Der Stadtpfarrer bei O|N
Stefan Buß: "Ist dein Herz noch am rechten Fleck?"
Archivfoto: O|N/ Carina Jirsch
14.03.2026 / FULDA -
Manchmal merken wir gar nicht, wie unser Herz langsam die Richtung ändert. Nicht mit einem großen Knall. Sondern schleichend. Ein bisschen weniger Gebet. Ein bisschen mehr Sorge. Ein bisschen weniger Vertrauen. Ein bisschen mehr Selbstkontrolle.
In Jeremiabuch 17,9 heißt es: "Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig; wer kann es ergründen?" Das klingt hart. Aber es ist ehrlich.
Wenn wir Neid nähren – wächst Bitterkeit.
Wenn wir Stolz nähren – wächst Distanz zu Gott.
Aber wenn wir Gottes Nähe suchen – wächst Vertrauen.
Wenn wir Dankbarkeit üben – wächst Freude.
Wenn wir vergeben – wächst Frieden. Die Frage ist also nicht nur: Wo ist mein Herz? Sondern auch: Wovon wird mein Herz geprägt?
In 1. Samuel 16,7 sagt Gott: "Der Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an." Wir können nach außen stark wirken. Erfolgreich. Fromm. Kontrolliert. Aber Gott schaut tiefer.
Er fragt nicht zuerst: Wie viel hast du geleistet? Wie perfekt bist du?
Wie beeindruckend wirkt dein Glaube? Er fragt: Vertraust du mir?
Liebst du mich? Ist dein Herz offen für mich? Vielleicht ist dein Herz heute müde. Vielleicht verletzt. Vielleicht abgelenkt. Vielleicht hart geworden durch Enttäuschungen. Die gute Nachricht ist: Gott heilt Herzen.
Im Ezechielbuch 36,26 verspricht Gott: "Ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euch legen." Das ist Hoffnung.
Wenn dein Herz nicht mehr am rechten Fleck ist – musst du es nicht selbst reparieren. Gott schenkt ein neues Herz.
Ein weiches Herz. Ein lebendiges Herz. Ein Herz, das wieder lieben kann.
Ein Herz, das wieder glaubt. Ein Herz, das wieder vertraut.
Vielleicht kannst du dir heute diese Fragen stellen:
Worüber denke ich am meisten nach? Was raubt mir den Frieden?
Was bestimmt meine Entscheidungen? Suche ich Gottes Nähe – oder nur seine Hilfe? Ist mein Herz noch empfindsam für Gottes Stimme?
Manchmal braucht es nur eine ehrliche Hinwendung. Ein schlichtes Gebet:
"Herr, richte mein Herz neu aus."
Ein Herz am rechten Fleck bedeutet nicht: ein perfektes Herz.
Es bedeutet: ein Herz, das sich immer wieder zu Gott wenden lässt.
Gott sucht keine perfekten Menschen.
Er sucht offene Herzen. Und wenn unser Herz bei ihm ist,
dann ist es genau dort, wo es hingehört. (Stefan Buß) +++