Die Grippewelle rollt in Deutschland
Empfehlung der STIKO - Warum Impfen jetzt noch Leben schützen kann
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25.01.2026 / REGION -
Mit dem Jahresbeginn erreicht die Grippesaison in Deutschland regelmäßig ihren Höhepunkt. Auch in diesem Januar zeigt sich das bekannte Muster: Die Zahl der Atemwegserkrankungen steigt an, Kliniken geraten unter Druck. OSTHESSEN|NEWS berichtete bereits über überfüllte Notaufnahmen und belastete Krankenhäuser in Fulda und der umliegenden Region. Was oft abstrakt in Zahlen erscheint, hat ganz konkrete Folgen für Patientinnen, Patienten und das Gesundheitssystem.
Besonders im Fokus steht aktuell die "echte" Virusgrippe, die Influenza, die meldepflichtig ist. In der ersten Woche des Jahres 2026 wurden bundesweit rund 15.000 Influenzafälle gemeldet, eine Woche später bereits 20.000. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass diese Zahlen die tatsächliche Situation nicht richtig abbilden, da längst nicht jede Erkältung oder Atemwegsinfektion labordiagnostisch auf Influenza getestet wird.
Für die meisten gesunden Menschen verläuft eine Grippe unangenehm, aber ohne schwere Komplikationen. Anders sieht es bei Risikogruppen aus. Besonders gefährdet sind Menschen mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus oder starkem Übergewicht. Auch Menschen über 60 Jahre haben ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Verläufe und Todesfälle.
Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen, Abstandhalten und das Tragen von Masken, was vielen noch aus der COVID-19-Pandemie vertraut ist, leisten weiterhin einen wichtigen Beitrag zum Infektionsschutz. Der wirksamste Schutz vor schweren Krankheitsverläufen ist jedoch nach wie vor die Grippeimpfung.
Das Influenzavirus verändert sich durch Mutationen sehr schnell. Deshalb wird der Impfstoff jedes Jahr neu angepasst. Die Grippeimpfung bietet aber keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Ansteckung. Ihre Wirksamkeit liegt bei etwa 50 bis 60 Prozent. Doch genau hier liegt ein häufiges Missverständnis: Das wichtigste Ziel der Impfung ist nicht, jede Infektion zu verhindern, sondern schwere Verläufe, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle zu vermeiden. Zudem kann sie im Falle einer Infektion den Krankheitsverlauf deutlich abmildern und verkürzen. Empfohlen wird die Grippeimpfung zwar idealerweise vor Beginn der Saison, zwischen Oktober und Dezember. Da Grippewellen jedoch häufig bis März oder April andauern, lohnt sich eine Impfung auch jetzt noch, insbesondere für Menschen mit erhöhtem Risiko.
Die steigenden Fallzahlen zeigen: Die Grippe ist keine harmlose Erkältung, sondern eine ernstzunehmende Infektionskrankheit mit potenziell schweren Folgen. Gerade für gefährdete Menschen kann die Impfung den entscheidenden Unterschied machen. Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst, sondern trägt auch dazu bei, Kliniken zu entlasten und vulnerable Gruppen zu schützen. Inmitten der laufenden Grippewelle ist das ein wichtiger Schritt. (Adrian Böhm)+++