BGE veröffentlicht neuen Arbeitsstand

Atom-Endlager in Osthessen? Diskussion nimmt in der Region wieder Fahrt auf

Die BGE rückt Osthessen erneut ins Zentrum einer der sensibelsten Fragen der deutschen Energiepolitik.
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02.12.2025 / REGION - Die Debatte um ein mögliches Endlager für hoch radioaktive Abfälle nimmt in Osthessen wieder Fahrt auf - und sorgt in gleich drei Landkreisen für spürbare Unruhe. Während sich Hersfeld-Rotenburg bereits offen empört zeigt, reagieren Fulda und der Main-Kinzig-Kreis gegenüber OSTHESSEN|NEWS nüchterner, aber nicht minder aufmerksam auf die jüngsten Veröffentlichungen der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Die neuen Arbeitsstände rücken erneut große Teile der Region ins Licht einer der sensibelsten Fragen der deutschen Energiepolitik.



Der Landkreis Fulda gehört weiterhin zu den Gebieten, die laut BGE untersucht werden - allerdings mit deutlichen Einschränkungen. Landrat Bernd Woide (CDU) ordnet die aktuelle Lage ein und betont zunächst, dass es sich bei der Veröffentlichung "lediglich einen Arbeitsstand der Prüfung" handele, "dem noch Prüfschritte folgen" und "nicht um ein finales Ergebnis".

Einige Bereiche werden genau überprüft

Woide weist darauf hin, dass der aktuelle Kartenstand für Fulda vergleichsweise günstig ausfällt: "Wie aus der Veröffentlichung zu entnehmen ist, befinden sich Teilgebiete des Landkreises Fulda in der Kategorie ungeeignet, sind nur gering geeignet, oder sie befinden sich noch in der Prüfung. Aus der Karte liest sich also: Die meisten Teile des Landkreises Fulda kommen bei der Standortsuche für ein Endlager gar nicht in Betracht, und einige Bereiche werden im Hinblick auf geologische Eignung noch überprüft."

Konkrete neue Erkenntnisse seien erst im Juni 2026 zu erwarten. Fulda bleibe dennoch wachsam: "Der Landkreis Fulda informiert sich regelmäßig über die relevanten Prüfungen und Arbeitsstände."

Woide wird am Ende deutlicher als viele seiner Kollegen in Hessen: "Aus meiner Sicht kann ich sagen, dass ich ein Atommüll-Endlager im Landkreis Fulda für de facto unmöglich halte. Und das hat nicht nur etwas mit der geologischen Struktur zu tun, sondern auch mit der Besiedlung und anderen Infrastruktur-Parametern."

Main-Kinzig-Kreis: Wissenschaftliche Erwartungen bestätigen sich

Auch im Main-Kinzig-Kreis schrillen die Alarmglocken nicht - was vor allem an der geologischen Ausgangslage liegt. Landrat Thorsten Stolz (SPD) erklärt, welche Gebiete noch im Fokus stehen: "Der Bereich südlich der A66 gilt inzwischen als 'Bereich geringer Eignung'. Nur an der Kreisgrenze zum Landkreis Fulda besteht noch eine direkte Betroffenheit, die von der Nähe zum Kali+Salz Abbaugebiet her rührt."

Für Stolz entspricht das Zwischenresultat in weiten Teilen dem Erwartbaren: "Das vorgestellte Zwischenergebnis der BGE liegt im Bereich der bisherigen Erwartungen, zumal der Spessart mit kristallinem Wirtsgestein über eine hohe Durchlässigkeit von Flüssigkeiten und Gasen verfügt und damit ein Ausscheiden aus weiteren Untersuchungen zu erwarten war." Der Verwaltungschef betont zudem, dass es an Informationen nicht mangele.

Keine Zweifel am Ergebnis

Auf Kreisseite sieht Stolz keinen Anlass für politischen Druck oder Alarmismus: "Das Zwischenergebnis wird hier natürlich mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen. Es bestehen damit an der Richtigkeit und Sorgfalt des Verfahrens selbst keine Zweifel."

Stolz weiter: "Eine Positionierung gegenüber Bund und Land kann nur dahin gehen, dass wissenschaftliche Maßstäbe auch weiterhin die Eignung für ein Endlager bestimmen müssen und nicht politische Einflussnahmen."

Hersfeld-Rotenburg: Bundestagsabgeordneter fordert Antworten

Während Landrat Torsten Warnecke bereits scharf gegen die erneute Einordnung seines Landkreises als Untersuchungsgebiet protestiert, meldet sich nun auch der Bundestagsabgeordnete Wilhelm Gebhard (CDU) zu Wort.

Mit Blick auf die Verwunderung in der Bevölkerung und der Kommunalpolitik fordert er von der BGE eine umfassende und transparente Begründung. In seinem Schreiben stellt er Fragen zur geologischen Grundlage der Entscheidung, zur Berücksichtigung des jahrhundertelangen Bergbaus in der Region und zum Umgang mit dem verritzten Gebirge, das eigentlich gegen einen Endlagerstandort sprechen müsste.

Besonders wichtig sei, so Gebhard, die offene Kommunikation mit den Menschen vor Ort: Die Haltung des Bundes dürfe nicht zu zusätzlicher Unruhe führen. (Constantin von Butler) +++

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