Som Da Vida
Klang des Lebens – zwischen Bach, Rumba und Hendrix
Auch Musik gehört zur Kunst – und deshalb finden gelegentlich Konzerte in der Kunststation statt. Bereits zur Eröffnung der Frühjahrsausstellungen kam der umtriebige Gitarrenkünstler Tony Osanah zur Vernissage.
Fotos: Hanswerner Kruse
16.03.2026 / HOFBIEBER -
Auch Musik gehört zur Kunst – und deshalb finden gelegentlich Konzerte in der Kunststation statt. Bereits zur Eröffnung der Frühjahrsausstellungen kam der umtriebige Gitarrenkünstler Tony Osanah zur Vernissage. Der Musiker wuchs in Argentinien auf, lebte später in Brasilien und nun seit fast vier Jahrzehnten in Fulda. Eine Woche später trat er dort mit seinem Trio "Som Da Vida" auf – "Klang des Lebens", man darf es auch frei übersetzen: "Wir sind das Leben".
Leise gezupfte Gitarrentöne. Die Klarinette setzt ein. Dann kommen perkussive Elemente dazu. Nun werden die Klänge deutlich rhythmisch, südamerikanisch gefärbt. Ein federnder Groove setzt ein, der das Stück vorantreibt. Es folgt eine etwas ruhige "Sarabande" mit einem auf der Laute gezupften Prolog. Zart flirrt die Geige dazu. Leises Rascheln des Perkussionisten. Der dritte Song ist eine tonale Fassung von "Sound of Silence", die Violine wird jetzt zur Stimme. "Aber nun geben wir Gas", verkündet der "Guitarrista", legt die Laute weg und beginnt einen feurigen Rumba auf einer seiner Gitarren.
Gelegentlich hören wir einige Gesangsfragmente von ihm, es sind eher Klänge, die Osanah mit seiner Stimme erzeugt. Später spielt er häufig Mundharmonika zu den Seiteninstrumenten, etwa bei einem Tango Nuevo von Astor Piazzolla. Statt des sonst typischen Bandoneons erklingt hier das kleine Blasinstrument. Doch manchmal bietet er sogar vollständige Gesänge dar, etwa "Little Wing" von Jimi Hendrix: "When I'm sad, she comes to me..." Jimi Hendrix – zum Himmel winkt Osanah. Vor der Pause spielen sie die bretonische Version des Liedes der Bots "Sieben Tage lang", aber das Publikum darf (soll) mitsingen: "Was wollen wir trinken sieben Tage lang?"
Klar steht Osanah im Zentrum der Gruppe, stellt die Stücke vor, erzählt Geschichten dazu. Etwa wie er mit fünf Jahren "entsetzlich verliebt" war in Evita Perón, der legendären argentinischen First Lady. Bei einem Schulbesuch schenkte sie ihm ein kleines Feuerwehrauto. Oder wie er acht oder neun Jahre alt war und in seinem Viertel den ersten Rock "n Roll erlebte. Aber Jo Lange mit singender Geige oder krassem Saxophon und Thomas Mitsche mit vielerleiKlangkörpern begleiten ihn nicht nur. Beide vervollständigen den Sound, machen ihn voluminöser und abwechslungsreicher. Lange ersetzt mit seinen Instrumenten häufig die Gesangsstimme, spielt zwischendurch auch kurze Soli. Der Unterschied zu Osanahs Auftritt vor einer Woche in der Kunststation ist deutlich zu hören: da war das Repertoire wesentlich kleiner und das Klangbildbescheidener. Seit zwei Jahren tritt das Trio nun gemeinsam auf.
"Ich halte nicht fest an einem einzigen Stil", erzählt Osanah. Das Repertoire der Gruppe ist erstaunlich breit, von immer eigenen Bach-Klängen über Salsa-Rhythmen bis zum Latin-Rock. Doch "Som Da Vida" präsentiert kein beliebiges Potpourri, sondern zelebriert ein abwechslungsreiches, zugleich in sich geschlossen wirkendes Programm. Langsame und schnelle Stücke unterschiedlicher Provenienz wechseln. Im Übergang fließen sie ineinander und bleibendoch thematisch, klanglich, instrumentell deutlich eigen. So wurde der Name des Trios im Konzert an diesem Abend tatsächlich hörbar: ein "Klang des Lebens", an dem das rund achtzigköpfige Publikum hingerissen teilnahm. (Hanswerner Kruse) +++