Musikwettbewerb

Preisträgerkonzert im Fürstensaal: Fulda ist reich an Musiktalenten

Am Sonntagabend fand in der stimmungsvollen Atmosphäre des Fürstensaals das Preisträgerkonzert statt.
Fotos: Marvin Myketin

08.12.2025 / FULDA - Mitte November fand der inzwischen 5. Fuldaer Musikwettbewerb mit jungen Talenten aus der Stadt und dem Landkreis. Am Sonntagabend fand in der stimmungsvollen Atmosphäre des Fürstensaals das Preisträgerkonzert statt. Und was für ein Erlebnis war das!


Junge Noch-nicht-Profis zeigten, was sie draufhatten – es war zum Staunen schön. Um Fuldas musikalischen Nachwuchs muss einem wahrlich nicht bange sein.

Von Holz bis Blech

Natalya Oldenburg und Julia Huber (Musikschule Fulda und Musikschule Landkreis Fulda) führten durch das Preisträgerkonzert. Das Konzert eröffnete das Blockflöten-Quartett mir Rosalie und Mila Marie Bräscher, Jakob Schmitt und Willi Schüßler, die uns in den Adventssonntag mit Lyndon Hillings "A Swing in the Park" hineinswingten. Genau das richtige bei diesem Dezember-Nieselregen. Hilling (*1950) hat eine tiefe Zuneigung nicht nur zur Flöte, sondern auch zu Reisen in abgelegene Gegenden wie den Amazonas-Dschungel, die Arktis oder die Mongolei.

Ferdinand Wehner und Erik Oldenburg sind schon ein eingespieltes Duo – der eine am Saxophon, der andere am Klavier. Sie spielten den zweiten Satz aus Alessandro Marcellos "Concerto in d-moll" – das ursprünglich für Oboe geschrieben wurde. Das Stück ist ein bedeutendes Werk des Spätbarocks und beeindruckte die Zeitgenossen sehr. Auch Johann Sebastian Bach, der eine Bearbeitung für Cembalo schuf. Die Kantilene im wehmütigen Adagio ist laut Oboist Albrecht Mayer von "überirdischer Schönheit" und geht ans Herz – Wehner bot das Stück exzellent dar.

Mila Marie Bräscher trat ein zweites Mail auf und spielte aus Johann Christoph Pepuschs Sonate in G-Dur die beiden ersten Sätze Adagio und Allegro. In Pepuschs Werk spielt die Blockflöte eine besondere Rolle, gleich sechs Sonaten hat er ihr gewidmet. Bräscher bewältigte das Stück mit anmutiger Leichtigkeit.

Saxophonist Luis Friedrich Plunien (*2006) hatte eine Komposition des Fuldaer Daniel Arthur Edwards (*1997) gewählt – "Rooftop Garden, Traffic". Edwards schreibt Filmmusik und klassische Musik – und war im Preisträgerkonzert anwesend, in der für ihn vielleicht ungewohnteren Rolle als Umblätterer an der Seite seiner Mutter (Klavier). Die Uraufführung des Stücks hatte während des Wettbewerbs stattgefunden, im Preisträgerkonzert war es dann gewissermaßen die Uraufführung vor Publikum. Plunien spielte das anspruchsvolle und vielschichtige Stück mit Bravour.

Tastenzauberer

Willi Schüßler (*2013) spielte nicht nur Flöte, sondern auch Franz Schuberts viertes Impromptu in As-Dur, op. 142 No.2 aus dem Jahr 1827. Das war eines der kreativsten Schaffensjahre Schuberts – die "Winterreise" entsteht, außerdem zwei Klaviertrios und die beiden Impromtu-Serien für Klavier. Das von Willi Schüßler gespielte Stück gehört zu den wenigen Werken, die noch zu Schuberts Lebzeiten veröffentlicht wurden. Technisch bewältigbar stellt es aber doch hohe Anforderungen an die Interpretationskunst. Der Melodienreichtum und der oft fast tänzerische Charakter sind wunderschön –Willi Schüßler spielte es hervorragend.

Saitenkünstlerinnen

Eine Könnerin ist Svea Guttmann, die in der Regel ebenfalls an zwei Instrumenten glänzt, dem Klavier und der Geige. In diesem Konzert war sie mit einem Violinstück zu hören, der "Dudziarz Le Ménétrier-Mazurka in D-Dur, op. 19 No. 2" des polnischen Komponisten Henryk Wieniawski (1835-1880). Das Stück wurde geschrieben für das bürgerliche Publikum des 19. Jahrhunderts, das in Salons klassischer Musik lauschte. Wieniawski war als Konzertreisender in der ganzen Welt unterwegs. Er schrieb seine Werke also in erster Linie für sich selbst, um damit sowohl seine kompositorischen Qualitäten als auch seine Virtuosität unter Beweis zu stellen. Die Mazurka zeigt nicht nur im Namen, aus welchem Land ihr Schöpfer stammt, sie tut das auch musikalisch. Guttmann zeigte sich dem anspruchsvollen Stück nicht nur technisch gewachsen, sondern auch in seinen lyrischen Passagen. Ein Genuss, ihr zuzuhören!

