Musikalische Schönheit und emotionale Kraft

Konzertchor Winfridia in der Orangerie mit Beethoven, Mendelssohn und Mozart

Ein wunderbares Jubiläumskonzert der Winfridia in der ausverkauften Orangerie
Fotos: Marvin Myketin

09.03.2026 / FULDA - Im Jubiläumsjahr widmet sich der Städtische Konzertchor Winfridia drei Werken von ganz besonderer Strahlkraft. Es sind zudem Werke, die in der langen Geschichte des Chors eine herausragende Rolle gespielt haben und mehrfach aufgeführt wurden. Und es sind Stücke, die im jeweiligen Oeuvre von Mendelssohn-Bartholdy, Beethoven und Mozart eine ganz besondere Stellung einnehmen.



Mendelssohns Konzertouvertüre "Die Hebriden"

Standesgemäß eröffnete die Winfridia unter Carsten Rupp das Konzert mit einer Ouvertüre – und zwar Felix Mendelssohn-Bartholdys Konzertouvertüre "Die Hebriden" in h-moll, op. 25. Mendelssohn, Sohn einer Familie, die wie kaum eine andere im Deutschland des 19. Jahrhunderts für Kultur stand, war auf Bildungsreise – und die führte ihn 1829 auch nach Schottland. Die raue Schönheit der Hebriden, die tosenden Wellen und der brausende Wind beeindruckten ihn zutiefst, die "Keltenromantik", damals der letzte Schrei, tat ein Übriges. Schon am Ankunftstag schrieb er die ersten Takte, als das Werk fertig war, überarbeitete er es mehrfach. 1833 wurde die Hebriden-Ouvertüre in Berlin uraufgeführt.

Sie war nicht dazu gedacht, eine Oper einzuleiten, sie stand von Anfang an für sich. Und Mendelssohn ging damit neue Wege – heute wird dieses Stück als erste Tondichtung betrachtet, also als erstes Werk der Programmmusik. Sie ruft Stimmungen hervor, malt Landschaften und Naturerlebnisse in Tönen. Man hört das Meer, die Schreie der Möwen, sieht die Wolken ziehen, aber auch den sanfteren Wetterstimmungen gibt Mendelssohn-Bartholdy Raum. Schottland sollte ihn nicht mehr loslassen – circa neun Jahre später entstand die Schottische Symphonie. Die Hebriden-Ouvertüre war sofort ein riesiger Erfolg bei Publikum, Kritikern und Komponistenkollegen. Bis heute ist sie – neben der Ouvertüre zum "Sommernachtstraum" – Mendelssohns bekanntestes und am häufigsten aufgeführtes Stück. Und in der Orangerie wurde es von der Vogtland Philharmonie hervorragend dargeboten.

Beethovens Chorfantasie für Klavier, Chor und Orchester

Beethovens "Chorfantasie" op. 80 ist ein Werk, das man fast schon experimentell nennen möchte. Am 22. Dezember 1808 wurde es im Theater an der Wien uraufgeführt. Im Nachhinein gesehen war es ein legendäres Konzert – denn es erklangen die 5. und die 6. Sinfonie, das Klavierkonzert in G-Dur und als krönender Abschluss diese Chorfantasie. Und: An diesem Tag erlebte das Publikum Beethoven letztmalig als grandiosen Pianisten – er war durch seine Ertaubung bereits stark beeinträchtigt.

Das Werk ist gar nicht so leicht einzuordnen, denn es überschreitet die klassischen Gattungsgrenzen. Es hat Elemente einer Klavierfantasie, eines Klavierkonzerts und eines chorsinfonischen Werks. Es beginnt mit ausgedehnten Klavier-Soli, dann folgt ein Dialog zwischen Klavier und Orchester und schließlich im Finale der fulminante Chorsatz. Man hört
die Nähe zur 9. Sinfonie, man könnte die Chorfantasie fast als deren Vorstudie bezeichnen. Die junge Pianistin Clara Reinisch – die ihre ersten Schritte übrigens in der Klavierklasse von Maja Zirkunov an der Musikschule Fulda machte – überzeugte mit fulminantem Spiel, desgleichen die Winfridia im abschließenden Chorsatz, den sie machtvoll als Hymne auf die Kunst gestaltete.

