Kapitalmarktausblick der Wirtschaftsjunioren

"Weltwirtschaft - die Karten werden neu gemischt"

"Weltwirtschaft - die Karten werden neu gemischt" - so hatten die Wirtschaftsjunioren Fulda ihren Vortrag in der Aula der Sparkasse Fulda überschrieben.
Alle Fotos: Martin Engel

29.01.2026 / FULDA - "Weltwirtschaft - die Karten werden neu gemischt" - so hatten die Wirtschaftsjunioren Fulda ihren Vortrag in der Aula der Sparkasse Fulda überschrieben. Sie zeigten auf, dass Deutschland bei dem Spiel "kein schlechtes Blatt hat”.

Zu Beginn freute sich Michael Schaub, Sprecher der Wirtschaftsjunioren, darüber, dass in diesem Jahr über 100 Menschen an der Jahresauftaktveranstaltung teilgenommen hatten. Wie Schaub pochte auch Torsten Kramm von der Sparkasse auf verbindliche Bedingungen in der Wirtschaft: "Wir wollen einen möglichst stabilen Handlungsrahmen".

EU und Donald Trump - "Stagnation ist kein Wachstum”

Ein Name fiel beim Kapitalmarktausblick der Wirtschaftsjunioren besonders häufig: Donald Trump. Dessen Politik machen die jungen Unternehmer verantwortlich für die wirtschaftliche Verunsicherung im vergangenen Jahr. Die Exporte in die USA seien aufgrund der Zollpolitik um 18 Prozent gesunken. Dies sei zwar durch gestiegene Exporte in die EU-Länder aufgefangen worden, aber, so gaben die Wirtschaftsjunioren zu bedenken, "Stagnation ist kein Wachstum".

Die Handelsströme würden sich verschieben, aber deren Umleitung koste Geld. Die Staatsverschuldung in den großen Währungsräumen nehme zu, was besonders an den vermehrten Verteidigungsausgaben liege.

Deutschland ist nicht ausreichend wettbewerbsfähig

Kritisch bewerteten die Unternehmer die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Bei der Besteuerung des Gewinns von Kapitalgesellschaften liege Deutschland in Europa an der Spitze. Auch die Lohnstückkosten seien immer noch höher als in den meisten anderen Ländern. Als Gegenmittel empfahlen sie eine Steigerung der Produktivität, Bürokratieabbau und Augenmaß bei den Lohnkosten.

Verglichen mit den anderen 69 Ländern liege Deutschland bei der Wettbewerbsfähigkeit der Steuerpolitik auf Platz 61 - "eine Katastrophe", wie die Wirtschaftsjunioren fanden. In Deutschland stagniere die Konjunktur, in der EU sei derzeit Spanien der Impulsgeber. Hoffnung setzten sie in zu erwartende Ausgabenprogramme des Staates. Schon jetzt verbessere sich die Auftragslage im verarbeitenden Gewerbe, gestiegene Einkommen machten Laune auf Konsum, dafür werde weniger gespart.

Bausektor könnte wieder wachsen – auch Rendite bei Bundesanleihen steigen wohl

Auch die Zahl der Baugenehmigungen habe zuletzt zugenommen, der Bausektor könne 2026 zum ersten Mal seit Jahren wieder zum Wachstum beitragen. Dieses sahen die Wirtschaftsjunioren optimistischer als andere Experten - nämlich bei 1,5 Prozent. Die Inflation sei aus ihrer Sicht derzeit kein Thema.

Bei zehnjährigen Bundesanleihen rechnen sie mit einem allmählichen Anstieg der Rendite. Der Dax sei dagegen momentan überbewertet, aber nach einer kleinen Delle werde er sich erholen. Und, auch gut: bei der Industrieproduktion sei noch Luft nach oben. (Bernd Götte) +++

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