Emotionaler Weltcup-Start
Tränen statt Jubel: Bakkens Freund Giacomel gewinnt Biathlon-Sprint
Vor dem Start in Oberhof standen die Norweger und der Italiener Tommaso Giacomel zusammen und gedachten des plötzlich verstorbenen Freundes Sivert Bakken
Fotos: Hans-Hubertus Braune
09.01.2026 / OBERHOF -
Im dichten Nebel von Oberhof gewann einer den Sprint der Männer, der heute einfach auf den ersten Platz gehört: Der Italiener Tommaso Giacomel siegte auf der zehn Kilometer Distanz der Männer beim Weltcup am Donnerstagmittag im thüringischen Oberhof.
Zweiter wurde Philipp Nawrath aus Deutschland mit einem Rückstand von 13,2 Sekunden, Dritter der Norweger Johannes Dale-Skjevdal ein Teamkollege Bakkens (1/+25,2 Sek.).
Das Rennen stand aber im Zeichen des kurz vor Weihnachten plötzlich verstorbenen norwegischen Biathleten Sivert Guttorm Bakken. Sein Teamkollege Johan-Olav Botn hatte den 27-jährigen Bakken im Hotelzimmer leblos aufgefunden. Das Team befand sich im Trainingslager in Südtirol. Die Todesursache ist noch unklar.
Der Italiener Giacomel ist laut Berichten ein enger Freund von Bakken, sie verbrachten auch viel Freizeit zusammen, wollten zusammen ins neue Jahr feiern. Oberhof ist der erste Weltcup-Start nach dem Tod von Bakken. Bevor das Sprintrennen begann, gedachten alle Mannschaften sowie die mehreren tausend Fans in der Rennsteig-Arena dem Norweger. Sie schickten einen einmütigen Applaus nach oben. Die Startnummer eins wurde heute nicht vergeben.
Die Norweger hielten das Leibchen in den Händen. Die Mannschaft und der Staff standen zusammen. Mittendrin Tommaso Giacomel. Immer wieder umarmten sie sich, sie standen sichtlich unter Schock und hatten Tränen in den Augen. Die ganze Arena stand still. Dann aber musste es irgendwie weitergehen.
Mit dem Start kehrte ein Stück "Normalität" ein, die Athleten wurden gewohnt begeistert vom Oberhofer Publikum angefeuert. Trotz dichtem Nebel und Temperaturen unter minus sechs Grad waren die Ränge gut gefüllt. Auf die Frage, ob er sich über den Sieg in diesem Weltcup-Rennen freuen könne, antwortete Giacomel laut ARD Sportschau: ""Eigentlich nicht. Es ist richtig komisch heute. Es ist zwar einer meiner besten Tage beim Biathlon und gleichzeitig einer der schlechtesten, weil Sievert nicht mehr hier ist. Das macht mich extrem traurig."
Wegen des Sturmtiefs am Freitag wurde der Frauen-Sprint auf Donnerstagnachmittag vorverlegt. Am Samstag und Sonntag stehen die Verfolgerrennen und die Staffelwettbewerbe auf dem Programm. Am Samstag ist die Arena im "grünen Herz Deutschlands" bereits ausverkauft. (Hans-Hubertus Braune) +++