"Ich bin immer noch fassungslos"

Zerstörung von Schul-Bienenstöcken schockt Lehrer und Schüler bei antonius

"Ich bin immer noch fassungslos"
Fotos: antonius

27.01.2026 / FULDA - Auch Tage nach der Entdeckung der Tat sitzt der Schock tief. Rund um den Jahreswechsel wurden sechs Bienenstöcke der Arbeitsschule Startbahn von antonius in der Feldgemarkung bei Haimbach Ziel massiver Zerstörung. Ein oder mehrere bislang unbekannte Täter stahlen mehrere der von Schülerinnen und Schülern betreuten Bienenstöcke und manipulierten andere so, dass die darin überwinternden Tiere bei Temperaturen von minus 7 Grad Celsius und leichtem Schneefall erfroren.



Die Holzkisten standen unweit der Feldscheune von antonius in Richtung Rodges. Zwischen Mitte Dezember und dem 16. Januar schlugen der oder die Täter zu. Während einige Stöcke verschwanden, wurden bei anderen die Deckel nicht mehr korrekt verschlossen. Die Folge: Die Bienenvölker waren den eisigen Temperaturen ausgesetzt und verendeten. "Man kann es nicht anders sagen: Die Bienen wurden ihrem Schicksal überlassen", sagt Klassenlehrer Julius Zeidler. "Ich bin immer noch fassungslos. Wie kann man Tiere einfach so sterben lassen?"

Der 32-Jährige unterrichtet an der Startbahn, der Arbeitsschule von antonius. Hier werden junge Menschen praxisnah auf Arbeit oder Ausbildung vorbereitet. Dazu werden die Stärken der Jugendlichen herausgearbeitet und in realen Arbeitsfeldern erprobt. Die Startbahn ist damit die Brücke zwischen Schulzeit und erstem Arbeitsmarkt. Vor zwei Jahren rief Lehrer Zeidler gemeinsam mit seinen Schülerinnen und Schülern aus dem Fachbereich Landwirtschaft und Gartenbau das Projekt "Schulbienen" ins Leben. Ziel war es, jungen Menschen einen verantwortungsvollen Umgang mit Tieren zu vermitteln und zugleich Wissen über ökologische Zusammenhänge zu vertiefen.

Die Jugendlichen lernten unter anderem, welche Rolle Bienenvölker für die Bestäubung spielen, wie ein Bienenstaat organisiert ist und welche Pflanzen tatsächlich bienenfreundlich sind. Mit der Zeit wuchs das Vertrauen – so sehr, dass die Schüler heute seelenruhig weiterarbeiten, wenn sich Bienen auf Schutzkleidung oder Hauben niederlassen.

Nach dem Start im April 2024 verzichteten die Jugendlichen bewusst auf eine erste Honigernte, um die Völker zu stärken. Im vergangenen Jahr konnte dann erstmals Honig gewonnen werden, der seit Kurzem im antonius-Laden erhältlich ist. "Wir waren an einem Punkt, an dem alles gut lief", sagt Zeidler. "Für dieses Jahr hatten wir geplant, erstmals die Frühjahrstracht zu ernten und Wachskerzen herzustellen." Stattdessen folgte die Zerstörung. Besonders betroffen sei auch der Imker, der das Projekt fachlich begleitet. Dieser schätzt den wirtschaftlichen Schaden auf rund 2000 Euro.

Aufgeben wollen Zeidler und seine Schülerinnen und Schüler aber nicht. "Wir machen weiter. Jetzt erst recht", sagt der Lehrer. Der pädagogische Wert des Projekts für die berufliche Orientierung der Jugendlichen sei zu groß, um es durch eine solche Tat beenden zu lassen. Ein neuer Standort für die Bienenstöcke ist bereits gefunden, ebenso neue Bienenvölker. Der Imker will in dieser Woche Anzeige erstatten. (mp/pm) +++

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