Quantensprung bei den Finanzen
Investor mit Wut im Bauch: Serviceland am Autobahndreieck in der Krise
Fotos: Hans-Hubertus Braune
18.02.2026 / KIRCHHEIM -
Wichtige Weichenstellungen und mehrere deutliche Signale bei der Gemeindevertretersitzung in Kirchheim (Landkreis Hersfeld-Rotenburg): Der Jahresabschluss der Gemeindewerke für das Jahr 2016 liegt endlich vor. Unter dem Strich schließt dieser mit einem positiven Ergebnis ab.
Und: Offenbar wurde mit den Quittungen und Belegen sehr oberflächlich gearbeitet. Die entsprechende Zuordnung zu den vorliegenden Kontoauszügen war aufwendig und zeitraubend.
Bürgermeister Axel Schmidt spricht von einem "Quantensprung". Nun sollen die folgenden Jahre zeitnah abgearbeitet werden, damit die Autobahngemeinde endlich aus dem Hamsterrad "vorläufige Haushaltsführung" herauskommt. Kämmerin Tanja Brand und ihr Team hatten in mühevoller Arbeit die "grauenvolle Buchführung" aufgearbeitet und ins System eingespeist. Der beauftragte Wirtschaftsprüfer erklärte, so etwas in seiner beruflichen Laufbahn noch nicht erlebt zu haben. Es zeigt sich aber ganz offensichtlich: Es fehlt kein Geld, niemand hat sich offensichtlich an irgendetwas bereichert. Die Gemeindewerke sind seit Anfang des Jahres aufgelöst, was auch die Buchhaltung in der Gesamtheit vereinfachen soll.
Wie geht es bei der Feuerwehr weiter?
Natürlich steht auch Kirchheim vor großen Herausforderungen und hat in einigen weiteren Bereichen deutlichen Handlungsbedarf. Das Feuerwehrgerätehaus im Kernort ist im Prinzip nicht mehr nutzbar. Ersatz muss zwingend her. Verschiedene Konzepte und Ideen müssen in die Umsetzung. Doch hier mahlen die politischen Mühlen wie überall. Das Areal "Jagdhof" zeigt die Situation sinnbildlich. Das Gebäude ist kaum nutzbar, die Duschen für die Sportler der benachbarten Sportanlagen in einem Wort: eklig. A49 sorgt für Umsatzrückgang
Doch der Zahn der Zeit und die infrastrukturellen Weiterentwicklungen in anderen Regionen kratzen am Glanz der Autobahngemeinde. Die neue A49 von Kassel zum Ohmtal-Dreieck führt zu einer deutlichen Reduzierung des Verkehrs von einst rund 100.000 Fahrzeugen pro Tag. Das hat gerade auch in Sachen Lautstärke und Umwelteinflüsse wichtige Vorteile der Entlastung für die Region. Die künftige A44 von Kassel nach Eisenach wird diesen Effekt verstärken. Das Kirchheimer Dreieck wurde und wird umgebaut, Lärmschutzwände wurden installiert. Neue Entwicklung auf dem Jagdhof-Areal?
Seit Jahren habe sein Unternehmen die Pläne für den kompletten Umbau des Jagdhof-Areals in der Schublade. "Damit sind wir bei den Behörden gescheitert. Das war eine Beerdigung erster Klasse", sagte Kautenburger. Großflächiger Einzelhandel ist nicht zulässig. Die Einkaufstädte Kassel und Bad Hersfeld müssten geschützt werden. Bedeutet für Kirchheim: "Wir müssen deshalb auf eine Salamitaktik setzen", sagt Kautenbergers Sohn Max. Oberhalb der Bushaltestelle sollen dafür die Barracken der Gemeinde mit zwei Stellplätzen für kleinere Feuerwehrfahrzeuge abgerissen werden und dort soll ein Outlet mit 799 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie Lager und Parkplätze gebaut werden. Dafür muss eigens eine neue Firma gegründet werden und die entsprechenden Gutachten müssen vorgelegt werden. Bedeutet zusätzliche Kosten. Wenn die Kautenbergers später eine weitere Fläche erschließen wollen, müssten sie dieses Prozedere wiederholen. Investor drängt auf eine Entscheidung
Am Donnerstag stellten sie ihre Pläne den Gemeindevertretern vor. Rund 30 Gäste verfolgten neben den Gemeindevertretern die Sitzung. Dem Unternehmen liegen inzwischen die Genehmigungen vor. Im Zuge dieses Umbaus wollen sie die Bushaltestelle neu konzipieren und sicherer gestalten. Die beiden Feuerwehrfahrzeuge sollen aus dem Schuppen in einer Leichtbauhalle auf dem Areal der derzeitigen Hartplatzfläche an der Schwimmbadstraße eine neue Unterkunft erhalten. Für den dritten Outlet-Store hätte sich bereits ein Mieter gefunden. Auch ein Marketingkonzept für Kirchheim sei ausgearbeitet und warte auf die Umsetzung. Die Zeit drängt, der Handel wird ungeduldig angesichts der wirtschaftlichen Entwicklungen. Was fehlt, ist die Zustimmung der Kommunalpolitik. Doch die Gemeindevertreter wollen sich nicht unter Druck setzen lassen und kritisieren, dass ein Gesamtkonzept fehle. Auch die fehlende Kommunikation wurde kritisiert. Runder Tisch als Lösungsansatz?
Wie auch immer: Ein runder Tisch mit Vertretern aller Entscheider könnte hier eine einvernehmliche und zeitnahe Lösung zumindest erst einmal für den ersten Schritt bringen. Sonst könnte es im "Serviceland Kirchheim" bald noch düsterer werden. Ehrung für Thomas Schneemilch
Einig waren sich die Gemeindevertreter bei der Ernennung von Thomas Schneemilch zum Ehrengemeindebrandinspektor. Sein Nachfolger Andreas Schmier hatte einen entsprechenden Antrag gestellt und würdigte die Verdienste von Schneemilch. Mit 23 Jahren wurde er bereits Wehrführer in Kirchheim, dann 1991 stellvertretender Ortsbrandmeister, dem Vorläufer des heutigen Titels "Gemeindebrandinspektor". 2001 wurde Schneemilch "GBI" und hatte dieses Amt 20 Jahre inne. Schneemilch ist zudem überörtlich ein gern gefragter Fachmann für alle Fragen des Feuerwehrwesens. Sein Wort hat Gewicht.