Wie geht es am Kirchplatz weiter?
Die Suche nach dem Dorfplatz: Verfällt das marode Eckstock-Areal?
Fotos: Hans-Hubertus Braune
10.03.2026 / NIEDERAULA -
Im Ortskern von Niederaula nagt der Zahn der Zeit. Insbesondere an der Eckstock-Kreuzung. Dort treffen mit der B62 und der B454 zwei Bundesstraßen zusammen. Das einstige Hotel "Schlitzer Hof" und das Kaufhaus Stang daneben sind schon lange nicht mehr vorhanden. Die Gebäude befinden sich in Privatbesitz und stehen seit vielen Jahren leer.
Marode Gebäude verhindern Entwicklung
Doch der Reihe nach: Das Eckstock-Areal steht unter Denkmalschutz. Egal wie, die Silhouette der Gebäude muss erhalten bleiben. Die Hindernisse eines Umbaus oder gar eines Rückbaus sind zu hoch. "Der Rückbau von Gebäuden am Standort wurde nach einem Ortstermin als städtebaulich unzuträglich bewertet. Zudem sei keine Zustimmung für Abrissanträge zu erwarten", schildert der Stadtplaner in seiner Präsentation. Auch die Variante des Baus einer Passage scheide aus. Sein Fazit: "Die Eckstock-Anlage ist im Vergleich der drei Standorte am wenigsten geeignet. Sie wird aus der weiteren Standortbetrachtung ausgeschlossen."MVZ oder Bürgerhaus?
Für das künftige Nutzungskonzept des Bürgerhauses in der Bahnhofstraße hat das Fachbüro zwei Varianten herausgearbeitet. Aktuell befinden sich mehrere vermietete Wohnungen und Praxen in dem imposanten Fachwerkgebäude. Dies soll so bleiben. Das Erdgeschoss wurde zwischenzeitlich als Kindergarten genutzt, im ehemaligen Jugendraum hat ein Dartclub seinen Spielort. Untersucht wurde, ob ein Medizinisches Versorgungszentrum in dem Areal Einzug halten kann.Kirchturmdenken in der Ortsmitte?
Schon länger schwellen die Diskussionen um den Kirchplatz in der Marktgemeinde. Das Areal befindet sich im Besitz der evangelischen Kirche. Der Stadtplaner bewertet die aktuelle Situation als "geschotterte Freifläche ohne Aufenthaltsqualität". Die aktuelle Anmutung entspreche nicht der zentralen Lage im Dorf. Doch wie kann es hier weitergehen? Bislang gehen die Vorschläge recht weit auseinander. Die Kirche kann sich eine aufwendige Platzgestaltung in Zeiten von landesweiten Rationalisierungen der kirchlich genutzten Gebäude kaum leisten. Sie möchte das Areal jedoch für "sozial-diakonische Arbeit" nutzen. Als einen Ort zum Verweilen, zum Treffen mit schöner Aufenthaltsqualität. Unter diesen Voraussetzungen könnten sich die Kirchenvertreter eine Verpachtung des Areals vorstellen.Um die möglichen Fördermittel des Landes im Rahmen der integrierten kommunalen Entwicklungskonzepte (IKEK) optimal nutzen zu können, soll in nächster Zeit eine Entscheidung hinsichtlich der Umsetzung der Projekte getroffen werden.
Einschätzung des OSTHESSEN|NEWS-Reporters: Am Eckstock-Areal wird sich am Gesamtbild nichts ändern, die betroffenen Gebäude werden weiter verfallen, was auch dem Denkmalschutz ebenso wenig nützen dürfte. Hier ist dringend eine flexibelere gesetzliche Handhabung notwendig. Unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist eine realistische Sanierung solcher maroden Areale kaum vorstellbar. Die wachsenden Gefahren für die Fußgänger entlang der Gebäude sind ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Zurück zu den Wurzeln dagegen in der Bahnhofstraße zu einem Versammlungsort für kleinere Veranstaltungen, Sitzungen und Workshops. Das Thema "Medizinisches Versorgungszentrum" muss meiner Meinung nach ganzheitlich mit den Nachbarkommunen angegangen werden.
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