Von Fulda in die Welt der Bilderbücher

Pauline Pete über das gemeinsame Bilderbuchprojekt mit Cornelia Funke

Pauline Pete bei ihrer Arbeit im eigenen Atelier.
Fotos: Pauline Pete

14.03.2026 / WEIMAR/FULDA - Illustratorin Pauline Pete erzählt über ihre Kindheit in einer Künstlerfamilie und die besondere Zusammenarbeit mit Cornelia Funke. Der Weg zur Illustratorin begann für Pauline Pete schon in frühen Jahren. Die gebürtige Fuldaerin berichtet im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS, wie aus der Leidenschaft eines Kindes eine Karriere als Illustratorin wurde.



"Die Leidenschaft fürs Zeichnen war schon immer da." Aufgewachsen in einer Künstlerfamilie wurde Pauline Pete schon früh an das Zeichnen herangeführt und darin unterstützt. Ihr Vater ist Bildender Künstler und ihre Mutter Steinmetzin. In dem Architekturbüro ihres Großvaters hatte sie zudem die Möglichkeit, jederzeit zu zeichnen. Das Vorlesen ihrer Großmutter wurde zur kreativen Initialzündung. Pete begann, die Erzählungen visuell festzuhalten: "Wenn es um Jim Knopf ging, habe ich eben die Lokomotive gezeichnet."

In Fulda begann der künstlerische Weg von Pauline Pete

Der künstlerische Weg begann zwar in Fulda, aufgewachsen ist Pete jedoch an verschiedenen Orten im Taunus, der Rhön und zeitweise auf Mallorca. Während ihrer Schulzeit lebte sie schließlich im Nüsttal. Nach ihrer Fachhochschulreife in Gestaltung an der FOS in Fulda zog sie nach Hamburg, um dort ihren Bachelor und Master mit den Schwerpunkten Bilderbuch und Malerei zu machen. Seit September vergangenen Jahres lebt Pete gemeinsam mit ihrem Mann in Weimar. "Das ist auch schön, ein bisschen näher an der Familie dran zu sein, das ist ja nicht so weit."

Kleine Zeichnung führte zu großem Erfolg

2024 veröffentlichte Pete ihr Debüt-Bilderbuch "Lieblingspulli" beim Kunstanstifter Verlag. Ein Gespräch mit ihrer Lektorin Lena Anlauf auf der Bologna Children's Book Fair, weltweit wichtigste Messe für Kinder- und Jugendmedien, brachte die Idee eines neuen Buches ins Rollen. Anlauf erwähnte eine veröffentlichte Zeichnung von Pete auf Instagram, welche Pete eigentlich nur für sich gezeichnet hat. Anlauf wollte diese Zeichnung gerne an eine Autorin schicken und fragen, ob dieser eine Geschichte dazu einfallen würde. "Dann habe ich natürlich gesagt, dass mich das total freuen würde, weil das ja ein totales Kompliment ist, wenn ein Autor oder eine Autorin was dazu schreibt." Zu diesem Zeitpunkt wusste Pete noch nicht, um welche Autorin es sich handelt, bis die E-Mail mit dem Namen kam - es war Cornelia Funke. "Ich stand da in dem Moment in der Bahn und konnte es gerade gar nicht fassen."

Eine Reise in die Toskana

Ende 2024 reiste Pete mit ihrer Lektorin und einem anderen Illustrator, Vitali Konstantinov, nach Volterra in Italien, dem Wohnort von Funke. Dort hat sie ein Haus und eine alte Mühle, welche mit vielen kleinen Apartments und Ateliers kreative Arbeitsorte bieten. In der Mühle weiter entfernt im Tal, lebten und arbeiteten Pete, Anlauf und Konstantinov.
Der kreative Prozess entwickelte sich schnell zu einem intensiven Austausch. Funke schrieb drei verschiedene Geschichtsanfänge zu Petes Illustrationen. Gemeinsam sprachen sie darüber, wie das Buch werden soll. "Es fühlte sich an wie ein kreatives Ping-Pong-Spiel: Wir haben uns die Ideen gegenseitig zugespielt und sie gemeinsam weiterentwickelt."

Die Entscheidung für "Ayeshas Pinsel"

Pauline erzählt gegenüber O|N, dass Anlauf und Funke sich bereits abgesprochen haben, welche Geschichte sie gerne weiterentwickeln würden. Die endgültige Entscheidung wurde jedoch Pete überlassen. Umso mehr freuten sie sich, als Pete sich für die Geschichte "Ayeshas Pinsel" und somit auch für die Präferenz der anderen entschied.

"Die Geschichte konnte dann so richtig wachsen." Pete begann, viele Skripte, Zeichnungen und Moodboards zu erstellen. Mit diesen Ideen machte sie sich gemeinsam mit Anlauf auf den Weg zu Funke. Da das Buch ein sensibles Thema behandelt, mussten dabei wichtige Gestaltungsentscheidungen getroffen werden. "Das war echt total schön und ist natürlich auch einfach eine Erfahrung fürs Leben." Das gemeinsame Buch erschien schließlich Ende Januar 2026.

Pete erzählt, dass der Kontakt zu Funke weiterhin besteht und sie ein paar Wochen später mit ihrem Mann nach Mulinaccio reiste, um dort zu arbeiten. "Sich voll und ganz in die eigene Arbeit zu vertiefen und gleichzeitig Teil eines kreativen Netzwerks zu sein, ist ideal. Man profitiert von den unterschiedlichen Perspektiven der anderen und inspiriert sich im täglichen Miteinander gegenseitig."

Ein neues Buch steht bereits in den Startlöchern

Ende März 2026 erscheint bereits das nächste Bilderbuch der Illustratorin im KleineGestalten Verlag. Genau wie "Lieblingspulli" entstand dieses Buch während eines Projekts in ihrem Master. "Das Haus zieht aus" erzählt von einer Häuserreihe, die genug vom Stadtleben hat und gemeinsam beschließt, wegzugehen. Auf ihrer Reise begegnet jedem Haus ein tierischer Bewohner. (tw)+++

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