In welcher Welt wollen wir leben?
Jahresempfang der IHK: Zwischen Rückblick, Realität und Zukunftsoptimismus
Fotos: Carina Jirsch
17.01.2026 / FULDA -
Wirtschaftliche und politische Umbrüche, der Druck globaler Wettbewerbsfähigkeit, die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz: Die Themen des Abends waren so vielfältig wie herausfordernd. Unter Federführung von IHK‑Präsident Dr. Christian Gebhardt und IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow gaben die Schirmherren einen Überblick über all das, was unsere Zukunft so beeinflusst. Special Guest war Markus Gürne, Journalist und Moderator, der mit seinen spannungsreichen Beobachtungen, Gedanken und Impulsen den Saal in seinen Bann zog.
Vom süßen Brei zur harten Realität
Zu Beginn des Abends war es an der Zeit, zurückzublicken und Revue passieren zu lassen, was 2025 erreicht wurde. Ein Videobeitrag vermittelte schon einmal erste interessante Einblicke. Im Anschluss nahm IHK-Präsident Dr. Christian Gebhardt das Zepter in die Hand und wandte sich mit einem eher ungewöhnlichen Einstieg an die Gäste: Er erinnerte an das Märchen "Der süße Brei". Darin erhält ein armes Mädchen einen Zaubertopf, "der unendlich Brei kochen kann – ein Segen, solange man weiß, wie man ihn stoppt." Der Zaubertopf, welcher unkontrolliert weiterkocht, stehe für Deutschlands aktuelle Wirtschaftspolitik. Staatliche Ausgabenprogramme auf Kredit wirkten zwar wie ein kurzfristiger Segen, erzeugten aber ein künstliches Wachstum.
Insolvenzen und Co.: "Die Politik muss massiv gegensteuern"
Mit Blick auf die Industrie zeichnete er ein deutliches Bild: Seit 2019 seien 400.000 Industriearbeitsplätze verloren gegangen, 2025 habe es so viele Insolvenzen gegeben wie seit zwölf Jahren nicht mehr. "Damit es nicht so weitergeht, muss die Politik massiv gegensteuern", forderte er. Unternehmenssteuern, Arbeits- und Energiekosten müssten sinken, Bürokratie müsse abgebaut werden. Gleichzeitig hob der IHK-Präsident auch positive Entwicklungen hervor: "Was mich hoffnungsvoll stimmt, ist die Rekordzahl an Start‑up‑Gründungen im vergangenen Jahr." Über 3.500 neue Wachstumsfirmen seien entstanden, viele davon getrieben durch den KI‑Boom.
Hoffnungsvoller Ausblick auf die Zukunft
Anschließend richtete er den Blick auf die Region. Fulda stehe im Vergleich gut da – dank starker mittelständischer Unternehmen und eines engen Schulterschlusses zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Besonders freue er sich auf den kommenden Hessentag, der "sich positiv und nachhaltig auf unseren Standort auswirken wird". Er verdeutlichte noch: "Noch nie wussten wir so gut wie heute, was getan werden muss, damit es wieder aufwärts geht." Mit einem optimistischen Ausblick endete seine Rede: "Wenn wir in diesem Jahr die richtigen Weichen stellen und Maß und Mitte finden, dann wird uns der süße Brei die nötige Kraft geben, unsere Potenziale voll zu entfalten."
"Viele Entwicklungen haben Sicherheiten ausgelöst"
Gleich danach trat Landrat Bernd Woide (CDU) auf die Bühne. Er blickte in seiner Rede auf ein "einschneidendes Jahr 2025" zurück, in dem "etwas in Unordnung geraten sei" – von der Sicherheitslage in Grönland bis hin zu Angriffen auf die Infrastruktur. "Viele Entwicklungen haben Unsicherheiten ausgelöst, nicht nur weltweit, sondern auch im Landkreis Fulda." Diese Unsicherheit führe zu Vertrauensverlust: "Man spürt eine gewisse Verdrossenheit mit den Strukturen", sagte er. Der Landrat stellte die Frage, ob die Demokratie solchen Belastungen standhalte und erinnerte daran, dass Frieden und Freiheit keine Selbstverständlichkeit seien. Sein Appell: "Es lohnt sich, für die Demokratie einzustehen, denn wenn sie weg ist, haben wir nichts gewonnen."
Gürne: "In welcher Welt wollen wir leben?"
Highlight des Abends: ein Gastvortrag von Markus Gürne, Journalist und Moderator, der zum Thema "Zeitenwende 2.0 – Europas Rolle in einer veränderten Welt" sprach. "Wir bekommen den Schalter nicht umgelegt an vielen Stellen", sagte er direkt zu Beginn. Die Welt sei unsicher, voller Konflikte – vieles hänge aber von der Perspektive ab. Er fokussierte die USA, China sowie das Thema KI und betonte: "In Deutschland sind wir noch in vielen Dingen hintendran." In einer Zeit, die von Krisen beherrscht ist, stellte sich die Frage: In welcher Welt wollen wir eigentlich leben? "Frieden und Freiheit müssen erhalten bleiben", betonte er. Der Journalist verwies darauf, dass wir uns alle wirtschaftlich einbringen müssen. "Deutschland ist eine Insel der Glückseligkeit, wir müssen nur dafür sorgen, dass es auch so bleibt." Verleihung Prädikate #lichtbewusstsein
Zum Ende des offiziellen Teils folgte die Verleihung der IHK-Prädikate "gesund arbeiten in fd" und "#lichtbewusstsein". Mit dem Prädikat #lichtbewusstsein zeichnet die IHK Fulda gemeinsam mit Stadt und Landkreis Fulda Unternehmen aus, die durch den bewussten Einsatz von Außenbeleuchtung den Schutz der Nacht berücksichtigen und damit einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität, Energieeinsparung und zu einem ästhetischen Ortsbild und Nachtlandschaft leisten. Ausgezeichnet werden: Papillon GmbH & Co. KG | Ferienresort Wasserkuppe), Gersfeld Gedenkstätte Point Alpha, Rasdorf Raiffeisen Technik Mitte GmbH, Petersberg Nurona GmbH, Hofbieber
Verleihung Prädikate "Gesund arbeiten in FD"
Der Arbeitskreis "Gesundheit und Werte" wurde 2010 gegründet. Das Prädikat "gesund arbeiten in fd" haben Unternehmerinnen und Unternehmer aus diesem Arbeitskreis mit viel Engagement selbst entwickelt.In der zehnten Prädikatisierungsrunde wurden elf Unternehmen ausgezeichnet: alt & partner Steuerberatungsgesellschaft mbH, Fulda bytewerk GmbH, Fulda DiAL GmbH, Eichenzell EDAG Engineering GmbH, Fulda GERRIT-Entertainment GmbH & Co. KG, Fulda G + S GmbH, Eichenzell HUBTEX Maschinenbau GmbH & Co. KG, Fulda KGM Kugelfabrik GmbH & Co. KG, Fulda Milupa GmbH, Fulda sifar GmbH, Eichenzell Wagner Fahrzeugteilefabrik GmbH & Co. KG, Fulda. (js)+++