Streit um Drei-Phasen-Plan

"Vorschlag der Bürgerinitiative ist keine Lösung" - K+S erteilt Plan eine Absage

Mit einem ambitionierten Drei-Phasen-Plan wollte die Bürgerinitiative "Umwelt Neuhof" das seit Jahren kontrovers diskutierte Problem der salzhaltigen Abwässer am Kaliberg entschärfen. Nun hat K+S dem gemeinsam mit dem Projektteam Generationes entwickelten Konzept eine deutliche Absage erteilt.
Archivbild: O|N / Carina Jirsch

20.02.2026 / NEUHOF - Mit einem ambitionierten Drei-Phasen-Plan wollte die Bürgerinitiative "Umwelt Neuhof" das seit Jahren kontrovers diskutierte Problem der salzhaltigen Abwässer am Kaliberg entschärfen. Nun hat K+S dem gemeinsam mit dem Projektteam Generationes entwickelten Konzept eine deutliche Absage erteilt. Der Vorschlag sah vor, das belastete Haldenwasser technisch zu entsalzen, die Haldenwässer schrittweise zu reduzieren sowie die verbleibende Resthaldenfläche ökologisch wiederherzustellen.


K+S mit Antwort auf den Drei-Phasen-Plan

Nach Darstellung des Unternehmens seien nach zahlreichen Gesprächen "keine zielführenden neuen Erkenntnisse oder belastbaren Lösungen mehr zu erwarten". Werkleiter Stefan Weber erklärt: "Nach zahlreichen Gesprächen erwarten wir nicht mehr, dass zum Drei-Phasen-Plan noch zielführende Erkenntnisse oder Lösungen präsentiert werden." Zentrale technische Fragen seien unbeantwortet geblieben.

Im Fokus der Kritik steht insbesondere die von Generationes vorgeschlagene Entsalzung mittels einstufiger Eindampfung mit mechanischer Brüdenkompression. Diese Technik werde zwar weltweit eingesetzt, etwa bei der Entsalzung von Meerwasser, jedoch sei der Salzgehalt dort deutlich geringer als bei den hoch mineralisierten Haldenwässern in Neuhof. In einem Statement führt K+S aus: "Für eine Entsalzung der vorliegenden Haldenwässer kommt ausschließlich eine Eindampfung in Betracht." Dies sei bereits Ergebnis einer Fachgruppe des Runden Tisches gewesen.

Generationes habe jedoch, so das Unternehmen, keinen nachvollziehbaren Weg aufgezeigt, wie der "sehr hohe Energieeinsatz für die Eindampfung auf ein ökologisch und wirtschaftlich vertretbares Maß gesenkt werden kann". Offen geblieben seien zudem Fragen "nach dem Umgang mit den anfallenden festen Abfallsalzen, dem Platzbedarf für eine Pilotanlage und zum grundsätzlichen Ablauf des Prozesses".

Auch der von der Bürgerinitiative geforderte (Teil-)Rückbau der Halde Neuhof-Ellers wird von K+S kritisch bewertet. Ein vollständiger Rückbau sei ausgeschlossen, da in der Grube nicht genügend Hohlraumvolumen vorhanden sei, um die Rückstände einzubauen. Selbst ein erheblicher Teilrückbau würde Jahrzehnte in Anspruch nehmen. "Um die Halde mit ihrer Gesamtmasse von rund 143 Millionen Tonnen erheblich zu verkleinern, wären Zeiträume von mindestens 50 Jahren nötig", heißt es von Unternehmensseite.

Während eines solch langwierigen Rückbaus könne die Halde nicht gleichzeitig abgedeckt werden. Zudem würden die Haldenwässer in dieser Zeit nicht reduziert. "Die Halde könnte nur schrittweise von oben nach unten zurückgebaut werden", so K+S. Nach aktuellem Kenntnisstand bleibe daher die Abdeckung das einzige Mittel, um den Kontakt von Niederschlag mit dem Haldenkörper dauerhaft zu verhindern und die Entstehung salzhaltiger Haldenwässer langfristig zu vermeiden.

Gleichzeitig räumt das Unternehmen ein, dass die Umsetzung technisch anspruchsvoll sei. Vor allem die steilen Haldenflanken stellten eine Herausforderung dar. Deshalb würden alternative Konzepte geprüft, die unter anderem eine Konturierung zur Abflachung der Flanken beinhalten. "Wir setzen uns weiter dafür ein, die bisherigen Erkenntnisse sowie mögliche Maßnahmen gemeinsam zu bewerten – auch am Runden Tisch", betont Werkleiter Weber.

Die BI antwortet: "K+S hat augenscheinlich völlig den Kompass verloren"

Die Bürgerinitiative "Umwelt Neuhof" reagiert scharf auf die Absage. In einer Stellungnahme heißt es: "K+S hat augenscheinlich völlig den Kompass verloren." Die Halde Neuhof stelle aufgrund der immensen Sickerwässerlast "einen sanierungsbedürftigen Sonderfall" dar. Statt die Gefährdungslage ernsthaft anzugehen, präsentiere das Unternehmen eine "vorgeschobene und in sich unschlüssige Abwehrargumentation".

Oberste Priorität müsse aus Sicht der BI der Schutz von Naturraum, Grundwasser und Menschen sein. "Die Gefahren für Mensch und Natur, vor allem für Grundwasser, Böden und letztlich auch das Trinkwasser müssen dringend eingedämmt werden", betonen die Vertreter. Dass sich K+S nahezu ausschließlich auf die Abdeckung fokussiere, sei "nicht ansatzweise nachvollziehbar".

Die BI hält an ihrer Position fest, dass nur ein weitestgehender Rückbau die Ursache des Salzeintrags dauerhaft beseitigen könne. Die Aussage des Unternehmens, ein Haldenrückbau sei kein Mittel gegen Haldenwässer, weist sie zurück: "Jedes kleine Kind weiß, dass ein kleiner Schwamm weniger Wasser abgibt als ein großer."

Zum Stand des Austauschs zwischen K+S und Generationes äußert sich die BI wegen bestehender Geheimhaltungsauflagen nicht. Die Fronten bleiben damit verhärtet, während die Suche nach einer tragfähigen Lösung weitergeht. (Nicolas Kraus)+++

Auch der von der Bürgerinitiative geforderte (Teil-)Rückbau der Halde Neuhof-Ellers wird von K+S kritisch bewertet
Archivbild: O|N / Kevin Kunze

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