Zuschuss-Aus für jede zweite Immobilie

Kirchen vor der Bewährungsprobe: Harte Linie bei Gebäude-Politik

Weniger Mitglieder, weniger Ehrenamtliche, weniger Geld – und gleichzeitig der Anspruch, lebendige Orte des Glaubens zu erhalten: Vor diesem Hintergrund hat das Bistum Fulda eine umfassende Immobilienstrategie entwickelt.
Symbolbild: Pixabay

18.02.2026 / REGION - Weniger Mitglieder, weniger Ehrenamtliche, weniger Geld – und gleichzeitig der Anspruch, lebendige Orte des Glaubens zu erhalten: Vor diesem Hintergrund hat das Bistum Fulda eine umfassende Immobilienstrategie entwickelt. Sie setzt auf eine stärkere Bündelung kirchlicher Flächen, mehr Kooperationen mit anderen Trägern und die aktive Beteiligung der Gemeinden vor Ort. Den Auftakt machen Informationsveranstaltungen in den Pfarreien.



Die Strategie soll klären, welche Gebäude künftig benötigt werden, wie sie finanziert werden können und wie der Bestand auf den tatsächlichen Bedarf angepasst wird. Das Bistum führt dafür eine neue Förderlogik ein, stellt die Weichen für Beteiligungsprozesse in allen 28 künftigen Pfarreien und startet am 19. Februar in Gelnhausen eine bis 2027 laufende Informationsreihe.

Ziel: Räume erhalten – aber realistisch und dauerhaft finanzierbar

Kirchliche Gebäude sollen auch künftig Orte für lebendigen Glauben sein. Doch sinkende Mitgliederzahlen, rückläufiges Kirchensteueraufkommen und weniger Ehrenamtliche machen eine Neuordnung nötig. Domkapitular Thomas Renze betont in diesem Zusammenhang, dass man "vor der Aufgabe , unsere kirchlichen Gebäude so weiterzuentwickeln, dass sie auch in Zukunft gut genutzt und dauerhaft finanziert werden können". Es gehe dabei um "einen verantwortungsvollen und ehrlichen Blick auf das, was unsere Gemeinden in Zukunft brauchen".

Drei Kategorien: Hälfte der Gebäude wird weiter bezuschusst

Zentrales Element der Strategie ist die Einteilung aller Gebäude in drei Förderkategorien. Sie legen fest, in welchem Umfang das Bistum Baumaßnahmen künftig unterstützt. Gebäude der Kategorien A und B werden weiterhin bezuschusst, während Immobilien der Kategorie C keine finanzielle Unterstützung mehr erhalten. Für diese Standorte müssen Pfarreien neue Finanzierungsmodelle prüfen – etwa Kooperationen mit Kommunen, evangelischen Gemeinden oder anderen Trägern. Wo sich keine tragfähige Lösung findet, können Verkauf oder Profanierung notwendig werden. Das Bistum weist darauf hin, dass diese Schritte oft schwierig und emotional seien und entsprechend begleitet würden.

Entscheidungen vor Ort: Gemeinden kennen ihren Bedarf am besten

Welche Gebäude für die jeweilige Pfarrei wichtig sind, sollen die Gremien vor Ort im Austausch mit dem Bistum bewerten. Grundlage sind pastorale Bedeutung, Bausubstanz und Wirtschaftlichkeit. Renze erklärt dazu, dass "welche Gebäude für das pastorale Leben einer Pfarrei künftig wichtig sind, welche Kirchen oder Pfarrheime erhalten werden sollen, die Menschen vor Ort am besten" wissen. Die finalen Immobilienkonzepte entstehen anschließend gemeinsam zwischen den Pfarreigremien und dem Bistum.

Bestand im Wandel: Zahlen zeigen großen Veränderungsdruck

Wie notwendig die Neuordnung ist, zeigt der historische Vergleich. Diözesanbaumeister Martin Matl erläutert: "In der historischen Perspektive wird deutlich, dass das Bistum im Jahr 1925 etwa 220.000 Katholiken und 205 Kirchenbauten zählte. Im Jahr 2035 werden es etwa 235.000 Katholiken und 203 Kirchen in den Kategorien A und B sein. Dazwischen liegt eine Zeitphase, in der sich beide Zahlen etwa verdoppelt hatten. Diesen Transformationsprozess von Bestand und Bedarf müssen wir gestalten."

Informationsreihe startet am 19. Februar

Die Informationsreihe beginnt in der Pfarrei St. Raphael in Gelnhausen, begleitet von Domkapitular Thomas Renze, Diözesanbaumeister Martin Matl und Johanna Wenzel, Dezernentin für Immobilienmanagement. Mitarbeitende der kirchlichen Organisationsberatung moderieren die Termine. Bis März 2027 soll jede der künftigen Pfarreien besucht werden, um die neuen Rahmenbedingungen und lokale Entwürfe transparent vorzustellen und weiterzuentwickeln. (mmb) +++

Los geht es am 19. Februar in der Pfarrei St. Raphael in Gelnhausen. Mit dabei sind (v.l.n.r.) Diözesanbaumeister Martin Matl, Johanna Wenzel, Dezernentin für Immobilienmanagement Johanna Wenzel sowie Domkapitular Thomas Renze, Leiter des Fachbereichs Pastoral, Bildung und Kultur im Bischöflichen Generalvikariat in Fulda.
Foto: Bistum Fulda / Dr. Arnulf Müller
Blick auf das Projektteam im Bischöflichen Generalvikariat, das an der Vorbereitung für die Info-Veranstaltung in einer Kirchengemeinde arbeitet.
Foto: Bistum Fulda / Dr. Arnulf Müller

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