Mit Staubsaugerrohr und Säge geprügelt

Angeklagter versichert: "Ich habe alles getan, das Opfer da rauszuholen!"

Die beiden Angeklagten S. und D. mit ihren Vereidigern vorm Amtsgericht Fulda
Fotos: ci

05.02.2026 / FULDA - Was sich am Abend des 24. 7. 2021 in und um Fulda abgespielt hat, klingt wie in einem schlechten Mafiafilm und endete schließlich in einem Verfahren vor dem Amtsgericht Fulda wegen schwerer räuberischer Erpressung, Menschenraub und schwerer Misshandlung. Angeklagt sind ein 28- und ein 25-Jähriger.

Ihnen wird vorgeworfen, gemeinsam mit weiteren Männern das spätere Opfer im Haus seiner Eltern in Fulda aufgesucht und ihn unter Anwendung von Drohungen und Gewalt in eine Wohnung nach Lauterbach gebracht zu haben. Dort befand sich ein Gläubiger, dem er angeblich Geld schuldete. Die vereinbarten Raten hatte er offenbar nicht pünktlich gezahlt und sollte nun durch "schlagende Argumente" dazu gebracht werden. Schon während der Fahrt wurde ihm ins Gesicht geschlagen und ihm dann ein schwarzes Tuch über den Kopf gezogen. Vier Männer hatten in der Wohnung auf ihn gewartet und schlugen 20 Minuten lang mit Fäusten, aber auch mit einem Staubsaugerrohr und einer Japansäge auf ihn ein. Dadurch erlitt er tiefe Schnittverletzungen an Brust und Armen.

Der 28-jährige Angeklagte, der das Opfer gut kannte und mit ihm befreundet war, hatte diese Eskalation nach eigener Aussage nicht kommen sehen. Er habe angenommen, dass lediglich ein Gespräch mit ihm geplant gewesen sei. Als er nun sah, wie seine Bekannten auf ihn einschlugen und drohten, ihn umzubringen, habe er versucht, sie aufzuhalten: "Jungs, das reicht jetzt!", habe er gerufen, aber nichts erreicht. Statt die Polizei und den Notarzt zu rufen, habe er sich abgesetzt und das hilflose Opfer dort sich selbst überlassen.

Das Opfer mit einer List befreit und ins Krankenhaus gebracht


Allerdings griff er dann zu einer List, um ihm doch noch zu helfen. Er rief den Gläubiger und Haupttäter an und gab vor, die Familie des Opfers habe ihn informiert, sie hätten die Autonummer der Männer notiert, als dieser abgeholt worden war. Weil sie sich Sorgen um ihren Angehörigen machten, hätten sie das Kennzeichen an die Polizei weitergegeben und die sei auf dem Weg zur Wohnung in Lauterbach. Er erbot sich dann, den Misshandelten dort abzuholen und ins Krankenhaus zu bringen, was dann auch passierte. Der Haupttäter hatte diesem Plan des 28-Jährigen aus Angst vor der Polizei zugestimmt.

Als der Haupttäter erfuhr, dass der 28-Jährige zu einer List gegriffen und ihn angelogen hatte, um seinen Kumpel zu befreien, habe er versucht, ihn mit seinem Auto zu überfahren, was ein eigenes Verfahren nach sich zog. Der Täter hat sich mittlerweile aber durch Flucht entzogen und soll sich seitdem im Ausland aufhalten. Er wird per Haftbefehl gesucht.

Der Geschädigte, der am Donnerstag dem Gericht über seine Misshandlung berichten sollte, war nicht erschienen und ist nach Auskunft seiner Mutter nach Norddeutschland verzogen. Weil sich aber dessen Aussage bei der Polizei mit der des 28-Jährigen vor Gericht deckte, kam er relativ glimpflich mit einer Geldstrafe von 2.700 Euro davon. Seine Hilfsaktion wurde ihm ebenso positiv angerechnet wie die Tatsache, dass er nicht vorbestraft ist und die Tat fast fünf Jahre zurückliegt.

Da die Tatbeteiligung des zweiten Angeklagten ohne Zeugen nicht zu klären war und er sich wegen weiterer Verbrechen bereits in Haft befindet, wurde dessen Verfahren abgetrennt und soll erst am 19.2. um 12 Uhr fortgesetzt werden. Ob der Zeuge dann erscheint, ist offen.+++

X