Ein Kommentar zum Weltfrauentag
Wir könnten alles sein, wenn wir aufhören würden, uns gegenseitig zu zerstören
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09.03.2026 / REGION -
Wenn die "beste Freundin" dir den Freund ausspannt, hintenrum über dich redet, dir nichts gönnt, deine Zukunftswünsche schlechtredet und einfach scheiße ist, hat sie genau ein Problem mit dir: Sie mag dich nicht. Meistens hat das was mit Neid zu tun - denn sind wir mal ehrlich: Welche echte Freundin würde so etwas machen? Warum genau sie das tut, hat in der Regel etwas mit Männern zu tun. Und gleichzeitig erleben wir immer wieder, dass auch die Männer Frauen nicht wirklich respektieren. Sie sehen schon: Wir drehen uns ständig im Kreis, kommen irgendwie auf keinen Nenner und alles bleibt so, wie es ist. Misogynie ist ein Problem, das uns schon immer verfolgt hat und wahrscheinlich auch immer verfolgen wird. Frauen richten sich gegen Frauen und Männer richten sich ebenfalls gegen uns. Es scheint, als könnten wir dem Ganzen kaum entkommen.
Am Sonntag feiern wir den Internationalen Frauentag. Nüchtern betrachtet ist er zwar auch nur ein ganz normaler Tag, aber eben auch so viel mehr. Denken wir mal an unsere Vorgängerinnen zurück: Bis 1958 durften Frauen kein eigenes Einkommen verwalten. Frauen durften weder wählen noch gewählt werden. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. Bis in die 60er-Jahre hinein besaßen Frauen kein eigenes Sorgerecht über ihre Kinder - der Vater galt als Familienoberhaupt. In Deutschland wurde Vergewaltigung in der Ehe erst 1997 (!) als Straftat anerkannt und vollständig verboten. Ich ziehe hier schon mal ein Zwischenfazit: Frauen hatten es schon immer viel schwerer als Männer.
Zu viel und doch nie genug?
Wir wachsen auf mit Geschlechterrollen, die nur so strotzen vor abwertenden Frauenbildern: die oberflächliche Tussi, das dumme Püppchen, die hässliche Furie, die hysterische Zicke. Du kannst es als Frau eigentlich niemandem recht machen, denn entweder bist du zu dünn oder zu dick, du schminkst dich zu viel, bist unnatürlich, ziehst dich zu freizügig an, hast eine große Klappe und machst nicht das, was man von dir will. Du bist zu laut oder zu leise, bist zu viel oder einfach nicht genug. Nicht hübsch genug, nicht klug genug, nicht perfekt genug. Wir Frauen drehen uns ständig im Kreis, wollen immer besser werden und vergessen, worauf es eigentlich ankommt. Vielmehr hassen wir uns gegenseitig - sei es wegen Aussehens, Beliebtheit oder einem Mann. Und der ist es meistens nicht mal wert.Überlegen wir: Wären unsere Vorgängerinnen heute stolz auf uns? Auf der einen Seite ja und auf der anderen Seite nein. Wir können so viel machen, was ihnen damals verwehrt geblieben ist. Wir können arbeiten, was wir wollen - ob auf dem Bau, im Gericht, als Lokführerin, in der Politik, im Journalismus oder in der Dachdeckerei. Wir können heiraten, wen wir wollen - und da ist es sogar schnuppe, ob Frau oder Mann. Wir können alleine leben oder in einer Wohngemeinschaft mit 20 weiteren Menschen. Wir können die weite Welt bereisen und das sogar ganz alleine.
Feindseligkeit statt Zusammenhalt
Und dennoch stehen wir heute hier und haben ein ganz großes Problem: Wir hassen uns gegenseitig. "Ich bin anders als die anderen", "Ich passe nicht ins Schema" sind nur zwei von vielen solchen Statements, die die eigene Person in ein positives Licht rücken sollen. Ob die Abgrenzung wirklich so funktioniert? Ich denke nicht. Wir sehen es in den sozialen Medien, im TV oder sogar auf der Straße: Frauenhass ist überall - und der kommt von beiden Seiten. Wir werten uns gegenseitig ab, sind gemein und verletzen uns. Wenn es darauf ankommt, sind wir nicht füreinander da. Vielmehr stellen wir uns dagegen und wahren Distanz in den Momenten, in denen Zusammenhalt wichtiger denn je wäre. Was haben Jeffrey Epstein, R. Kelly, P. Diddy und Harvey Weinstein gemeinsam? Hinter jedem von ihnen standen Frauen. Aber das ist ein anderes Thema. "Who run the World? Girls!"
Vielmehr geht es mir heute darum, die Botschaft des Frauentags hervorzuheben. Es geht um Gleichberechtigung, Respekt und Freiheit - darum, gehört und ernst genommen zu werden. Wir Frauen müssen wieder lernen, füreinander da zu sein - völlig egal, was die Männer da draußen sagen. Wir müssen stolz auf uns sein - denn wozu wir heute fähig sind, ist unfassbar. Wir können Bäume ausreißen, die Welt verändern und Geschichte schreiben. Malala Yousafzai, Rosa Parks, Marie Curie, Tarana Burke: Sie alle haben etwas in der Gesellschaft bewegt - und viele weitere sind in ihre Fußstapfen getreten. Es gibt unendlich viele starke Frauen und Mädchen und eigentlich sollte jede von uns hier erwähnt werden. Doch ich fürchte, mein Kommentar ist schon lang genug.