Kaum günstiger?

Weniger Steuer beim Essengehen - so wirkt die Neuregelung auf die Speisekarte

Seit Anfang des Jahres gilt bundesweit die Mehrwertsteuersenkung in den Gastronomien. Wird Essengehen in der Region jetzt günstiger?
Symbolfoto: pixabay

24.01.2026 / REGION - Seit dem 1. Januar gilt für Speisen in der Gastronomie wieder der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Der Deutsche Bundestag hatte die Regelung Anfang Dezember beschlossen - ursprünglich als Corona-Hilfsmaßnahme eingeführt, gilt sie nun zum neuen Jahr dauerhaft. Ziel ist es, Gastronomiebetriebe finanziell zu entlasten. Doch was bedeutet das konkret für Gäste und Betriebe in Osthessen?


Die Rückkehr zum ermäßigten Mehrwertsteuersatz hat ihren Ursprung in der Corona-Pandemie: Um die damals massiv belastete Gastronomie zu stützen, hatte die Bundesregierung die Steuer auf Speisen zeitweise von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Nach mehreren Verlängerungen, zunächst bis Ende 2022, waren es wieder 19 Prozent - bis jetzt.

Ein Blick in die Region zeigt: Die Steuersenkung kommt an - doch wo genau? In vielen Betrieben bleiben die Preise stabil, statt zu sinken. Grund dafür sind vor allem gestiegene Kosten. "Durch die Senkung der Mehrwertsteuer können wir unsere Preise halten", erklärt Alex Günther vom Landgasthof "Zur Linde" in Großenlüder-Bimbach. Ohne die Entlastung hätte man angesichts höherer Strompreise und der Mindestlohnerhöhung die Preise in diesem Jahr anheben müssen. "Wir sind froh, dass wir das durch die Anpassung der Mehrwertsteuer vermeiden konnten."

Ähnlich äußert sich auch Björn Helfrich vom Gasthaus "Fuldaer Hof" in Fulda gegenüber OSTHESSEN|NEWS. Die Branche stehe weiterhin unter Druck, sagt er. "Alles wird teurer - Personal, Energie, Waren. Für uns bedeutet die Steuersenkung vor allem Stabilität." Auch hier sei klar gewesen: Ohne die neue Regelung wären Preiserhöhungen im Jahr 2026 kaum vermeidbar gewesen.

Konsequent weitergegeben wird die Mehrwertsteuersenkung in der Waldgaststätte "Praforst" in Hünfeld. Inhaber Marc Zuspann berichtet, man habe die Reduzierung bewusst und vollständig an die Gäste weitergereicht. Die Gäste nähmen das Angebot dankbar an - sogar im traditionell schwächeren Januar laufe das Geschäft gut. "Man merkt, dass zum Beispiel wieder mehr Desserts bestellt werden", so Zuspann. Sollte sich die wirtschaftliche Lage nicht verschlechtern, wolle man diesen Weg weitergehen. Wichtig seien ihm dabei vor allem Ehrlichkeit gegenüber den Gästen und ein gestärktes Team. Gleichzeitig zeigt er Verständnis für Kolleginnen und Kollegen, die die Steuersenkung nicht an ihre Gäste weitergeben können. "Die Betriebskosten werden ja natürlich nicht weniger", sagt Zuspann. Selbst bei langfristigen Buchungen, etwa Hochzeiten, die bereits im vergangenen Jahr vereinbart wurden, bleibe man in der Praforst jedoch konsequent beim Sieben-Prozent-Satz.

Einen anderen Umgang hat Harald Grösch vom Landhotel und Restaurant "Am Trätzhof" in Fulda mit der Mehrwertsteuersenkung gefunden. "Wir haben uns überlegt, dass wir die Hälfte an unsere Gäste geben möchten. Dementsprechend werden wir die Preise auf der Karte um rund sechs bis sieben Prozent senken. Die andere Hälfte benötigen wir, um unseren Betrieb am Laufen zu halten. Für uns war das die fairste Lösung."

Andere Betriebe halten sich mit öffentlichen Aussagen bewusst zurück. Das zeigt: Für viele Gastronomen ist die Situation weiterhin angespannt. Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind groß – und nicht jeder kann und möchte seinen Umgang mit der Neuregelung offenlegen.

Unterm Strich wird deutlich: Die Rückkehr zum siebenprozentigen Mehrwertsteuersatz ist für die Gastronomie eine wichtige Unterstützung. Sie verschafft Luft in schwierigen Zeiten - doch sie reicht vielerorts gerade einmal aus, um steigende Kosten abzufedern. Für Gäste bedeutet das zumindest eines: stabile Preise statt ausgiebiger Preisnachlässe auf der Rechnung.
(ems) +++

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