Nach OP wieder voll einsatzbereit

"Angriffe auf Politiker und Polizei nehmen zu": Minister Poseck im O|N-Interview

"Hessen ist und bleibt auch im Ländervergleich ein sehr sicheres Bundesland", erklärt Minister Roman Poseck im O|N-Interview.
Fotos: Hendrik Urbin

09.03.2026 / FULDA - Vor wenigen Tagen hat Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 für Hessen vorgestellt. "Hessen ist und bleibt auch im Ländervergleich ein sehr sicheres Bundesland", machte der 55-Jährige dazu klar. Zwischen Terminen im Bundesrat in Berlin, in Wiesbaden und beim CDU-Kreisparteitag in Künzell hat sich der Innenminister Zeit genommen, um mit OSTHESSEN|NEWS unter anderem darüber zu sprechen.


Die wohl wichtigste Botschaft zu Beginn: Nach einer Wirbelsäulen-OP Anfang Februar ist Poseck wieder fit. "Mir geht es gut. Die Operation ist gut gelaufen. Die Beweglichkeit ist weitestgehend wiederhergestellt. Ich bin sehr zufrieden und sehr glücklich über die Entwicklung der letzten Wochen", freut sich Hessens Sicherheits-Chef im O|N-Interview.

Damit geht das Tagesgeschäft weiter. Eine der ersten offiziellen Amtshandlungen nach dem Krankenstand war die Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik in Wiesbaden. Erfreulich ist, dass die Straftaten insgesamt zurückgegangen sind. Im letzten Jahr um 2,9 Prozent. Alarmierend ist aber, dass Angriffe auf Politiker und Einsatzkräfte immer mehr zunehmen. 5.303 Polizisten in Hessen wurden im Jahr 2025 als Opfer von Gewalt registriert. Die Zahl der Straftaten gegen Mandatsträger hat sich im Vorjahresvergleich mehr als verdoppelt. "Das sind zwei Bereiche, die mich sehr besorgen. Und dieser Entwicklung müssen wir etwas entgegensetzen", macht Poseck deutlich.

"Wer Einsatzkräfte angreift, gehört aus meiner Sicht ins Gefängnis"

Eine Patentlösung dafür gibt es aber leider nicht. "Es geht bei beiden Bereichen auch darum, wie wir miteinander umgehen. Und dabei rufe ich natürlich zu Respekt und Friedlichkeit auf. Sowohl in der politischen Auseinandersetzung als auch im Umgang mit unseren Einsatzkräften." Poseck will sich dafür einsetzen, dass Übergriffe in beiden Bereichen hart bestraft werden. "Denn sie sind schwerwiegendes Unrecht. Sie sind jeweils auch Angriffe gegen Demokratie und Rechtsstaat insgesamt", so der Hessische Innenminister. Die Bundesregierung hat eine Strafverschärfung für Angriffe auf Einsatzkräfte angekündigt, die auch Vorschläge einer hessischen Initiative aufgreift. Poseck setzt sich schon seit längerem dafür ein, den Strafrahmen für Angriffe gegen Einsatzkräfte von drei auf sechs Monaten Mindeststrafe zu erhöhen. "Wer Einsatzkräfte angreift, gehört aus meiner Sicht ins Gefängnis."

Die Sicherheitsbehörden seien dieser Tage im intensiven Austausch mit Kommunalpolitikern - gerade im Vorfeld der anstehenden Kommunalwahl. "Wir erkennen vor allem, dass die radikalen Kräfte am extremen Rand für Gewalttaten oder Sachbeschädigungen verantwortlich sind. Die Polarisierung und Radikalisierung der extremen Kräfte führt dazu, dass sich bestimmte Gruppierungen unversöhnlich, ja geradezu feindselig und manchmal auch angriffsbereit gegenüberstehen. Das ist sehr gefährlich für unsere Demokratie", erklärt der 55-Jährige gegenüber O|N.

"Wir dürfen keine Form des Extremismus vernachlässigen oder gar verharmlosen"

Besonders die Gefahr durch den Linksextremismus nimmt immer weiter zu. Das zeigt auch die Kriminalstatistik. "Wir haben einen Anstieg linksextremer Straftaten um 180 Prozent. Einen so starken Anstieg gibt es an keiner anderen Stelle in der polizeilichen Kriminalstatistik. Und besonders besorgniserregend ist auch, dass linksextrem motivierte Gewalttaten deutlich zunehmen. Diese haben sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt", mahnt der Innenminister. Er verspricht hier, neue "Akzente" zu setzen, und betont: "Wir dürfen keine Form des Extremismus vernachlässigen oder gar verharmlosen."

Bei den Opfern der Amts- und Mandatsträger seien AfD-Politiker am stärksten vertreten. Dahinter die CDU, die anderen Parteien folgen mit großem Abstand. "Die Taten werden überwiegend von links verübt", so Poseck. "Der Einsatz gegen den Rechtsextremismus ist wichtig, aber er ist keine Legitimation für Gewalt."

Hessische Jugendorganisation der AfD - Gründung in Fulda

Ende März will sich in Fulda die Hessische Jugendorganisation der AfD, Generation Deutschland, gründen. Bei der Gründung deren Bundes-Organisation in Gießen im Herbst kam es zu heftigen Ausschreitungen. "Das erwarte ich für Fulda nicht. Aber klar ist: diese Jugendorganisation der AfD, die auch nach meiner Einschätzung radikal ist, wird polarisieren und zieht Gegendemonstranten an." Der Hessische Innenminister zeigt sich besorgt, dass sich junge Menschen immer mehr bei radikalen Parteien, links wie rechts, engagieren. "Das hängt auch damit zusammen, dass die radikalen Parteien gezielt auf junge Menschen zugehen. Dass sie diesen ein vermeintlich attraktives Angebot machen. Zum Beispiel auch über die sozialen Medien. Und an dieser Stelle müssen die Kräfte der demokratischen Mitte aus meiner Sicht noch dazulernen und ihrerseits besser auf junge Menschen zugehen."

Sicherheit wird auch auf dem Hessentag in Fulda eine Rolle spielen. Schon jetzt bereite sich die Polizei umfassend darauf vor. Hessens Innenminister Poseck macht dazu abschließend deutlich: "Hessen kann sicher feiern." Und er macht deutlich: "Alle großen Ereignisse in Hessen, von der Fußball-Europameisterschaft bis zu mehreren Hessentagen, sind friedlich abgelaufen. Und deshalb spricht auch alles dafür, dass auch der Hessentag in Fulda ein friedliches und fröhliches Fest werden wird." (Moritz Pappert) +++


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