Pragmatisch, unkompliziert, zupackend
Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori: "Mehr Mut zu schnellen Entscheidungen"
Fotos: Carina Jirsch
16.12.2025 / REGION -
Unser Kaffee-Angebot lehnt der hessische Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori beim Redaktionsbesuch in der OSTHESSEN|NEWS-Zentrale freundlich ab und erzählt, dass er beim Termin zuvor schon zu Likör, Kaffee und selbstgebackenem Kuchen eingeladen worden war. Er und seine Pressesprecherin waren in Fulda zu Gast, um Mieter in Wohnungen der Nassauischen Heimstätten - einer Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft des Landes Hessen mit rund 59.000 Wohnungen - zu besuchen. "Ich bin ja auch Wohnungsbau-Minister. Dass ich dort persönlich vorbeikomme, um mir die Wohnverhältnisse anzuschauen und zu fragen, ob die Mieterinnen und Mieter zufrieden sind, war für viele schon überraschend", berichtet Mansoori von diesem Termin.
"Für uns als Landesregierung ist es eine der drängendsten Aufgaben", bestätigt der 37-jährige Sozialdemokrat. Und das sei durchaus nicht nur ein wirtschaftliches Dilemma. Denn wegen maroder Ortsdurchfahrten, sanierungsbedürftigen Schulgebäuden und bröckelnder Infrastruktur werde der Staat von vielen Bürgerinnen und Bürgern als handlungsunfähig wahrgenommen.
"In Deutschland ist die Gesetzgebung und die Verwaltungspraxis angstgetrieben, man versucht jedes erdenkliche Risiko im Vorhinein auszuschalten. Dabei braucht es einfach mehr Mut zu schnellen Entscheidungen und ebensolchen Korrekturen, wenn es dabei zu Fehlern kommt", sagt der Minister, der sich selbst als Radikal-Pragmatiker bezeichnet und erzählt, dass sein Vater, der Bauingenieur ist, für die Decken in seinem Eltern-Haus in Buseck wie damals üblich nur ein Drittel der heute üblichen Menge an Stahlbeton verwendet habe. "Und ich und mein Bruder sind trotzdem nicht durch die Decke des Kinderzimmers gebrochen."
Digitale Baugenehmigung geht viel schneller als bisher
Zum Thema Probleme beim Bau fällt Mansoori noch ein markantes Beispiel aus der Praxis ein. Prüfstatiker, die eine wichtige Funktion beim Bauen erfüllen, durften bisher nur bis zum 70. Lebensjahr arbeiten, sind aber überall "Mangelware". Mansoori habe sich – und Fachleute – gefragt, ob man im Zuge des demografischen Wandels da nicht nachbessern müsse. "Heute sind 70-Jährige doch fit genug, weiterzuarbeiten, wenn sie das wollen." Tatsächlich ist es in Hessen gelungen, die Altersbeschränkung in diesem Beruf auf 75 Jahre heraufzusetzen. "Und siehe da: die anderen Bundesländer ziehen nach und ändern diese Beschränkung jetzt ebenfalls", freut sich Mansoori über seinen Anstoß.
Letzte Frage an den hessischen Wirtschaftsminister und Koalitionspartner der Hessen Union: Wie kommt es eigentlich, dass die verschiedene Parteizugehörigkeit von Ministerpräsident Boris Rhein und seinem Stellvertreter Kaweh Mansoori nicht zu sichtbaren politischen Differenzen und Verwerfungen führt, wie es leider in der Großen Koalition in Berlin an der Tagesordnung ist?
Der 37-Jährige ist auch hier pragmatisch: "Die Farben Schwarz und Rot stehen durchaus für unterschiedliche politische Grundideen. Aber es geht beim Regieren doch um konkrete Ziele, die man fest vereinbart hat. Die handelnden Personen, die konkrete Entscheidungen treffen müssen, spielen dabei auch eine Rolle. Im Moment geht es vor allem darum, den Wohlstand der Mitte zu verteidigen und den Glauben an eine Möglichkeit des Aufstiegs zu stärken. Wirtschaftlicher Erfolg und soziale Gerechtigkeit müssen dabei immer zusammengedacht werden." Ein wesentlicher Punkt sei das gegenseitige Vertrauen: "Boris Rhein und ich können sich auf das Wort des anderen verlassen. Und wir beenden unsere Beratungen in der Regel erst, wenn das Problem gelöst ist." So einfach kann es sein. (Carla Ihle-Becker).+++