"Die Energiekrise ist bewältigt"

Andere sparen, die RhönEnergie investiert: 360 Millionen Euro für die Zukunft

Martin Heun, Sprecher der Geschäftsführung der RhönEnergie
Fotos: Hendrik Urbin

14.01.2026 / FULDA - In allgemein wirtschaftlich schwachen Zeiten überraschte die RhönEnergie Fulda kurz vor Weihnachten mit einer Pressemeldung: Die RhönEnergie investiert 360 Millionen Euro bis 2030. Viele Firmen melden Rekordverluste, drastische Einsparungen und sogar Insolvenzen. Der größte Energieversorger der Region geht bewusst einen anderen Weg – und setzt auf Zukunft statt Stillstand. Das Geld fließt vor allem in den Ausbau der Stromnetze und in erneuerbare Energien.



Doch was bedeutet diese Investitionsoffensive für die Kunden? Und wie blickt die RhönEnergie auf die aktuelle Energie- und Versorgungslage? Darüber hat OSTHESSEN|NEWS mit Martin Heun, Sprecher der Geschäftsführung der RhönEnergie und Chef eines der Top-20-Kommunalversorger Deutschlands, gesprochen.

Ein Rückblick zeigt: Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine stürzte Deutschland 2022 in eine massive Energiekrise. Staatliche Eingriffe waren notwendig – und aus Sicht von Heun gab es dabei einen entscheidenden richtigen Schritt. "Die Verstaatlichung der großen Gaslieferanten Uniper und Sefe war absolut richtig. Ohne diese Garantien wären viele Energieversorger in existenzielle Schwierigkeiten geraten", sagt der 62-Jährige. Die Folge: Die Märkte beruhigten sich spürbar. Kritischer sieht Heun hingegen die Preisbremse, die er rückblickend als "Bürokratiemonster" bezeichnet, das den Energieversorgern in der Abwicklung viel abverlangt habe. Unterm Strich aber steht für ihn fest: Die Energiekrise ist bewältigt – jetzt ist wieder Alltag angesagt.

Wie sicher ist aktuell die Gasversorgung?

Und wie sicher ist aktuell die Gasversorgung? Zwar seien die Speicher nicht randvoll, doch Grund zur Sorge sieht Heun nicht. Deutschland verfüge über ausreichend Importverträge – über Pipelines aus Norwegen, Schiffsanlandungen in Rotterdam und die LNG-Terminals. "Wenn ich im Norden einspeise, dauert es etwa zehn bis zwölf Stunden, bis das Gas im Süden ankommt", erklärt Heun. Sorgen um zu wenig Gas müsse man sich aber aktuell keine machen, auch wenn in vielen Häusern die Gasheizungen derzeit stark beansprucht werden. "Wir haben schon immer kalte Winter gehabt und wir können damit umgehen", macht er klar.

Der Blick geht dennoch klar nach vorn. Bis 2045 will Deutschland klimaneutral sein. Ein ambitioniertes Ziel – und eines, bei dem es aus Sicht von Heun noch viele offene Baustellen gibt. Besonders beim Thema Wasserstoff. Heun erklärt: "Wasserstoff entwickelt sich als Alternative viel langsamer weiter, als es eigentlich erforderlich wäre. Die Bundesrepublik baut gerade eine große Infrastruktur dafür auf, aber das Problem ist, dass Wasserstoff preislich überhaupt nicht wettbewerbsfähig ist. In bestimmten Schlüsseltechnologien kann der Wasserstoff das Gas noch nicht komplett ersetzen. Europa will also raus aus dem fossilen Energieträger Erdgas, aber eine echte, in ausreichenden Mengen verfügbare und bezahlbare Alternative ist bisher nicht am Horizont zu sehen", so der Geschäftsführer.

Versorgungssicherheit steht an erster Stelle

Trotzdem macht Heun eines unmissverständlich klar: Die Versorgungssicherheit steht für die RhönEnergie an erster Stelle – jederzeit. Im November sorgte eine weitere Nachricht der RhönEnergie für Freude bei den Kunden: Der Energieversorger senkte die Strompreise. Wie werden diese sich entwickeln? Heun mahnt: "Steuern und Abgaben nehmen einen nennenswerten Anteil am Gesamtpreis ein. Die Stromsteuer ist viel höher als im europäischen Durchschnitt." Derzeit würden sich die Strom- und Gaspreise stabil entwickeln. "Wir sehen aber beim Gas eine Verteuerung durch CO₂-Abgaben. Beim Strom konstatieren wir, dass sich die Investitionen in die Stromnetze, die wir brauchen, auf die Netzentgelte auswirken werden. Die Frage wird sein, wie hoch die Steigerungen werden. Das lässt sich bislang nicht abschätzen." Die jüngsten Festlegungen der Bundesnetzagentur für Netzbetreiber erschweren allerdings aus Heuns Sicht die notwendigen Investitionen in die Strom- und Wärmenetze.

Erfreulich aus Unternehmenssicht: Die RhönEnergie wächst weiter. Elf Prozent mehr Stromkunden, 32 Prozent mehr Gaskunden in den vergangenen fünf Jahren insgesamt – und das bundesweit. Allein im Jahr 2025 sind insgesamt 3000 Strom- und Gaskunden dazugekommen. "Das zeigt, dass wir wettbewerbsfähig sind", sagt Heun selbstbewusst. Für die Region bringt er es noch deutlicher auf den Punkt: "Wir sind der Platzhirsch in Osthessen." Diese Position will die RhönEnergie verteidigen – und zugleich weiter wachsen. Bundesweit gehört die RhönEnergie zu den 20 größten kommunalen Energieversorgern.

Stabilitätsanker und Motor für die Region

Die geplanten 360-Millionen-Euro-Investitionen bis 2030 sollen genau das sichern. Das Geld fließt vor allem in Stromnetze, Digitalisierung, erneuerbare Energien, E-Mobilität, moderne Umspannwerke, Straßenbeleuchtung – und auch in den ÖPNV, inklusive neuer E-Busse. "Priorität eins ist das Stromnetz, danach die Erzeugung von zusätzlichem grünem Strom, Verkehr, E-Mobilität und unsere IT", erklärt Heun. Mit den Investitionen wirke die RhönEnergie zudem als Stabilitätsanker und Motor für die Region.

Ein besonderes Markenzeichen der RhönEnergie: Sie bietet privaten Verbrauchern und Unternehmen alles aus einer Hand – von der Photovoltaikanlage über die Heizung bis zur Wallbox. "Durch intelligente Zähler wächst alles immer stärker zusammen. Unser Ziel ist ein intelligentes Energiemanagement für unsere Kunden", so Heun. Und sein Fazit ist klar: Die RhönEnergie sieht sich gut aufgestellt – und bleibt auf Investitionskurs.

Das zeigt: Die RhönEnergie geht aus der Energiekrise wirtschaftlich stabil hervor und setzt bewusst auf Zukunftsinvestitionen statt Sparkurs. Trotz unsicherer politischer Rahmenbedingungen, hoher staatlicher Abgaben und noch ungelöster Fragen rund um Klimaneutralität und Wasserstoff sieht sich der regionale Energieversorger gut aufgestellt. (Moritz Pappert) +++

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