Mahina Freier spielte aus Dimitri Schostakowitschs 1959 entstandenem Cello-Konzert No. 1 in Es-Dur den ersten Satz (Allegretto). Das Stück entstand in der Sowjetunion zu einer Zeit, als man langsam die Folgen des Stalinismus zu überwinden suchte und eine Tauwetter-Periode einsetzte – auch kulturell. Endlich konnte Schostakowitsch wieder ohne Repressalien komponieren, unter Stalin hatte seine Musik als "volksfremd" und "formalistisch" gegolten. Die Uraufführung des ersten Cello-Konzerts spielte Mstislaw Rostropowitsch.

Das Stück ist treibend, tänzerisch und wird durch das Flageolett (= Oberton) des Cellos gekennzeichnet. Man hat das Gefühl, dass alles, was Schostakowitsch in den Stalin-Jahren unterdrücken musste, in diesem Werk aus ihm herausbricht. Charakteristisch für den ersten Satz ist das von den Initialen des Komponisten abgeleitete Motiv D-es-c-h. Mahina Freier spielte mit unbändiger Energie und Präzision, völlig vertieft in das anspruchsvolle Werk. Das war eine Sternstunde.

Im Preis- und Urkundenregen

Natürlich gab es für die Preisträger auch Urkunden und Sonderpreise. Die Preise verliehen Natalya Oldenburg und Julia Huber:

§ Erster Preis Streicher: Mahina Freyer + Seva Guttmann

§ Erster Preis Bläser: Luis Friedrich Plunien + Ferdinand Wehner + Lena Miller

§ Erster Preis Bläserensemble: Clemens Frisch, Amalia Klug, Theo Günther und Jost Bachmann

§ Erster Preis Tasteninstrument: Willi Schüssler + Svea Guttmann + Sophie Klug

§ Zweiter Preis Zupfinstrumente: Lora Kinova

§ Dritter Preis Bläser: Gian Paskal Veron

§ Auszeichnung ‚sehr gut‘ für Bläser: Julius Schmitt

§ Der Mollenhauer-Preis mit einem Workshop nach Wahl ging an Mila Marie Bräscher.

§ Der mit 500 € dotierte Sparkassen-Preis wurde von Torsten Kramm, Sparkasse Fulda verliehen und ging an Mahina Freier für die höchste erreichte Punktzahl.

§ Der Musikakademie-Preis "Louis Spohr" der Stadt Kassel ging an Luis Friedrich Plunien für eine herausragende Leistung.

Krankheitsbedingt nicht dabei waren die Preisträgerinnen Eileen Tolsdorf (Cello) und Hanna Morlang (Klavier).

Sehr schön und sehr angemessen war, dass die Lehrerinnen und Lehrer, die für alle fünf Fuldaer Musikwettbewerbe Schüler angemeldet hatten, ausgezeichnet wurden – mit Urkunden und Gutscheinen für das Fuldaer Schlosstheater. Geehrt wurden Reinhold Feldmann, Brigitte Groß-Feldmann, Lidia Koch (Violine), Klaus Schenk (Drums, Percussion), Jürgen Vautz (Trompete, Ensembles), Johann Eisenmeier (Cello) und Maja Zirkunov (Klavier). Denn das darf man nicht vergessen: Bevor junge Musiker sich in Konzerten vorstellen können, ist viel Training, viel Üben, viel Miteinander nötig. Sich dafür die Zeit zu nehmen und jungen Menschen dabei zu helfen, ihre musikalischen Flügel auszubreiten, ist großartig.

Mit viel Beifall verabschiedete das Publikum die jungen Künstler und ihre Lehrer. Und Ihnen, die Sie nicht im Fürstensaal dabei sein konnten, möchte ich zurufen: Kommen Sie bitte nächstes Jahr, wenn der Nachwuchs wieder antritt. Denn übermorgen oder in einigen Jahren werden Sie diesen jungen Talenten in ‚großen‘ Konzerten begegnen. Sie am Anfang ihres Wegs erlebt zu haben, hier in Fulda, ist ein ganz besonderes Geschenk! Das sollten Sie sich wirklich nicht nehmen lassen. (Jutta Hamberger)+++

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