Baugenehmigungen in Hessen legen deutlich zu
Wirtschaft lobt Kurs aus Wiesbaden und warnt vor Signalen aus Berlin
Symbolbild: O|N / Mario Franco
19.02.2026 / REGION -
Nach dem Einbruch im Vorjahr ziehen die Baugenehmigungen in Hessen wieder an. Nach Angaben der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände hat das Land 2025 deutlich stärker zugelegt als der Bund. Gleichzeitig mahnt die Wirtschaft, die gewonnene Dynamik nicht durch bundespolitische Debatten auszubremsen, und fordert weitere Schritte zur Kostensenkung.
Grundlage der Einschätzung sind die am Dienstag veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach liegen die Genehmigungen in Hessen im Jahr 2025 um 21,8 Prozent über dem sehr niedrigen Vorjahr, während bundesweit ein Zuwachs von 10,8 Prozent verzeichnet wurde. In der Summe wurden landesweit 16.772 Wohnungen genehmigt. Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände verweist darauf, dass der von ihr angenommene jährliche Neubaubedarf bei rund 26.000 Wohnungen liegt und somit weiterhin eine deutliche Lücke bleibt. Thomas Reimann, Vizepräsident der Vereinigung und Vorsitzender des Bau‑ und Immobilienausschusses, sieht erste Effekte der Landespolitik, warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen.
Einordnung der Zahlen: Stabilisierung über Bundestrend, aber vom Tiefpunkt kommend
Thomas Reimann sagt: "Im abgelaufenen Jahr 2025 haben sich die Baugenehmigungen in Hessen erfreulicherweise stabilisiert und lagen 21,8 Prozent über dem sehr niedrigen Vorjahr 2024. Erfreulich ist, dass 2025 die Baugenehmigungen in Hessen doppelt so stark gestiegen sind wie der Bundestrend mit plus 10,8 Prozent. Zur Wahrheit gehört jedoch, dass wir in Hessen von einem sehr niedrigen Niveau kommen, denn das Vergleichsjahr 2024 markiert ein 14‑Jahrestief." Mit Blick auf den Bedarf ergänzt er: "Zudem liegen die 2025er Baugenehmigungen für 16.772 Wohnungen rund 9.000 Wohnungen unter dem Neubaubedarf in Hessen, der bei rund 26.000 Wohnungen pro Jahr liegt. Und nicht jede genehmigte Wohnung wird auch gebaut. Das zeigt, wie wichtig es ist, bei der Senkung der Baukosten nicht nachzulassen, damit mehr Wohnungen genehmigt und auch gebaut werden."Signal aus Wiesbaden, Unsicherheit aus Berlin
Den überdurchschnittlichen Anstieg in Hessen führt Thomas Reimann auch auf Impulse der Landespolitik zurück und spricht von ersten sichtbaren Wirkungen. Für eine Entwarnung sei es dennoch zu früh. Hoffnung mache, dass sich die große Zurückhaltung im Wohnungsbau zu lösen beginne. Deutlich kritischer bewertet er laufende bundespolitische Diskussionen: "Beim langen Aufstieg aus der tiefen Talsohle ist es jedoch nicht hilfreich, wenn vor allem SPD‑Politiker auf Bundesebene für neue Klötze am Bein sorgen. Die von Bundesjustizministerin Hubig vorgelegte Mietrechtsnovelle mit gedeckelten Indexmietverträgen ist völlig fehl am Platz. Ebenso die von der SPD angestoßene Debatte zur Verbeitragung von Mieteinkünften, wahlweise für die Rentenversicherung oder die Kranken‑ und Pflegeversicherung. Diese Debatten sorgen für Unsicherheit und Zurückhaltung, dabei braucht der Wohnungsbau dringend Zuversicht. Besser wäre es, würde die Bundesjustizministerin den lang erwarteten Gebäudetyp‑E an den Start bringen, damit rechtssicher auf nicht benötigte Komfortstandards im Wohnungsbau verzichtet und bauen günstiger werden."Ausblick: Von der Genehmigung zur Baustelle
Ob die stärkeren Genehmigungszahlen zügig in mehr Baustarts münden, hängt aus Sicht der Wirtschaft von Finanzierungskosten, Baupreisen, Kapazitäten, Förderkulisse und verlässlichen Rahmenbedingungen ab. Erst wenn Kosten sinken, Verfahren verlässlicher werden und Standarderleichterungen rechtssicher greifen, könne aus mehr Genehmigungen auch tatsächlich zusätzlicher Wohnraum entstehen. Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände sieht die Landespolitik auf Kurs, fordert aber, die Dynamik zu verstetigen und bundespolitische Verunsicherungen zu vermeiden. (pm/mmb) +++