Mozarts Requiem

Wolfgang Amadeus Mozarts "Requiem" in d-moll KV 626 ist das schönste unvollendete Werk der Kirchenmusik – und vielleicht auch das vollkommenste. Das Requiem, um das sich unendlich viele Legenden ranken, ist eine der innigsten, aufwühlendsten und tröstlichsten Totenmessen. Mozart schrieb es in seinem Totenjahr 1791 – ein Jahr, das reich an Mozart’schen Meilensteinen der Musik war. Denn auch das Klarinettenkonzert in A-Dur KV 622, die beiden Opern "Die Zauberflöte" und "La Clemenza di Tito" sowie das "Ave verum Corpus" KV 618 entstanden in diesem Jahr. Alles Werke, in denen sich Mozarts Meisterschaft vollendete.

Mozarts Auftraggeber für das Requiem war Graf von Walsegg, der das Requiem für seine gerade verstorbene junge Frau in Auftrag gegeben hatte – und es als eigenes Werk ausgeben wollte. Mit anderen Worten: ein adliger Hochstapler. Da das komplette Honorar erst bei Ablieferung des fertiggestellten Werks fällig wurde, lag Mozarts Witwe Constanze daran, dem Grafen ein vollständiges Requiem zu überreichen. Dafür engagierte sie Mozarts Schüler Joseph Eybler und dann Franz Xaver Süßmeyr, die das Werk vollendeten und dabei auch auf Skizzen und Notizen Mozarts zurückgreifen konnten. Insgesamt stammen ca. 2/3 des Werks von Mozart selbst.

Schon an den ersten Takten des Introitus "Requiem aeternam" erkennt man Mozarts Requiem und wird in den Bann der Musik gezogen. Man kann sich nicht entziehen, selbst wenn man es wollte. Spätestens beim "Dies Irae" überwältigt einen die Musik – auch weil die Winfridia die Dramatik wunderbar herausarbeitet. Großartig. Nicht nur hier sitzen piano und forte, ist die Artikulation hervorragend. Beim "Tuba Mirum" gelingt es dem Solisten nicht ganz, den machtvollen Klang der Posaune zu verbreiten. Beim innig-intensiven "Lacrimosa" kann niemand mehr Winfridia oder Mozart widerstehen. Es ist der emotionale Höhepunkt des Requiems und vermutlich auch der letzte Satz, den Mozart je komponiert hat, gewissermaßen also sein Vermächtnis. Mit dem "Lacrimosa" ist auch der Wendepunkt im Requiem beschrieben – vom Schrecken der Tage des Zorns und den Tränen der Trauer geht es nun zum "Lux aeterna" und der Hoffnung auf das Licht der Auferstehung.

Großartiger Chor – Jubiläumsjahr-würdige Leistung

Die Leistung des Chors kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Im Mozart’schen Requiem bleibt dem Orchester nur eine dienende Rolle, die von der Vogtland Philharmonie professionell ausgefüllt wird. Auch die vier Solisten müssen sich der Hauptrolle des Chors unterordnen: Die brasilianische Sopranistin Carol Arruda, die Frankfurterin Chiara Bäuml (Alt), der chinesische Tenor DaKai Wei und der Trierer Jakob Krupp (Bass) lieferten insgesamt überzeugende Leistungen. Ein sichtlich glücklich-erschöpfter Carsten Rupp freute sich mit allen Beteiligten über den tosenden Beifall in der bis auf den letzten Platz besetzten Orangerie.

In seiner Begrüßung hatte Stadtrat Franz-Josef Heimann darauf hingewiesen, dass ein solches Jubiläum, wie die Winfridia es in diesem Jahr feiere, keineswegs selbstverständlich sei. 150 Jahre stünden für Beständigkeit, Engagement und tiefe Verwurzelung in Fulda. "Das Konzert heute zeigt, wie Musik Menschen verbindet", so Heimann. Denn die Winfridia hatte dieses Konzert bewusst als Projekt angelegt und für extern Interessierte geöffnet. So standen an diesem Abend ca. 130 Sängerinnen und Sänger auf der Bühne, 60 davon waren Externe, viele davon aus Fuldaer Schulchören – "so gewinnt man junge Menschen für klassische Musik", so Heimann. (Jutta Hamberger)+++

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