"Ein Gebäude soll leben"

Denkmalschutz neu denken: Minister Timon Gremmels im O|N-Gespräch

v.l.: stellvertretender Redaktionsleiter Moritz Bindewald, Minister Timon Gremmels, Pressesprecher Jascha Habeck, Redakteur Moritz Pappert
Fotos: Martin Engel

28.01.2026 / FULDA - Seit genau zwei Jahren ist Timon Gremmels (50) Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur im Kabinett Rhein II. Zwischen Filmpremiere in Marburg und einem Denkmalschutz-Termin hat er die Redaktion von OSTHESSEN|NEWS zum Redaktionsgespräch besucht.



Der Anlass für den Ministerbesuch in der Barockstadt war ein freudiger. Nach dem O|N-Interview ging es zum Haus zum Roten Ochsen. Dort hat er eine Plakette angebracht, die belegt, dass die denkmalgerechte Sanierung dieses Schmuckstücks preiswürdig ist. So möchte Minister Timon Gremmels unter anderem ein neues Denkmalschutzgesetz auf den Weg bringen. Es soll Verfahren beschleunigen und den Denkmalschutz grundlegend reformieren und modernisieren. "Wir wollen den Denkmalschutz entbürokratisieren und den Menschen die Angst nehmen, dass die Auflagen einen erschlagen und man das Gebäude hinterher nicht wirtschaftlich nutzen kann. Ein Gebäude soll leben", macht er deutlich.

Dabei gehe es vor allem darum, Ängste abzubauen. "Wir wollen den Menschen die Sorge nehmen, ein denkmalgeschütztes Gebäude zu kaufen – und sie dabei unterstützen, diese Bauwerke in die Zukunft zu führen", so der Minister. Denkmalschutz sei wichtig für die Identität einer Region, dürfe aber kein Selbstzweck sein. "Wenn die Auflagen so streng sind, dass niemand mehr investieren will, schaden wir dem Denkmalschutz am Ende selbst."

"Die Fußstapfen, die Karim Khakzar hinterlässt, sind groß"

Doch Fulda kann mehr als Denkmalschutz. Auch die Hochschule genießt weit über die Region hinaus einen hervorragenden Ruf – etwas, das Gremmels ausdrücklich lobt. Besonders die Entwicklung der vergangenen Jahre sei beeindruckend. "Das ist beispielhaft. Unter Präsident Professor Karim Khakzar hat die Hochschule in den vergangenen 18 Jahren einen echten Quantensprung gemacht. Sie gehört mittlerweile zur Spitzengruppe der Hochschulen für angewandte Wissenschaften", sagt der Minister anerkennend.

Ende 2026 wird Hochschulpräsident Khakzar in den Ruhestand gehen. "Die Fußstapfen, die er hinterlässt, sind groß", betont Gremmels. Die Entscheidung über die Nachfolge liege bei den Gremien der Hochschule. Eine Findungskommission werde eingesetzt, und jeder neue Präsident oder jede neue Präsidentin werde eigene Akzente setzen. Darauf freue er sich schon jetzt.

Gleichzeitig widerspricht Gremmels der Vorstellung, dass an der Hochschule ein "frischer Wind" nötig sei. "Herr Khakzar ist alles andere als amtsmüde. Er liefert bis heute innovative Ideen und treibt die Hochschule weiter voran", stellt der Minister klar. Für die Zukunft wünscht er sich eine erfahrene Führungspersönlichkeit, die die Hochschule auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene stark positioniert und sich für den Standort Fulda einsetzt. "Ich habe großes Vertrauen in die Gremien – sie werden eine gute Entscheidung treffen."

"Kultur ist identitätsstiftend"

Ein weiteres Thema, das Hochschulen derzeit stark beschäftigt, ist die Demokratieforschung. Für Gremmels ein Bereich von wachsender Bedeutung. "Unsere Demokratie wird von innen und von außen angegriffen", warnt der Minister. Autokratische Tendenzen nähmen international zu, gleichzeitig wachse in Deutschland der Einfluss extremistischer Parteien. "Wir wollen die Gesellschaft widerstandsfähig machen und unsere Demokratie schützen."

Als Kulturminister liegt Gremmels auch die kulturelle Vielfalt Hessens besonders am Herzen. "Kultur ist identitätsstiftend. Sie muss frei sein und Raum zum Diskurs, aber auch für den Genuss bieten", sagt er. In diesem Zusammenhang schwärmt er von den Bad Hersfelder Festspielen, die in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen feiern. "Das ist bundesweit eine der schönsten Freilichtbühnen überhaupt. Ein lauer Sommerabend in der Stiftsruine – das ist etwas ganz Besonderes." Mit Elke Hesse habe man eine erfahrene und tolle Intendantin gewinnen können.

Und auch Fulda hat kulturell einiges zu bieten. Der Hessentag wird die Kultur in der Barockstadt ins Rampenlicht bewegen. Timon Gremmels freut sich schon heute auf das Mega-Event. "Das ist ein Pflichttermin. Ich werde von den zehn Tagen mindestens acht Tage hier sein. Der Hessentag ist Kultur. Da ist für jeden etwas dabei", so der 50-Jährige. "Es wird ein großartiger Hessentag. Ich freue mich darauf", blickt Gremmels abschließend auf den kommenden Sommer. (Moritz Pappert) +++

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