"Betrifft alle Generationen"

Wenn Menschen unsichtbar werden: SPD rückt Einsamkeit in den Fokus

Einsamkeit als wachsende gesellschaftliche Herausforderung stand im Mittelpunkt eines Stadtgesprächs des SPD-Ortsvereins Fulda-Mitte-Süd
Fotos: Moritz Bindewald

20.02.2026 / FULDA - Einsamkeit als wachsende gesellschaftliche Herausforderung stand im Mittelpunkt eines Stadtgesprächs des SPD-Ortsvereins Fulda-Mitte-Süd. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wohlfahrt diskutierten mit Bürgerinnen und Bürgern über Ursachen, Folgen und Wege der Prävention.



Im Anschluss an die Veranstaltung sprachen Michael Busold, SPD-Spitzenkandidat für den Landkreis Fulda, und Manuela Strube, Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, mit OSTHESSEN|NEWS - und rückten das Thema in einen klaren Rahmen.

Busold erinnerte daran, dass die SPD bereits vor zwei Jahren einen Berichtsantrag zum Thema Einsamkeit in den Kreistag eingebracht hatte. "Die Antwort war sinngemäß: 'Wir sehen das Thema' - immerhin. Das hat uns schon positiv überrascht."Und weiter: "Aber der hier vorgebrachte Verweis auf Vereinsförderung greift zu kurz. Vereine erreichen ihre Vereinsmitglieder - es geht ja um diejenigen, die nicht eingebunden sind." Besonders kritisch blickt er auf mögliche Sparrunden: "Wenn man im Sozialbereich kürzen kann oder könnte, darf es nicht diesen Bereich treffen. Hier geht es um Prävention - hinterher ist es Reparaturbetrieb."

"Einsamkeit betrifft generationsübergreifend"

Staatssekretärin Manuela Strube erklärte: "Einsamkeit betrifft generationsübergreifend - nicht nur ältere Menschen, sondern auch junge Menschen oder Menschen zwischen 20 und 30 Jahren, die manchmal bewusst, oft aber unbewusst einsam leben", sagte sie. Häufig sei Einsamkeit eng mit Armut verknüpft. Strube betonte zudem den jugendpolitischen Schwerpunkt des Landes: "Wir sind in diesem Jahr Vorsitzland der Jugend- und Familienministerkonferenz. Die Ministerin legt den Fokus darauf, Kinder und Jugendliche in Medienpädagogik zu sensibilisieren - nicht mit Verboten, sondern indem wir Medienkompetenz stärken." Gleichzeitig dürfe die ältere Generation nicht aus dem Blick geraten. "Gerade dort ist die Dunkelziffer hoch. Es gibt Menschen, bei denen man nicht auf Anhieb erkennt, dass sie einsam sind."

Im Verlauf des Abends spielte auch die Wohnsituation eine Rolle - und Strube vertiefte den Punkt nach der Veranstaltung gegenüber O|N: "Viele ältere Menschen leben auf zu vielen Quadratmetern. Wir müssen überlegen, wie man Synergien schafft oder Anreize setzt, ungenutzten Wohnraum an Jüngere zu vermieten - nicht nur aus praktischen Gründen, sondern auch als gegenseitige Unterstützung." Solche Modelle könnten Einsamkeit im Alter mindern und zugleich den angespannten Wohnungsmarkt entlasten.

Enger Austausch mit Sozial- und Wohlfahrtsverbänden

Eng in die Organisation eingebunden war auch Silvia Hillenbrand, ehemalige Landtagsabgeordnete und Bürgermeisterin von Großenlüder. Sie hob im Nachgang im Gespräch mit O|N die Lücke in der lokalen Struktur hervor. "Meine Idee wäre, dass es eine Plattform geben muss, wo ein Mensch, der sich urplötzlich einsam fühlt, eine Struktur hat, an die er sich wenden kann. Ich kenne in Fulda keine zusammenfassende Strukturebene, an die jeder unkompliziert herantreten kann", sagte sie. Zugleich verwies sie auf besonders belastete Lebenslagen: "Ich stelle mir die alleinerziehende Mama vor, die arbeiten geht und vielleicht noch eine Mutter pflegt. Und dann sagen wir: Kümmer dich mal um deine Einsamkeit. Das ist fast nicht lösbar." Wichtig sei, so Hillenbrand, dass die SPD den engen Austausch mit den Verbänden pflege, "um Ideen aufzunehmen und unsere Auffassungen weiterzugeben".

Für die SPD ist der Abend Auftrag und Rückenwind zugleich. Busold kündigte im Gespräch mit O|N an, das Thema weiter in den Gremien zu platzieren und Prävention vor Kürzungen zu schützen. (mmb) +++

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