"Eine große Chance"

Neuausrichtung des Grünen Bandes stößt auf breite Zustimmung

Das Naturmonument „Grünes Band Hessen“ soll grundlegend neu ausgerichtet werden.
Fotos: E. Reinhardt

27.01.2026 / FULDA - Rund um das Naturmonument "Grünes Band Hessen" gibt es Neuigkeiten. Im Mittelpunkt steht die geplante Gesetzesänderung und damit die Frage, welche Folgen sich für Naturschutz, Erinnerungskultur, Eigentümer, Land- und Forstwirtschaft, Jagd sowie die touristische Entwicklung der Region ergeben. Matthias Gelbe, Bürgermeister der Stadt Tann (Landkreis Fulda) zeigte sich zufrieden: "Wir freuen uns, dass es so gekommen ist - das ist eine gute Lösung."


Am Montagvormittag hatte der CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Müller zu einer Pressekonferenz eingeladen. Eigentlich sollte der Termin am Theobaldshof in Tann stattfinden, doch wegen des Wintereinbruchs wurde kurzfristig in die Kreisgeschäftsstelle der Christdemokraten in der Michael-Henkel-Straße verlegt. Vor Ort versammelten sich unter anderem Kommunalvertreter, Landwirte, Waldbesitzer und betroffene Grundeigentümer - "also jene, die unmittelbar mit dem Grünen Band befasst sind", so Müller.

Neustrukturierung der Gebietskulisse, Fokus auf Freiwilligkeit

Der Gesetzesentwurf zum Grünen Band Hessen setzt stärker auf Kooperation anstatt Ordnungsrecht und verbindet Naturschutz, Erinnerungskultur und Landtourismus. Das Gebiet wird neu strukturiert und umfasst künftig das Nationale Naturmonument mit Schutz- und Entwicklungszone sowie eine neue Förderzone, in der freiwillige Vereinbarungen mit privaten Eigentümern den Biotopverbund stärken sollen. Verbote werden nicht abgeschafft, vielmehr rückt der Vertragsnaturschutz als zentrales Instrument in den Vordergrund.

Außerdem wird die historische Dimension des Grünen Bandes deutlicher betont: Naturschutz und Erinnerungskultur gelten erstmals als gleichrangige Ziele, unterstützt durch einen Pflege-, Entwicklungs- und Informationsplan. Auch der Landtourismus soll profitieren, da naturverträgliche Erlebnisse und regionale Wertschöpfung ausdrücklich gefördert werden. Für Eigentümer, Kommunen und die Jagd bringt der Entwurf praktische Entlastungen, unter anderem durch die Stärkung kommunaler Planungshoheit, den Verzicht auf ein gesetzliches Vorkaufsrecht und die Klarstellung, dass bestehende Schutzgebietsverordnungen weiterhin Vorrang haben.

Gelbe: "Für unsere Region eine große Chance"

"Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Landesregierung die Rückmeldungen aus der Praxis ernst nimmt und den Gesetzentwurf zum Grünen Band im Sinne eines fairen Ausgleichs weiterentwickelt. Es ist ein wichtiges Signal, dass die Interessen der Bewirtschafter stärker berücksichtigt werden und gleichzeitig der Schutzgedanke sowie die Erinnerungskultur ihren Platz behalten", bemerkte Stefan Schneider, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, zur Thematik. "Das Grüne Band ist für unsere Region eine große Chance - auch touristisch. Wenn Naturerlebnis, Erinnerungskultur und regionale Angebote klug zusammengedacht werden, stärkt das Wertschöpfung vor Ort: von Gastronomie und Beherbergung bis hin zu lokalen Produzenten und Freizeitangeboten", so Rathauschef Matthias Gelbe (parteiunabhängig), der den Gesetzesentwurf ebenso begrüßt.

"Das Grüne Band ist ein einzigartiger Erinnerungs- und Lernort zur deutschen Teilung. Wir begrüßen, dass die Gesetzesänderung die politische Bildung und die Erinnerungskultur am Grünen Band stärker in den Mittelpunkt rückt. Gerade für junge Menschen bietet die Region rund um Point Alpha die Chance, Geschichte greifbar zu machen und zugleich den Wert von Freiheit und Demokratie zu vermitteln", fügte Benedikt Stock, Geschäftsführer von Point Alpha, hinzu. "Besonders wichtig ist aus Sicht von Waldbesitzenden und Jagdgenossenschaften, dass das Vorkaufsrecht des Landes entfällt - das war ein zentraler Kritikpunkt am ursprünglichen Gesetz, weil es Verunsicherung im Bodenmarkt und bei Eigentümern ausgelöst hat. Entscheidend ist, dass durch den neue Gesetzesentwurf nachhaltige Forstwirtschaft am Grünen Band gesichert und zugleich das mit dem Eigentum verbundene Jagdrecht respektiert wird", so Christoph Müller, Vorsitzender der Kreisgruppe Fulda im Waldbesitzerverband.

Das Gesetz wird aktuell im Landtag beraten. Die erste Lesung ist für Februar geplant - mit einer endgültigen Verabschiedung wird im Verlauf des Frühjahrs gerechnet.
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