"Wir sind vorbereitet"
Wie verwundbar ist unser Stromnetz? RhönEnergie-Chef Heun spricht Klartext
Fotos: Hendrik Urbin
09.01.2026 / FULDA -
Nachdem in Berlin zehntausende Haushalte mehrere Tage ohne Strom waren, wächst die Sorge deutschlandweit: Was droht im Ernstfall? Und kann ein solcher Blackout auch in unserer Heimat passieren? OSTHESSEN|NEWS hat darüber mit Martin Heun gesprochen, Sprecher der Geschäftsführung der RhönEnergie Fulda – dem größten Energieversorger der Region und einem der Top-20-Kommunalversorger Deutschlands. Seine Antwort ist ehrlich: Ausschließen lässt sich nichts. Aber: Die RhönEnergie ist bestens vorbereitet.
Was Osthessen hilft, sind Redundanzen. Fällt eine Stromzufuhr aus, springt eine andere ein. "Wenn die Avacon aus dem Norden keinen Strom mehr liefern kann, gibt es eine Leitung von Süden. So können wir Ausfälle abfedern oder zumindest stark verkürzen – etwa nach Stürmen oder technischen Defekten."
Eine entscheidende Sicherheitslücke
Er weist aber auf eine entscheidende Sicherheitslücke hin - und die ist für jeden offen einsehbar, im Internet. "Ich sehe das große Problem, dass wir seit Jahrzehnten gesetzlich verpflichtet sind, alles offenzulegen. Sie können im Internet alle Hochspannungseinrichtungen bundesweit einsehen, sogar die Rohrdurchmesser und Kabeltrassenführungen. Das muss der Gesetzgeber überdenken", mahnt der 62-Jährige. "Wir als RhönEnergie Gruppe sind eine kritische Infrastruktur. Es kann nicht sein, dass wir auf einer Internetseite die Koordinaten für ein Umspannwerk öffentlich machen müssen. Das muss geändert werden. Das Vertrauen, dass schon nichts passieren wird, ist leichtsinnig." Gefahr durch Sabotage steigt
Insgesamt sei die Gefahr durch Sabotage in den vergangenen Jahren allerdings höher geworden. "Wir sind zu einem Umdenken gezwungen. Wir müssen klar sehen, dass kritische Infrastruktur in Zeiten der hybriden Kriegsführung im Fokus steht. Da gilt es, Lösungen zu finden. Wir haben zwar Zäune, Alarmanlagen und Kameras, aber es gibt keinen vollständigen Schutz." Und Heun macht deutlich: "Kritische Infrastruktur hat nie eine Garantie für 100 Prozent Absicherung."