Jahresbilanz 2025

Hessenweit Spitze, aber unter Druck: Regionaler Arbeitsmarkt im Check

Der Jahresbericht zeigt, dass Fulda trotz weiterhin bester Arbeitslosenquote in Hessen vor wachsenden Herausforderungen steht – besonders durch steigende Jugendarbeitslosigkeit, Fachkräftemangel und die Notwendigkeit, mehr Menschen durch Integration und Weiterbildung in Arbeit zu bringen.
Fotos: Mia Schmitt

14.01.2026 / FULDA - Ein neues Jahr hat begonnen und dennoch beschäftigen uns Themen aus dem vergangenen Jahr – oder sogar darüber hinaus. Wie steht es um die Arbeitslosigkeit in unserer Region? Gibt es Personengruppen, bei denen der Jobabbau besonders deutlich wird? Und welche Wege führen aus dieser Situation heraus? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt der Jahresbilanz 2025 zum Arbeitsmarkt in der Region Fulda.



Über eine Stunde lang informierten Landrat Bernd Woide, die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda Katharina Henkel, der Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Frank Kamolz, der Leiter des Kreisjobcenters Jürgen Stock sowie der Fachdienstleiter des Kreisjobcenters Fulda Markus Vogt über die aktuelle Lage. "Wir haben großes Interesse daran, dass der Arbeitsmarkt ordentlich läuft", stellte Woide gleich zu Beginn klar.

Freude und Vorsicht in einem

Wie schon 2024 weist die Region erneut die niedrigste – und damit beste – Arbeitslosenquote in ganz Hessen auf. "Das ist zwar ein Grund zur Freude, dennoch verzeichnen wir einen leichten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr", erklärte Henkel. Die Quote liegt bei 3,8 Prozent (Vorjahr: 3,7 Prozent), was 4.965 Arbeitslosen entspricht. Auch wenn diese Zahl im hessenweiten Vergleich gut ist, zeigt der Blick auf die vergangenen Jahre einen deutlichen Trend: Seit 2015 ist die Zahl der Arbeitslosen in der Region um 29 Prozent gestiegen. Positiv ist hingegen, dass die Menschen im Durchschnitt etwa eine Woche weniger arbeitslos waren als im Jahr zuvor – 2025 lag die Dauer bei 141 Tagen.

Besonders stark vom Anstieg betroffen sind Jugendliche. Henkel nannte dafür mehrere Gründe: "In manchen Betrieben müssen Mitarbeitende entlassen werden – und oft gilt dann das Prinzip: Wer zuletzt gekommen ist, muss zuerst gehen. Zudem spielt Ausbildung für viele Jugendliche keine große Rolle mehr, sie wollen in erster Linie Geld verdienen."

Ein weiteres zentrales Thema war der Fachkräftemangel und die Integration ausländischer Kräfte im Arbeitsmarkt. Henkel betonte: "Wir möchten die Zahl der Beschäftigten durch die Integration zugewanderter Menschen weiter erhöhen – und das gelingt langfristig nur durch Einwanderung." Unabhängig von Herkunft oder Nationalität soll der Weg aus der Arbeitslosigkeit vor allem über Weiterbildung führen – etwa durch Sprachförderung oder Qualifizierungsangebote. Das Kreisjobcenter gehe dafür auch aktiv auf die Menschen zu. "Wir sind optimistisch, damit gute Erfolge erzielen zu können", sagte Markus Vogt.

Chancen und Risiken von 2026

Zum Abschluss stellten Henkel und Jürgen Stock Chancen und Risiken des Arbeitsmarktes für das Jahr 2026 vor. Risiken bestünden vor allem darin, dass Betriebe ohne moderne Personalplanung ihren Fachkräftebedarf künftig nicht mehr decken könnten. Auch die konjunkturelle Entwicklung könne zu weiteren Arbeitsplatzverlusten führen und damit die Arbeitsintegration erschweren. Gleichzeitig gebe es aber auch positive Entwicklungen: "Der Arbeitsmarkt bleibt dynamisch. Vor allem aus automobilen Zulieferketten kommen zusätzliche Fachkräfte auf den Markt. Die Bürgergeld-Reform wird die Vermittlung in Arbeit wieder stärker in den Fokus rücken."

Die Jahresbilanz zeigt: Der Arbeitsmarkt im Landkreis Fulda ist relativ stabil, doch die Herausforderungen wachsen. Entscheidend wird sein, wie gut es gelingt, Jugendliche, Zugewanderte und Fachkräfte in Arbeit zu bringen und Betriebe bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen. Nur wenn alle Akteure gemeinsam handeln, kann die Region ihre Stärke auch 2026 behaupten. (mis) +++

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