Gewalt erkennen und vermeiden

200 Fachkräfte besuchen Fachtag "Gewaltfreie Pflege" im Landkreis Fulda

Die Organisatorinnen und Organisatoren des Fachtags, Referentinnen und Referenten. Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt (Vierter von links) bedankte sich bei allen Beteiligten für das gemeinsame Engagement im Bereich Gewaltprävention.
Foto: Sebastian Mannert

15.03.2026 / KÜNZELL - Wie leider in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens kommt es auch in der Pflege regelmäßig zu gewalttätigen Handlungen. Um hierfür zu sensibilisieren und Hilfen und Lösungsansätze zu bieten, hat die Schutzambulanz des Landkreises Fulda erneut einen Fachtag "Gewaltfreie Pflege" organisiert. Auch diesmal war das Interesse enorm. Rund 200 Fachkräfte und Auszubildende aus unterschiedlichen Pflegeeinrichtungen sowie pflegende Angehörige erhielten im Gemeindezentrum Künzell umfassende Informationen.



In Pflegebeziehungen sind – ob im häuslichen oder professionellen Bereich, ob verbal oder körperlich – sowohl Pflegende als auch Patientinnen und Patienten häufig von Gewalt betroffen. Gewalt findet dabei weitgehend unsichtbar statt. Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte tragen als Kontakt- und Vertrauenspersonen daher eine besondere Verantwortung. "Dass wir als Landkreis den Fachkräften ein so wichtiges Informationsangebot bieten können, ist nicht selbstverständlich", sagte Erster Kreisbeigeordneter und Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt. Im Landkreis Fulda wurde vor rund 17 Jahren die Schutzambulanz gegründet – als bundesweit einzige, die dem Gesundheitsamt eines Landkreises zugehörig ist. "Das ermöglicht eine unkomplizierte Vernetzung und enge Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure." So gibt es bereits seit 2013 einen Arbeitskreis zur Gewaltprävention in der Pflege. Daraus ist 2019 der erste Fachtag entstanden.

Kein Versagen, sich Hilfe zu suchen, bevor die Situation eskaliert

Auch bei der vierten Auflage der Veranstaltung konnte das Thema dank des Engagements der Netzwerkpartner aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden. Fachlichen Input boten die Rechtsabteilung und das Gesundheitsamt des Landkreises Fulda mit Schutzambulanz und Sozialpsychiatrischem Dienst, das Polizeipräsidium Osthessen, das Hessische Amt für Versorgung und Soziales sowie Mediana, die Pflegeschule me:care und die AWO-Bildungsstätte für Pflegeberufe in Burghaun und Fulda. Im Fokus standen neben unterschiedlichen Formen von Gewalt vor allem Präventionsmöglichkeiten und das Vorgehen bei Fällen festgestellter Gewalt beziehungsweise Verdachtsmomenten. Eine zentrale Botschaft: Es ist kein Versagen, sich Hilfe zu suchen, bevor die Situation eskaliert.

Ein Großteil der Teilnehmenden waren Pflegeschülerinnen und -schüler aus dem Kreisgebiet. "Gewaltprävention und Handlungssicherheit sind für alle Bereiche wichtig – egal ob in der Altenpflege, in der Pflege von Menschen mit Behinderung, im Krankenhaus oder im häuslichen Umfeld", sagt Susanne Jahn von der Schutzambulanz. "Für das Thema Gewalt in der Pflege bleibt sowohl im Arbeitsalltag als auch in der generalistischen Ausbildung nur bedingt Raum. Der Fachtag bietet ein wichtiges Angebot, das besonders die Pflegeschulen jedes Jahr dankend annehmen." Ziel ist daher, den Fachtag kontinuierlich inhaltlich weiterzuentwickeln und auch weiterhin regelmäßig durchzuführen. (mis/pm) +++

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