Rentner an die Front?

"Rüsten, aber richtig": Kirchschicht der Bergmänner bewegt die Kumpel

Ungewohntes Bild in der evangelischen Kirche in Heringen (Werra) bei der Kirchschicht am Sonntag
Fotos: Hans-Hubertus Braune/mobil

09.02.2026 / HERINGEN (W.) - Mit einem ungewöhnlichen, einem satirischen Rollenspiel sorgte die 32. Kirchschicht für einen ganz besonderen Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Heringen (Werra) im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Im Mittelpunkt standen die Unruhen, Krisen und Unsicherheiten der heutigen Zeit. Es ging um die zentrale Frage: Wer ist David und wer ist vor allem Goliat?


Der zweite Sonntag im Februar führt traditionell viele Bergleute aus Hessen, Thüringen und Sachsen in die osthessische Kaliregion. In Bergmannstracht laufen sie gemeinsam in die Kirche und treffen sich nach dem Gottesdienst zum Tzscherperfrühstück. Begleitet wurde das Treffen einmal mehr von der Bergmannskapelle Wintershall.

Vor der Kirche wurden sie von dem evangelischen Pfarrer Christoph Rode und seinem katholischen Amtsbruder, Pfarrer Andreas Bieber, und in der Kirche von den zahlreichen Gläubigen empfangen. Die Kirche war mit vielen bergmännischen Symbolen geschmückt. Ein ergreifender Anblick. Zur Kirchschicht gehören ebenso die Rituale wie das Signal zum Schichtbeginn und zum Feierabend.

Der gut einstündige, kurzweilige und mutmachende Gottesdienst wurde von Vertretern des Bergmannsvereins und der Kirchen gestaltet. Im Mittelpunkt standen die Schriftlesung, das szenarische Anspiel und die Predigt von Pfarrer Christoph Rode.

Die Schriftlesung Samuel 17 berichtet vom Kampf David gegen Goliat und symbolisiert den Sieg des Glaubens über menschliche Furcht und Übermacht. David, der junge Hirte, besiegt den Riesen Goliat nicht durch Waffen, sondern durch absolutes Vertrauen auf Gott. "Die Sache mit dem David ist gar nicht so weit weg", sagte später Pfarrer Rode in seiner Predigt. Viele Menschen seien verunsichert. Die Angst vor der individuellen Macht lähme sie und erzeuge Resignation. Nach Jahrzehnten der scheinbaren Sicherheit und des Friedens sorgte der Krieg in der Ukraine für eine geänderte Weltlage, vor allem auch in Europa.

"Das Beste der Resterampe"

In einem eindrucksvollen Szenenspiel wurde genau diese scheinbare Rollenverteilung satirisch dargestellt. Vier Rentner hatten Post von "Y-Tours" bekommen. Darin: eine Einladung zur Musterung. Sie wurden zuvor ausgelost. Nicht die jungen Leute sollten an die Front, sondern die "Alten" - so die "geniale Idee" der Politik. Damit würden gleich mehrere "Probleme" gelöst. Nach den "Alten" fragt kaum wer, Renten und Krankenkosten könnten gespart werden. Ein Bundeswehrkommandeur spielte den Goliat und schüchterte die Rentner ein. "Wir in der Glück-auf-Kaserne sagen: Das Beste von der Resterampe. Seien Sie stolz darauf, zu den zehn Prozent der Senioren zu gehören, die unser Land verteidigen dürfen."

Pfarrer Rode griff das Rollenspiel auf und machte deutlich: "Der Herr dieser Welt ist nicht Goliat, sind nicht wir Menschen, es ist Gott." Er wünsche sich dieses Vertrauen in Gott, der sagt, ich bin bei Dir. Er rief die Gläubigen zu Gemeinschaft und Miteinander auf. Jeder könne die Welt ein klein wenig verändern.

Ein weiterer emotionaler Höhepunkt der 32. Kirchschicht. Zum Abschluss spielte die Bergmannskapelle das Steigerlied. Anschließend ging es in die Aula der Werratalschule zum traditionellen Tzscherperfrühstück. Unter den Besuchern der Kirchschicht waren unter anderem die Landtagsabgeordneten Tanja Hartdegen (SPD) und Stefanie Klee (CDU), Landrat Torsten Warnecke, sein Stellvertreter Dirk Noll sowie Bürgermeister Danilie Iliev (alle SPD).

Wer sich den Gottesdienst noch einmal anschauen möchte: Die evangelische Kirche hat die Veranstaltung am Sonntagvormittag live auf YouTube übertragen. (Hans-Hubertus Braune) +++

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