Hübsche Schlippe

Wieder geöffneter Zugang zur Pfandhausstraße: das Wächtergässchen

Wieder für alle zugänglich: das Wächtersgässche
Fotos: Erich Gutberlet

18.02.2026 / FULDA - Ein lange im Verborgenen schlummerndes Kleinod ist seit Kurzem wieder für jedermann sichtbar: von der Friedrichstraße führt nämlich in Höhe der Hausnummer 11 ein Durchgang auf die Pfandhausstraße und den Severiberg. Viele Jahre blieb diese Schlippe - wie die Norddeutschen dazu sagen - vor den Passanten verborgen, denn zwei vorn und hinten angebrachte Türen versperrten den Zugang.


Jetzt aber ist der Durchgang namens Wächtersgässchen, wie man dem nagelneuen Straßenschild entnehmen kann, nicht nur für Passanten und Neugierige offen, sondern auch ansprechend saniert und mit zwei Kandelabern "sternenstadtgerecht" beleuchtet. Die Lampen verbreiten nicht nur ein sanftgelbes Licht, sondern verhindern auch erfolgreich, dass die Gasse als öffentliche Toilette zweckentfremdet wird. Und neugierig sind nicht nur die zahlreichen Touristen, sondern auch die Einheimischen. Das neue Gässchen wird gut frequentiert, berichtet unser Fotograf, der es aus allen Perspektiven in Szene gesetzt hat.

Offensichtlich existiert die Verbindung zwischen den beiden Straßen schon so lange, wie die beiden angrenzenden Gebäude stehen, also seit der Barockzeit. Wann genau die Anwohner diese Gasse für sich allein beanspruchten, ist nicht mehr genau datierbar. Im ersten Stock der Hausnummer 11 befand sich seinerzeit die Tanzschule Hartmann, wo unter vielen anderen auch Fotograf Erich Gutberlet als junger Mann in den 50er Jahren das Tanzbein zu schwingen gelernt hat. Schon damals sei der Zugang zur seitlich befindlichen Haustür mit einer Pforte verschlossen gewesen, berichtet er aus seiner Tanzschulzeit. Dokumentiert ist im Stadtarchiv ein Antrag auf Nutzung und für den Bau einer Garage im Durchgang aus den 1930erJahren.

Wie kam es aber jetzt nach so vielen Jahren zu einer Renaissance der bis dahin vor den Augen der Allgemeinheit verborgenen Gasse? Stadtbaurat Daniel Schreiner ist bekennender Fan alter Wege und plädiert für eine allseits zugängliche Stadt. "Es ist wichtig, dass niemand vom Zugang ausgeschlossen wird und die Stadt für jedermann offen ist", sagt er. Auslöser für die "Befreiung" des Gässchens sei tatsächlich der Wirt des Stadtwächters gewesen. Weil er eine Außengastronomie neben seinem Lokal in der Pfandhausstraße etabliert hat, die er begrünen wollte, wandte er sich an die Stadt. Er bat um Genehmigung, einige Pflastersteine entnehmen zu dürfen, um dort Weinstöcke einpflanzen zu können. Deren Zweige ranken sich inzwischen dekorativ über den Freisitz. Bei dem Lokaltermin fiel dann der verschlossene Zugang auf, der nun saniert wurde und wieder zugänglich ist.

Das Wächtersgässchen ist beileibe nicht das einzige seiner Art in der Barockstadt. Auf dem Jestaedt-Kataster sind alle verzeichnet und verdienen ebenfalls, gewürdigt zu werden. Ob Zitronemanns-, Kasernen- oder Telegrafen-Gässchen, Fuldas Fußgänger kennen, lieben und nutzen sie alle.(ci)+++

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