"Zeigefinger-Politik beendet!"

Größtes Kanonenkugel-Gefecht in Ostdeutschland! Jens Spahn spricht Klartext

Beim 33. Politischen Aschermittwoch - dem größten verbalen Kanonenkugel-Gefecht in Ostdeutschland - ging es wieder ordentlich rund.
Fotos: Hendrik Urbin

19.02.2026 / APOLDA - Beim 33. Politischen Aschermittwoch - dem größten verbalen Kanonenkugel-Gefecht in Ostdeutschland - ging es wieder ordentlich rund. Schon im Jahr 2018 war Jens Spahn in Apolda im Weimarer Land - in diesem Jahr kam der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wieder, als Vertreter von Kanzler Friedrich Merz, der als Promi-Wahlkämpfer kurzfristig in Rheinland-Pfalz bei Spitzenkandidat Gordon Schnieder eingesprungen ist. Statt des obersten CDU-Chefs kam der Fraktionschef - und auch er sorgte mit viel Polit-Klartext und bei Blasmusik für beste Bierzelt-Stimmung.



Mit rund 1.000 Gästen war die Festhalle der Vereinsbrauerei von Apolda zwar gut gefüllt, aber nicht - wie in den Vorjahren - restlos ausverkauft. Man muss aber auch sagen: In Thüringen sind aktuell noch Winterferien. Besser organisiert war in diesem Jahr auch, dass das traditionelle Heringsessen vor Beginn des offiziellen Teils ausgegeben wurde. Eine positive Änderung im Protokoll.

Der Apolda-Aschermittwoch ist weit über den Freistaat bekannt und so reisten auch aus Osthessen etwa MIT-Fulda-Chef Florian Wehner, sein langjähriger Vorgänger Jürgen Diener, Fuldas Stadtverordneter Peter Bleuel sowie Hohe-Sonne-Investor Dirk Bodes (Rebo Consult) und Unternehmer Martin Geisendörfer in die Kreisstadt ins Weimarer Land. Auch Ex-Landrat Ralf Luther (Kreis Schmalkalden-Meiningen) und Ex-Thüringen-MP Dieter Althaus waren mit von der Partie.

"Von einem schwarzen Landstrich", sprach Hannes Raebel, Kreischef der CDU im Weimarer Land als Gastgeber, bei der feurigen Begrüßung. "Die Merz-Absage hat uns natürlich getroffen. Dass der Kanzler pfälzischen Wein unserem guten Thüringer Bier vorzieht, kann ich nicht nachvollziehen. Den Kollegen in Rheinland-Pfalz wünschen wir aber viel Erfolg bei ihrer Aufgabe, wieder in die Mainzer Staatskanzlei einzuziehen."

Thüringen-Chef Voigt: "Wir sind die Problemlöser im Freistaat"

Der Politische Aschermittwoch sei kein Kirchentag und auch kein Therapiekreis, sondern ein Tag, wo Klartext gesprochen werde, so Regierungschef Voigt: "Die CDU ist die Partei, die dieses Land bestimmt." Während er auf Berlin - die Hauptstadt mit Problemen bei Strom und Streusalz - schimpft, müsse sich das Land auf seine "eigene Stärke" konzentrieren. "Wir sind die Problemlöser." Und Mario Voigt sagt der links-grünen Ideologie dabei den Kampf an. "Sie hat unser Land an die Klippe geführt. Jetzt müssen wir zurück zur Vernunft. Leistung muss sich wieder lohnen." Und deshalb sei es wichtige Botschaft für den Nachwuchs, dass die Meister-Ausbildung - wie der Master - seit 1.1.2026 in Thüringen kostenfrei ist. Applaus aus dem Saal bekam der MP, als er die Reform der Schulordnung angesprochen hat: "Wir haben Kopfnoten für Betragen, Fleiß, Ordnung und Mitarbeit von Klasse 1 bis 3 wieder eingeführt. Und Schüler können ab Klassenstufe 6 auch wieder sitzenbleiben Das war notwendig und das bringt uns wieder nach vorne."

Fußfessel für Frauenschläger, mehr Sicherheit im Land, und dann das Thema Migration: "Wer hier straffällig wird, der hat in Thüringen nichts verloren", sagt Mario Voigt und bekommt ordentlich Zustimmung. Er benennt viele Forderungen, aber wenige Lösungsvorschläge. Zum Schluss schimpft Voigt auf die AfD und ihre Vetternwirtschaft. Der Applaus ist eher verhalten.

CDU/CSU-Fraktionschef Spahn: "Politik des Zeigefingers beendet!"

Und dann - um 19:12 Uhr - kommt Jens Spahn auf die Bühne und mischt die Halle ordentlich auf. "Das ist hier nicht nur ein Stammtisch, sondern ein Volksfest mit mehr Menschen, als manche Parteien im Landtag Mitglieder haben." Der Fraktionschef spricht von "außergewöhnlichen Zeiten". Die Welt sei in Unordnung. Aber: "Friedrich Merz hält Europa zusammen. Wir haben die Politik des Zeigefingers beendet und wir bestimmen Europa und die Welt wieder maßgeblich mit. Es geht um Wettbewerbs- und Verteidigungsfähigkeit - und dafür steht unser Bundeskanzler. Unter der Ampel mit Olaf Scholz war dies alles nicht denkbar."

Weiter geht es mit einem Frontalangriff auf die Grünen: "Wer grün wählt, der kann den Autoschlüssel hinterherwerfen. Die Grünen in Berlin beispielsweise - das ist die alte SED. Und die Linke will den Sozialismus zurück. Sie wollen Paradies und kriegen den Plattenbau. Wer keine linke Politik will, der muss CDU wählen. Wir sind erst neun Monate in der Bundesregierung: Wir haben schon viel getan, aber wir müssen noch viel mehr tun. Es geht einfach nicht schnell genug." Spahn spricht Klartext. "Wir müssen uns nicht verteidigen können - wir müssen uns verteidigen, und dafür müssen wir alles tun."

Ob Bundespolizei mit nahezu 55.000 Beamten, IP-Adressen-Speicherung für mehr Opferschutz statt Datenschutz, eine starke Energie- und Steuerpolitik, aber auch Technologieoffenheit wie beim Verbrenner - "wir reden nicht nur, sondern wir machen das", spricht Spahn weiter Klartext und erteilt auch dem Bürgergeld eine noch schärfere Absage: "Wer kein Bock hat, kriegt kein Geld." Es brauche einen längeren Atem, es brauche Zeit. "Das wissen wir. Wir sind als CDU dennoch der Taktgeber der Republik." Menschen, die Schutz bräuchten, würden ihn bekommen. "Aber wir sind nicht die Retter der Nation. Und unsere Grenzkontrollen sind richtig und wichtig - und vor allem rechtens." Weihnachtsmärkte hätten ausgesehen wie Festungen. "Die Zuwanderung ist ein Problem und wir müssen die Stadtbild-Debatte auch führen. Wir werden dranbleiben - mit Zuversicht", sagt Jens Spahn. "Wir haben Probleme, aber wir haben das beste Deutschland, das es je gab. Mit diesem Motto gehen wir in die Zukunft", so das Fazit nach exakt 30 Minuten politischem Feuerwerk.

Nach lang anhaltendem Applaus und vielen Selfies von Spahn, Voigt & Co. gab es traditionell noch jede Menge Apoldaer Bier. Abschluss war natürlich das Deutschlandlied. (Christian P. Stadtfeld) +++

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