Astronom Passarge klärt auf

Wie entstehen Polarlichter - und wann kommen sie wieder?

Impressionen von der Wasserkuppe
Foto: Stefan Möller

21.01.2026 / REGION - Am gestrigen Abend wurde die Region Zeuge eines beeindruckenden Naturschauspiels. Uns haben zahlreiche großartige Leserfotos erreicht, dennoch stellt sich für viele Menschen die Frage, wie Polarlichter denn überhaupt zustande kommen. Wir haben bei Astronom Michael Passarge aus Bad Salzschlirf (Landkreis Fulda) nachgefragt, wieso Nordlichter insbesondere in den letzten Jahren nicht mehr nur ein skandinavisches Phänomen sind.



"Durch einen sogenannten 'koronalen Massenauswurf' gelangen hochenergetische Teilchen in die Erdatmosphäre und ordnen sich entlang der Erdmagnetlinie an. Dadurch entstehen die Polarlichter in einer Art Ring um den Erdball, der nicht starr ist, sondern sich auch nach Süden verschieben kann. Tritt dieser Fall ein, erblicken auch wir in Mitteleuropa die Polarlichter, die man sonst eher aus Skandinavien kennt", erklärt Passarge gegenüber OSTHESSEN|NEWS. Die verschiedenen Farben, wie grün und rot entstehen abhängig von der Zusammensetzung der Atmosphäre und der Höhe, in der die Teilchen auf die Gase treffen. Grünes Licht entsteht meist durch Sauerstoff in höheren Schichten, während rötliche Polarlichter eher in niedrigeren Ebenen vorkommen.

Vielen Menschen ist es aber schon aufgefallen: In den letzten Jahren sehen wir vermehrt Polarlichter in unserer Region, die auch mit dem bloßen Auge erkennbar sind. "Die Sonne ist in einem Zyklus von durchschnittlich elf Jahren besonders aktiv, das ist aktuell der Fall. Dabei entstehen vermehrt koronale Massenauswürfe, die starke Polarlichter begünstigen. Wenn der Ring sich dann wieder nach Süden bewegt, bekommen wir hierzulande auch etwas ab", verrät uns Michael Passarge.

Wieder Polarlichter in den nächsten Tagen?

Aber wie sieht es in den nächsten Tagen aus? Im Moment könne man dazu nicht viel sagen – die Lichter seien zwar noch schwach sichtbar, aber kaum mit dem menschlichen Auge wahrnehmbar, so der Astronom. Für alle Interessierten ist auf der Seite des Sonnenobservatoriums Bad Salzschlirf eine aktuelle grafische Aufzeichnung des örtlichen Erdmagnetfeldes zu sehen. Je nachdem, wie stark es ausschlägt, sind die Polarlichter besser zu sehen. Insbesondere die Grafik des gestrigen Abends zeigt, wie intensiv die Polarlichter in der Region waren.

Wann wir das nächste Naturschauspiel zu Gesicht bekommen, bleibt zunächst abzuwarten. Sicher ist, dass die Sonne nicht aufhören wird, für beeindruckende Bilder zu sorgen. Ein Blick in den Nachthimmel lohnt sich also immer wieder. (Philipp Gerhard)+++

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