Treffpunkt, wie er früher war

Wie geht es mit der Grillenburg weiter? - Lehnerzer wollen Gastronomie

Gut 50 Bürger kamen am Dienstagabend zur Ortsbeiratssitzung in den Saal der Grillenburg im Stadtteil Lehnerz
Alle Fotos: Martin Engel

28.01.2026 / FULDA - Ein Gasthaus strahlt Gemütlichkeit aus, hier trifft man sich und bestenfalls funktioniert die Kommunikation auf kurzem Wege. So etwas könnte auch in der Grillenburg in Lehnerz (Fulda) möglich sein. Könnte. Derzeit herrscht eher Tristesse, der Zapfhahn ist aus und die Küche so kalt wie das Verhältnis zum Stadtbaurat.



Zwischen der Stadt Fulda und dem Ortsbeirat gibt es handfeste Differenzen. Dies wurde auch bei der Ortsbeiratssitzung am Dienstagabend deutlich.

Ortsbeiratsvorsitzender Stefan Euler hatte die Sitzung weitsichtig vom Turmzimmer in den großen Saal verlegt. Gut 50 Bürger verfolgten das Treffen und erfuhren, wie der aktuelle Stand der Kontroverse in der Frage der Zukunft der Grillenburg ist. Euler gab zunächst einen kurzen Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre. So lange reichen die Diskussionen zurück.

Sollte der Küchenanbau abgerissen werden?

Die Kernfrage, nachdem der bisherige Pächter, das Restaurant und Hotel mit acht Zimmern im Jahr 2020 verlassen hatte, ist die Frage: Sanierung oder Abriss und Neubau eines Bürgerhauses? Die gastronomische Verpachtung ist für Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos) offenbar keine Option. Zwischenzeitlich war sogar von einem Abriss des Küchenanbaus die Rede. Das brachte das berühmte Fass zum Überlaufen. Euler habe bei einem entsprechenden Termin beim Gebäudemanagement mehrfach nachgefragt, ob dies ernsthaft geplant sei. War es offenbar. Inzwischen sei der Stadtbaurat zwar zurückgerudert und habe von einem Missverständnis gesprochen. Eine Lösung gibt es trotzdem nicht.

Vermutlich soll die nahe Kommunalwahl erst einmal abgewartet werden. Vor allem die Kommunikation mit dem Stadtbaurat kritisierten die Mitglieder des Ortsbeirates. Ein offenes Gespräch mit Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) konnte die Wogen zumindest etwas glätten. "Das war sehr konstruktiv. Dem Oberbürgermeister ist daran gelegen, dass die Planungen für die Zukunft der Grillenburg gemeinsam ausgearbeitet werden", sagten Euler und Ortsbeiratsmitglied Werner Heurich.

Der Ortsbeirat tagte am Dienstag, da der Stadtbaurat eine Bedarfsplanung für die Interimsnutzung angefordert hatte. Zunächst soll die Grillenburg für private Feiern vermietet werden, was bereits seit Anfang Januar dieses Jahres geplant, derzeit aber ausgesetzt ist. Einstimmig votierte der Ortsbeirat für den Antrag, den Euler eingebracht hatte. Der Austausch des Mobiliars sei unsinnig. "Da die derzeitige Einrichtung im ehemaligen Restaurant (kleiner Saal) und der Küche den Ansprüchen für eine vorübergehende Vermietung für Familienfeiern, Veranstaltungen, etc. ausreicht, spricht sich der Ortsbeirat dafür aus, dass diese Einrichtungen in der Grillenburg verbleiben soll und es keiner Ersatzbeschaffungen bedarf", heißt es in dem entsprechenden Antrag.

Konzept soll vom Magistrat erörtert werden

Außerdem werde der Magistrat aufgefordert, dass das in der Antwort auf die Anfrage der CWE in der Stadtverordnetenversammlung vom 03.02.2025 einzuholende Konzept, in welchem zur Ermittlung der Bedarfe eines Bürgerhauses als Neubau die Aufwendungen einer Sanierung der Bestandsliegenschaft zeichnerisch und mit Kosten hinterlegt gegenübergestellt werden, mit dem Ortsbeirat unmittelbar erörtert werde. Bestenfalls vor der Kommunalwahl am 15. März dieses Jahres.

Deshalb hat der Ortsbeirat in Lehnerz eine weitere Sitzung für den 2. März dieses Jahres anberaumt und will so die Möglichkeit geben, zeitnah eine zumindest gute Übergangslösung zu finden. Langfristiges Ziel sei es nach wie vor, einen Pächter für die Grillenburg zu finden. Wer in den gemütlichen Gastraum und die großzügige und optisch anspruchsvoll ausgestattete Küche schaut, kann gar nicht verstehen, dass hier ein Abriss oder ein "Leerräumen" in Betracht gezogen wurde.

Werner Heurich hat vor vier Wochen in der Grillenburg seinen Geburtstag mit 120 Gästen gefeiert. "Das hat wunderbar geklappt. Ich hatte einen Caterer", sagt Heurich, der ein echter Lehnerzer ist und die Grillenburg kennt wie kaum ein anderer. Deswegen setzt er sich so für den Erhalt des Areals ein. Bei der Kommunalwahl will er übrigens nicht mehr antreten, das schlaucht ihn alles zu sehr.

Vielleicht sollten alle Protagonisten mal im Gastraum der Grillenburg den Lichtschalter anmachen, sich an einen Tisch setzen und gemeinsam an Lösungen arbeiten, mit der alle leben können. Im sonst so geselligen Fulda muss das doch möglich sein? Die Location dazu ist jedenfalls da, seit über 40 Jahren. Die Grillenburg selbst wurde im Jahr 1887 gebaut. (Hans-Hubertus Braune) +++

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