Leidenschaft hält am Leben

Metal-Musiker Mike Müller nach Krebserkrankung: "Ich kämpfe mich zurück"

Metal-Musiker Mike Müller erzählt, wie ihn die Krebsdiagnose schwer getroffen hat, er sich aber zurück ins Leben und auf die Bühne kämpft.
Fotos: Erik Spiegel

29.01.2026 / REGION - Im August 2025 stand seine Welt für einen Moment still. Krebs. Ein Wort, das alles verändern kann - aber ihn nicht gebrochen hat. "Solange es noch jemanden gibt, der mir zuhört, mache ich weiter", sagt er. Und er meint es. Jede Probe, jeder Ton, jeder Schritt zurück ins Leben beweist es. Mike Müller, bekannt als Metal-Mike, kämpfte sich zurück - an seiner Seite: die Musik und seine Partnerin Claudia Körner, seine "größte Stütze."



Seine zahlreichen Fans haben es schon vor einiger Zeit bemerkt, denn das geliebte "Christmas Rock for Help"-Konzert Ende des Jahres 2025 musste leider ausfallen. Die Krebsdiagnose veränderte sein Leben schlagartig. Zuerst war da nur Wut. Dann Stille. Und schließlich dieser eine Gedanke: "Wir gehen das an". Im OSTHESSEN|NEWS-Redaktionsgespräch führte er uns durch seine bewegende Reise und zeigt: Leidenschaft, Unterstützung und eine Menge Stärke machen das scheinbar Unmögliche wieder möglich.

"Für mich ist es ganz normal, dass es weitergeht"

Mit brüchiger Stimme und Tränen in den Augen sagt der Musiker: "Meine Eltern sind beide an Krebs verstorben und dann bekomme auch ich diese schreckliche Nachricht." Für den 56-Jährigen ein wahrer Schicksalsschlag. Die schrecklichen Erlebnisse ließen ihn auch in anderen Jahren nicht in Ruhe: "2007 musste ich meine damalige Frau beerdigen." Viele tragische, unvorstellbare Ereignisse, doch: "Für mich ist es ganz normal, dass es weitergeht." Und so kämpft er sich Stück für Stück ins Rampenlicht zurück.

"Nach der Operation im Oktober hat alles wehgetan. Aber auf der Fahrt zur Reha war ich motiviert. Nach drei Wochen Reha war ich am selben Abend noch in der Probe", verkündet der Sänger, als hätte er nicht gerade eine unglaublich anstrengende Zeit hinter sich. Er habe zwar "nur" zwei Songs geschafft und musste sich dann setzen, doch es ist klar: Aufgeben ist keine Option. Diese Stärke lobte wohl auch sein Arzt: "Er sagte, ich bin unglaublich stark und beeindruckend. So einen wie mich hatte er lange nicht mehr hier sitzen." Das zeigte sich auch in seiner Haltung: voller Hoffnung blickt er in die Zukunft und hat auch schon wieder einiges geplant. "Am 2. April veranstalten wir ein Come-Back- und Charity-Konzert in der Propstei Johannesberg. Auch das beliebte Christmas-Rock-Konzert wird am 5. Dezember wieder stattfinden." Aus Dankbarkeit, dass es ihm jetzt den Umständen entsprechend wieder gut geht, möchte er einen Teil der Einnahmen des Konzerts im April an die Deutsche Krebshilfe spenden.

Was wäre Metal-Mike ohne seine Musik?

Doch wie hat er diese schwere, tragische Zeit durchgestanden? "An meiner Seite waren selbstverständlich meine Familie und Freunde, dabei besonders meine Partnerin Claudia Körner, mit der ich seit 2007 zusammen bin. Sie war meine größter Halt. Aber auch die Musik war eine wahre Motivation. Ich will sie einfach noch nicht aufgeben und solange es noch jemanden gibt, der mir zuhört, mache ich weiter. Sie ist mein Leitfaden, sie treibt mich an", schildert der Musiker voller Hingabe. "Ich wüsste nicht, wie ich mich sonst beschäftigen soll. Ich habe nichts anderes. Ich lese nicht mal ein Buch", sagt er lachend im Gespräch mit O|N. Was wäre Metal-Mike schließlich ohne seine Musik? "Auch für meine Familie ist klar: Sollte ich keine Musik mehr machen, könnte man gleich die Blumen auf mein Grab legen."

Sollte er - in hoffentlich ferner Zukunft - schließlich doch nicht mehr singen können, möchte der Musiker sein Talent weiterhin nutzen. "Wenn ich selbst nicht mehr singen kann, möchte ich mich der Nachwuchsförderung von Sängern widmen", sagte er. Er möchte anderen sein Wissen und seine Erfahrung mitgeben. Doch jetzt ist glücklicherweise noch lange nicht Schluss und so schreibt Müller fleißig weiter an seinen Songs. "Gerade nehme ich einen Song für meine verstorbene Mutter auf." Vielleicht bekommen die Fans in einigen Jahren auch musikalische Einblicke in seinen Kampf gegen den Krebs.

Am Ende bleibt für Metal‑Mike vor allem eines: Man darf die Hoffnung nicht aufgeben, positiv denken und Kraft aus Familie - oder in seinem Fall aus der Musik - schöpfen. Denn für ihn steht fest: Leidenschaft hält am Leben. (Mia Schmitt) +++

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