Dunkles Kapitel der Landesgeschichte

Ausstellung "Rechter Terror in Hessen" eröffnet

Am Dienstag fand an der Katholischen Akademie des Bistums Fulda in Kooperation mit „Fulda stellt sich quer e.V.“ die Ausstellungseröffnung „Rechter Terror in Hessen“ statt.
Fotos: Katholische Akademie Fulda

18.02.2026 / FULDA - Mit großem Interesse ist in der Katholischen Akademie Fulda am Dienstagabend die Ausstellung "Rechter Terror in Hessen" eröffnet worden. Kurator Sascha Schmidt führte in das Thema ein, mehr als 40 Besucherinnen und Besucher informierten sich über ein Kapitel hessischer Geschichte, das nicht abgeschlossen ist und bis in die Gegenwart wirkt.



Die Schau beleuchtet die Folgen rechtsextremistischer Gewalt in Hessen und erinnert mit Fotografien, biografischen Porträts und dokumentarischem Material an die Opfer rechter Anschläge. Ziel ist es, einen Raum des Gedenkens zu schaffen und zugleich zur Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen anzuregen.

Grundlage: Überblick über rechten Terror seit 1945

Basis der Ausstellung ist das Buch "Rechter Terror in Hessen. Geschichte, Akteure, Orte" der beiden Autoren Yvonne Weyrauch und Sascha Schmidt, erschienen im Wochenschau-Verlag mit Unterstützung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung. Darin wird die Geschichte rechter Gewalt in Hessen seit 1945 systematisch aufgearbeitet: Die Autoren rekonstruieren Gewalttaten, beleuchten Netzwerke, ordnen historische Zusammenhänge ein und analysieren organisatorische wie ideologische Entwicklungen.

Der zeitliche Rahmen spannt sich von frühen rechtsextremen Strukturen über Organisationen wie den Bund Deutscher Jugend, die NPD oder die Wehrsportgruppe Hoffmann bis hin zu Netzwerken wie Blood and Honour und aktuellen Formen rechter Gewalt.

Erinnerung an Opfer und Kritik an fehlender Anerkennung

Christine Fischer, stellvertretende Vorsitzende von "Fulda stellt sich quer", machte deutlich: "Rechter Terror in Hessen ist kein Titel aus der Vergangenheit, sondern Realität." Akademiedirektor Gunter Geiger begrüßte die Gäste – unter anderem im Namen des Kooperationspartners FSSQ e.V. sowie mit Hinweis auf den Förderverein Landsynagoge Heubach e.V. – und erinnerte an die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Jahr 2019 und den Terroranschlag von Hanau im Februar 2020. Beide Ereignisse zeigten, dass rechter Terror nicht erst seit wenigen Jahren ein Thema ist, sondern eine lange Vorgeschichte hat.

Fischer erinnerte zudem an Dorit Botts, die 2001 in Fulda von einem Neonazi ermordet wurde. Bis heute wird sie – wie viele andere Betroffene – nicht als Todesopfer rechter Gewalt in der bundesweiten Statistik geführt.

Schmidt spricht von Behördenversagen – und zeigt Beispiele gelungener Erinnerungskultur

In seinem Vortrag erläuterte Sascha Schmidt, dass diese fehlende Anerkennung für Angehörige schmerzhaft sei und dazu geführt habe, dass "Brutalität, Reichweite und Gefahr des rechten Terrors nicht ausreichend in das kollektive Gedächtnis eingegangen" seien. Er sprach in diesem Zusammenhang offen von Behördenversagen.

Gleichzeitig verwies Schmidt, der im "Beratungsnetzwerk Hessen – gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus" aktiv ist und für den DGB Hessen-Thüringen arbeitet, auf positive Beispiele aus Hessen. So gebe es etwa in Lampertheim oder Darmstadt engagierte Ansätze der Erinnerungskultur; in Darmstadt wird aktuell ein Platz nach Ali Bayram benannt.

In Fulda hingegen erhielt ein Antrag zur Anerkennung von Dorit Botts als Opfer rechter Gewalt im Jahr 2020 keine Mehrheit im zuständigen Ausschuss der Stadtverordnetenversammlung.

Bedeutung kontinuierlicher Erinnerungsarbeit

Die Ausstellung zeigt, wie wichtig kontinuierliche und niedrigschwellige Formen der Erinnerungsarbeit sind. Sie setzt ein Gegengewicht zu rechten Krisen- und Bedrohungsnarrativen, die laut Schmidt eine diffuse Ideologie befördern und Tätern als Legitimationsgrundlage dienen können. In Zeiten realer gesellschaftlicher Krisen wachse diese Gefahr zusätzlich.

Christine Fischer beschrieb die Demokratie als "verletzlich, aber widerstandsfähig". Die Ausstellung sei ein Ausdruck einer wehrhaften Demokratie, die die Deutungshoheit über die prägende Geschichte der Gegenwart nicht rechten Akteuren überlasse.

Am Ende der Veranstaltung unterstrich Gunter Geiger die Bedeutung der Schau. Es sei eine gesellschaftliche Aufgabe, sich mit rechter Gewalt auseinanderzusetzen und jeder Form von Extremismus entgegenzutreten. Er lud insbesondere Fuldaer Schulen sowie weitere interessierte Gruppen zu Führungen ein.

Die Ausstellung "Rechter Terror in Hessen" ist bis zum 27. März, jeweils werktags von 9 bis 17 Uhr, in der Katholischen Akademie Fulda zu sehen. (mmb/pm) +++

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