"India Jones hat mich immer fasziniert"

Restaurator Jörg Büchner findet geheime Botschaft in antikem Schrank

Vorsichtig wurde die Rückwand des kostbaren Schranks entfernt, um an das Geheimnis zu kommen
Fotos: Jörg Büchner

23.03.2026 / FULDA - "Es war eine richtige Schatzsuche", sagt Restaurator Jörg Büchner, der sich dabei wie eine Mischung aus Sherlock Holmes und Indiana Jones fühlte. Sein detektivischer Spürsinn und seine Ausdauer brachten jetzt nach intensiver Suche ein ungeahntes Geheimnis zum Vorschein.



Vor mittlerweile acht Jahren hatte der 48-Jährige in seinem Atelier am Luckenberg einen kostbaren Sammlerschrank restauriert. Das leicht ramponierte Prachtmöbel ist mit einem vergoldeten Messinggitter verziert und diente vor dreihundert Jahren seinem ursprünglichen Besitzer, August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel (1662 bis 1731), für den es gebaut wurde, zur sicheren Aufbewahrung und Präsentation seiner Elfenbeinsammlung. Heute gehört er zum Inventar von Schloss Fasanerie in Eichenzell. Monatelang hatte Jörg Büchner sich für dessen Restaurierung intensiv mit diesem kostbaren Möbel auseinandergesetzt und über dessen Geschichte geforscht. Welcher Künstler seines Fachs ihn aber tatsächlich gebaut hatte, war bis jetzt unbekannt.

Der schöne Schrank kam durch einen Tausch in den Besitz von Kronprinzessin Victoria, der späteren Kaiserin Friedrich, was man auch an ihrem Inventarisierungsstempel auf der Rückseite ablesen kann. Als sie um 1880 von Berlin ins Kronberger Schloss umzog, nahm sie auch den kostbaren Sammlerschrank mit. Heute steht er – gefüllt mit chinesischem Porzellan – im Kleinen Saal von Schloss Fasanerie.

Weil er das gute Stück im Zuge der Restaurierung bis auf das kleinste Schräubchen kennengelernt hatte, wurde Jörg Büchner natürlich aufmerksam, als gemeldet wurde, dass bei dem Zwillingsexemplar des Schrankes im Herzog-Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig ein Zettel an versteckter Stelle im Inneren gefunden wurde. Darauf stand, wer der Urheber des Sammlerschranks war. Der stolze Schreiner und Hoflieferant des Herzogs hatte dort geschrieben, dass er diesen und elf weitere identische Exemplare im Jahr 1729 hergestellt hatte.

Vergebliche Versuche mit Greifzange, Staubsauger und Druckluft

"Sofort hatte ich den Drang, auch bei 'unserem' Exemplar auf Schatzsuche zu gehen, denn diesen verborgenen Hohlraum im oberen Teil des Korpus hatte ich nicht entdeckt", sagt Büchner, den die Provenienz von jedem Möbelstück interessiert, das in seiner Werkstatt restauriert wurde. Schlossdirektor Dr. Miller vertraut dem Restaurator, der schon manch schönes Möbelstück für die Hessische Hausstiftung restauriert hat. Bei der Untersuchung mit einem Endoskop konnte in dem Versteck tatsächlich etwas ausgemacht werden. Als das Restauratorenteam aber vergeblich versucht hatte, von außen an den Hohlraum ranzukommen und das Geheimnis mit Greifzange, Staubsauger und Druckluft zu lüften, schlug Büchner schließlich vor, die Rückwand des Schrankes abzubauen. "Damit tat sich Dr. Miller verständlicherweise erst schwer, aber die Neugier siegte und so konnte schließlich der Zettel aus dem Geheimversteck geborgen werden.

In altdeutscher Kurrentschrift ist darauf zu lesen: "Renovirt (!) von dem Tischler Florian Gomille geboren 1826. Renoviert im Jahre 1882 bei Tischlermeister Richt, Berlin, Hoftischler seiner Kaiserlichen Hoheit des Kronprinzen von Preußen und des Deutschen Reichs."

"Wir waren alle richtig aufgeregt und stolz auf diesen jahrhundertealten Fund", sagt der Restaurator, dessen hartnäckiger Spürsinn sicher noch manches Geheimnis lüften wird. (Carla Ihle-Becker)+++

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