Jahresempfang der Gemeinde
Wiener Charme und Kultur-Kämpferin: Intendantin Elke Hesse im Schlösschen
Alle Fotos: Martin Engel
23.01.2026 / EICHENZELL -
"Können wir uns Kultur noch leisten? Und wer übernimmt Verantwortung für kulturelle Gerechtigkeit?" - diese Fragen standen am Donnerstagabend beim Jahresempfang im Eichenzeller Schlösschen im Mittelpunkt. Gut 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft, den Vereinen und Institutionen waren der Einladung der Gemeinde gefolgt.
Und wer könnte bessere Einblicke in diese Thematik geben als Bad Hersfelds Festspiel-Intendantin Elke Hesse?
Kultur ist "identitätsstiftend"
Die Intendantin beschrieb die vielen Facetten des kulturellen Lebens in unserem Alltag. Nicht nur auf den großen Bühnen von Theatern, Opern oder Festivals: "Kultur ist weit mehr als das. Kultur umfasst unsere Sprache und unsere Rituale, unsere Erinnerungen und Erzählungen. Kunst, Musik, Literatur, Film, Alltagskultur, Jugendkultur, digitale Kultur. Kultur sind Orte der Begegnung, des Austausches, des Streits und des Zuhörens, Kultur sei "identitätsstiftend", sagte die Wienerin. Sie habe Zusammenhalt geschaffen in Zeiten politischer Brüche, gesellschaftlicher Traumata und historischer Umbrüche. Dabei sei beides gleich wichtig: Das Bewahren des kulturellen Erbes und das Fördern des Neuen."Kulturelle Gerechtigkeit ist keine Nebensache"
Können wir uns Kultur überhaupt noch leisten? "Meine Antwort lautet: Wir können es uns nicht leisten, sie nicht zu fördern. Denn ohne Kultur verarmt der öffentliche Diskurs, schrumpft gesellschaftlicher Zusammenhalt und wird Demokratie fragil. Die entscheidende Frage ist also nicht, ob wir Kultur finanzieren, sondern wie gerecht wir sie gestalten. Kulturelle Gerechtigkeit ist keine Nebensache. Sie ist eine Investition in eine offene, solidarische und demokratische Gesellschaft", sagte die Intendantin Elke Hesse abschließend und erhielt viel Applaus für ihren Vortrag.Viele Projekte und Maßnahmen in Zeiten leerer Kassen
Vor Hesses spannender Rede hatte Eichenzells Bürgermeister Johannes Rothmund die Chance genutzt, ausführlich auf das vergangene Jahr zurückzublicken und gleichzeitig einen Ausblick auf laufende und geplante Projekte in der Gemeinde zu geben. Der kommunale Alltag ist auch in der Autobahngemeinde von vielfältigen Herausforderungen geprägt. Selbst in Eichenzell muss gespart werden. Und doch konnte Rothmund den Blick auf viele Maßnahmen werfen. Etwa wie viel Geld der Bau von Kläranlagen verschlingt, Investitionen in die Infrastruktur, in die Feuerwehr, Straßenbau, Lärmschutz, Neubaugebiete und Radwege-Ausbau - um nur ein paar Beispiele zu nennen."Kommunen dürfen nicht zu einem radikalen Sparkurs gezwungen werden, ohne dass auf Bundes- und Landesebenen tiefgreifende Reformen in den seit Jahren nicht mehr vollständig beitragsfinanzierten Sozialsystemen durchgesetzt werden. Zudem haben es Bund und Land in der Hand, die Kommunen finanziell zu entlasten, ohne selbst (nicht vorhandene) finanzielle Mittel in die Hand nehmen zu müssen, indem Standards gerade im Bereich der Pflichtaufgaben der Kommunen nicht immer weiter erhöht, sondern gegebenenfalls auch abgesenkt werden. In Eichenzell legen wir Wert darauf, unsere vorhandene Infrastruktur zu erhalten und nicht verkommen zu lassen", sagte der Eichenzeller Bürgermeister.
Sehen Sie nachfolgend und in einer weiteren Bilderserie Eindrücke vom Jahresempfang in Eichenzell von unserem OSTHESSEN|NEWS-Fotografen Martin Engel. (Hans-Hubertus Braune) +++
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"Können wir uns Kultur noch leisten?" - Jahresempfang im Schlösschen