Nicht wegschauen, sondern handeln!

"Leuchtendes Beispiel für alle" - Polizei ehrt zwölf couragierte Alltags-Helden

Diese Fünf haben geholfen, ohne lange zu überlegen
Fotos: Julia Schuchardt

24.01.2026 / FULDA - Selbstlos helfen, wenn andere in Not sind – was eigentlich selbstverständlich erscheint, ist leider zusehends ein seltenes Phänomen geworden. Viele schauen weg, tun so, als hätten sie nichts gesehen. Vielleicht auch aus Angst, selbst zum Opfer zu werden. Nicht so im Fall dieser zwölf Osthessen, die nun für ihre selbstlose Zivilcourage von Polizeipräsident Michael Tegethoff geehrt wurden. Sie tauschten Passivität gegen ein ‚Ich muss jetzt etwas tun!‘.



Am Freitag lud der Präsident des Polizeipräsidiums Osthessen zum nunmehr dritten Mal zur alljährlichen Belobigungsveranstaltung für Zivilcourage. Tegethoff erklärte, er wolle nicht nur danken, sondern auch ein Zeichen setzen – dass entschlossene Zivilcourage nicht nur gesehen, sondern auch gewürdigt und wertgeschätzt wird. Und letztlich solle diese Würdigung auch dazu "inspirieren, ebenfalls so zu handeln."

Christoph Seibert – Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Präsidiums – stellte insgesamt fünf Fälle vor, in denen mutige Osthessen echte Zivilcourage bewiesen haben.

Fünf dramatische Momente!

Mai 2025 – In einer Spielothek in Fulda kam es zu einem folgenschweren Messerangriff. Ein Mann stach mit äußerster Brutalität auf seine 23-jährige Ex-Frau ein. Bettina Schulz, die zu diesem Zeitpunkt zufällig vor Ort war, gelang es, die Aufmerksamkeit des Täters von seinem Opfer abzulenken. Leider konnte das Leben der jungen Frau trotz des entschlossenen Eingreifens nicht mehr gerettet werden - ihre Verletzungen waren zu schwer. Sie hinterließ zwei kleine Kinder. OSTHESSEN|NEWS hatte damals ausführlich über den Fall berichtet, der deutschlandweit Anteilnahme ausgelöst hatte.

Dezember 2024 – sechs Mitarbeiterinnen des Klinikums Bad Hersfeld machen eine fürchterliche Entdeckung: Nach einer Weihnachtsfeier begegneten sie im Schildepark einem blutüberströmten Mann, der von unzähligen Messerstichen schwer verletzt worden war. Unter Anwendung ihrer medizinischen Fachkenntnisse gelang es den sechs Frauen, den Blutverlust zu stoppen und – so ist sich die Rechtsmedizin sicher – den Mann auf diese Weise vor dem sicheren Tod zu retten. Jule Schmoll, Carolin Aßmann, Susann Werner, Alisa Denhardt, Michaela Winkelhardt und Melanie Lamm taten dies vor allem auch in der Ungewissheit, ob sich der Täter womöglich noch in der Nähe befindet.

November 2025 – auf einem Angelausflug bemerken Manuel Deigert und Hartmut John einen reglos im Wasser treibenden Frauenkörper. Ohne zu zögern, ziehen die beiden die Frau aus dem Wasser, versorgen sie und kontaktieren die Rettungsdienste. Später stellt sich heraus, dass sich die Frau in einer psychischen Ausnahmesituation befunden hatte. Dank des selbstlosen Handelns der Helfer konnte das Leben der Frau gerettet werden.

März 2025 – ein loderndes Inferno wütet in Wartenberg-Angersbach. Marcel Schneider und Felix Appel bemerken den Großbrand einer Scheune und reagieren, ohne zu zögern: Geistesgegenwärtig kontaktieren sie die Einsatzkräfte und klingeln bei den direkt neben der Scheune lebenden Anwohnern, um diese auf die akute Gefahr hinzuweisen. Unter Einsatz ihres eigenen Lebens betreten sie sogar die im Vollbrand befindliche Scheune, um sicherzustellen, dass sich niemand im Innern befindet. Dabei ziehen sie sich selbst leichte Brandverletzungen zu.

März 2025 – Auf der A66 zwischen Flieden und Neuhof ereignet sich ein zunächst unbemerkter Unfall: Eine Frau verliert die Kontrolle über ihr Fahrzeug und kommt in einem schwierig einsehbaren Abschnitt abseits der Fahrbahn zum Stehen. Nicht in der Lage, sich selbst aus dem Fahrzeugwrack zu befreien, wartet sie stundenlang vergeblich auf Hilfe. Erst ein Lkw-Fahrer, der aufgrund seiner erhöhten Sitzposition über eine bessere Sicht verfügt, bemerkt den Wagen und weist Fahrlehrer Matthias Heil auf den Unfall hin. Dieser kümmert sich um die Verletzte und alarmiert umgehend die Rettungskräfte.

Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS verriet Polizeipräsident Tegethoff: "Die heutige Veranstaltung ist mir eine ganz persönliche Herzens-Angelegenheit, weil wir Bürgerinnen und Bürger für ihre Zivilcourage ehren wollen. Ich möchte diesen mutigen Menschen meinen Respekt und meine Wertschätzung ausdrücken – sie sind echte Vorbilder für uns alle."

"Viele vergessen", so Tegethoff weiter, "dass es vor allem auch die kleinen Taten sind, die einen großen Unterschied machen: Auch der Anruf bei der Polizei oder die energische Ansprache kann viel bewirken, ohne sich selbst dabei gefährden zu müssen. Lassen Sie uns eine Gesellschaft sein, in der wir uns aufeinander verlassen können und jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten anderen zur Seite steht." (Marvin Hucke)+++

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