudia Blum

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