Demo gegen Rechtsextremismus

Hunderte protestieren bei Neujahrsempfang der AfD

Hunderte protestieren bei Neujahrsempfang der AfD
Fotos: Kevin Hildebrand

10.01.2026 / BAD HERSFELD - Lautstarker Gegenwind für die AfD! Die Partei veranstaltete im Bürgerhaus des Bad Hersfelder Stadtteils Hohe Luft am Freitag ihren Neujahrsempfang. Während im Gebäude Gespräche der Parteimitglieder stattfanden, protestierten draußen auf der Straße hunderte Menschen gegen die Partei.


Aufruf verschiedener Organisationen

Die Kundgebung gegen den Neujahrsempfang der AfD entstand durch die Planung zahlreicher Organisationen und Bündnisse. So schlossen sich unter anderem die "Omas gegen Rechts", der Verein "Bunt statt Braun" Bad Hersfeld, das buchcafé sowie Parteimitglieder der SPD, der Grünen und der Linkspartei zusammen, um "friedlich Haltung gegen Menschenfeindlichkeit, rechten Hass und Hetze" zu zeigen, wie es im Aufruf zu der Kundgebung hieß. Und diesem folgten zahlreiche Menschen.

Hohe Teilnehmerzahl bei der AfD-Demo

Laut Schätzungen der Bad Hersfelder Polizei, die gemeinsam mit dem Ordnungsamt die Veranstaltung überwachte und für die Sicherheit aller Teilnehmer sorgte, hatten sich kurz nach Beginn der Kundgebung um 17 Uhr 200 bis 250 Menschen eingefunden. Da der befürchtete Schneesturm samt Eiseskälte durch das Sturmtief "Elli" Bad Hersfeld am Abend verschonte, pilgerten aber selbst eine halbe Stunde später weitere Teilnehmer ein, sodass diese Zahl noch einmal getoppt wurden sein dürfte.

Lautstark ein Zeichen setzen

Um Punkt 17 Uhr wandte sich Fabian Göbel, Vorstandsmitglied des Vereins "Bunt statt Braun" mit einem Megafon bewaffnet an die Menschenmasse. Er wies darauf hin, dass der Protest nur in einem abgesteckten Bereich möglich sei. Denn: die Polizei hatte das Bürgerhaus weiträumig mit Absperrband versehen, um die Teilnehmer der Kundgebung von den Mitgliedern der AfD zu trennen. "Denkt dran, dass die Polizisten für unsere Sicherheit verantwortlich ist und leistet, falls nötig, den Aussagen der Beamten folge", sagte er pflichtbewusst, ehe er den eigentlichen Protest eröffnete: "Und jetzt, seid laut, macht Krach und zeigt, dass die AfD nicht zum Stadtbild von Bad Hersfeld gehört."

Keine Stellungnahmen der AfD-Mitglieder

Und so machten die Leute auf der Straße, bewaffnet mit Trillerpfeifen, Rasseln und eigens angefertigten Schildern lautstark deutlich, was sie von der AfD halten. "Menschenrechte statt rechte Menschen", hallte es beispielsweise laut durch die Straße. Die Mitglieder der AfD, die ab und an das Gemeindehaus für eine kurze Pause verließen, verfolgten das Treiben der Demo ruhig und verschwanden meist schon nach kurzer Zeit wieder im Inneren. Zu der Protestaktion äußern wollte sich gegenüber OSTHESSEN|NEWS keines der angesprochenen Parteimitglieder.

"Sportliche Planung" machte die Kundgebung möglich

Wie Fabian Göbel im Gespräch verriet, erfuhr er erst am 27. Dezember von dem geplanten Neujahrsempfang der Partei. "Das alles zu planen war sportlich, immerhin waren Feiertage und wir mussten die Demo mit den Ordnungsbehörden der Stadt absprechen und anmelden." Dennoch sagte er, habe das reibungslos funktioniert. Er lobte die reibungslose Zusammenarbeit mit Polizei und Co. und zeigte sich auch aufgrund der hohen Teilnehmerzahl zufrieden. m einmonatigen Sportcoaching inklusive persönlichem Trainer im Wert von knapp 200 Euro.

Mehr Bewusstsein in der Gesellschaft schaffen

"Die AfD möchte auch hier in Bad Hersfeld eine normale Partei sein, doch dieser Eindruck darf aufgrund der Forderungen und Pläne der Partei gar nicht entstehen. Und dieses Bewusstsein wollen wir mehr Menschen vermitteln", sagte Göbel über die Ziele dieser Protestaktion. "Es ist wichtig, dass möglich viele Bürger kritisch denken und die Aussagen der AfD hinterfragen", fügte er hinzu. Bis 20 Uhr war die Kundgebung, bei der auch AfD-Gastredner Stephan Brander angekündigt war, angemeldet. Und mit einem Blick auf das Wetter verriet Göbel: "Wir haben extra warme Getränke organisiert. Wir versuchen, so lange durchzuhalten wie möglich."

Gastredner Brandner in der Kritik

Besonders wichtig sei die aktuelle Kundgebung auch aufgrund des Auftritts von Brandner gewesen. Dieser falle immer wieder durch verbale Entgleisungen auf, wurde 2019 wegen antisemitischer Äußerungen in sozialen Netzwerken als Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestages abgewählt. Aufgrund laufender Ermittlungen wegen Vorwürfen der Beleidigung hob der Bundestag 2024 zudem Brandners Immunität auf. Göbel erklärte daher noch einmal: "Die AfD ist keine Lösung. Das wollen wir hier sehr deutlich machen." (Kevin Hildebrand) +++

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