Aschenkreuz to go!

Fastentuch in der Stadtpfarrkirche: Was berührt mein Herz?

Stadtpfarrer Stefan Buß
Archivfoto: O|N/Hendrik Urbin

11.02.2024 / FULDA - Auch in diesem Jahr ist in der Stadtpfarrkirche zur Fastenzeit wieder ein Fastentuch zu sehen. Es entstand erneut in Kooperation von Stadtpfarrei, Kath. Citypastoral und Antonius Netzwerk Mensch. Das Fastentuch hat den Zweck während der Fastenzeit in katholischen Kirchenhäusern die bildlichen Darstellungen Jesu (Kruzifix) zu verhüllen.



Sein Ursprung liegt vermutlich im jüdischen Tempelvorhang begründet, der im Neuen Testament im Zusammenhang mit dem Kreuzestod Jesu mehrfach erwähnt wird. Die frühesten Erwähnungen vom Brauch, ein Fastentuch vor dem Altar aufzuhängen finden sich bereits im 9. Jahrhundert. Üblicherweise ist das Fastentuch ein schlichtes oder in Weißstickerei gefertigtes, auch mit biblischen Motiven versehenes Tuch.

Die Darstellungen reichen von der Heilsgeschichte (Schöpfung bis Weltende) über Tier- und Pflanzenabbildungen bis hin zu ganz außergewöhnlichen Motiven. Das Fastentuch wird in der Regel am Aschermittwoch im Chorraum der Kirche aufgehangen und wird erst am Karsamstag wieder entfernt. Durch diese Tradition wird dem sich anschließenden Osterfest ein noch stärkerer Glanz verliehen. Die Abnahme des Fastentuchs vor der Osternacht soll zeigen, dass Jesus wieder unverhüllt in seiner Göttlichkeit vor den Menschen steht und er den Himmel für diese geöffnet hat.

Das Fastentuch will anregen

In diesem Jahr steht das Fastentuch unter dem Motto "Was mein Herz berührt!" Unser persönliches Leben, die Welt und die Kirche werden oft heute auch in Rissen erlebt. Was berührt dann mein Herz und füllt die Risse des Lebens? Das Fastentuch will anregen, über diese Frage nachzudenken. In den Gottesdiensten sowie den Frühschichten in der Fastenzeit jeden Mittwoch um 5.45 Uhr wird die Frage nachgegangen werden und es wird deutlich, was die Hl. Schrift dazu sagt. Wir erleben unser persönliches Leben manchmal, das Leben der Gesellschaft und in der Kirche oft durchzogen von Rissen. Menschen erleben persönliche Niederlagen, Enttäuschungen und Krankheit. Verlust von geliebten Menschen.

Unsere Welt ist von Terror, Hass und Krieg durchzogen. Auch in der Kirche gibt es Meinungen, die aufeinanderprallen. Doch auch in diesen Rissen wird Gott spürbar. Der kanadische Poet und Sänger Leonhard Cohen hat das Lied mit dem Titel "Anthem", deutsch: "Lobgesang" geschrieben und wie er selbst sagt, 10 Jahre daran gearbeitet. Der Refrain des Liedes bringt die zentrale Aussage des Liedes auf den Punkt: "Das ist ein Sprung, ein Riss, aber genau dahindurch kommt das Licht." Ich habe einen Lieblings-Kaffeepot.

Noch aus meiner Studentenzeit. Er ist schön groß, und ich weiß nicht, wie viel duftenden Kaffee ich aus ihm schon getrunken habe. Allerdings hat er auch einen Schönheitsfehler. Er hat im Laufe der Jahre mehrere Sprünge, die sich ganz um seinen Bauch herumziehen. Ich spüre richtige kleine Kanten, wenn ich mit den Fingern außen an der Tasse fühle. Diese kleinen Risse sind entstanden im Laufe der Zeit durch Herunterfallen, Umzüge und dergleichen.

In Japan gibt es die uralte Tradition, dass zerbrochene Gefäße mit Gold wieder zusammengeflickt werden. Statt der Bruchstellen ziehen sich dann goldene Linien über das wieder hergestellte Gefäß, was wunderschön aussieht, so als sollte es schon immer so sein… - Kintsugi. Für mich ist das ein Sinnbild geworden für die Wunden in unserem Leben. Wir alle tragen Wunden davon. Wir alle haben neben unseren Stärken auch Schwach-Stellen, Verletzungen, Fehler, Charakterschwächen, Unfähigkeiten oder Unzulänglichkeiten, unter denen wir oftmals selber leiden. Gott lädt uns ein, mit diesen Wunden und Schwachstellen nicht alleine zu kämpfen, sondern uns an ihn zu wenden. Auch die Wunden aus unserer Lebensgeschichte will Gott verheilen und uns dadurch stärker werden lassen. Er will uns segnen und damit wir für zum Segen für andere werden können.

Aschenkreuz to go! in der Stadtpfarrkirche

Am Aschermittwoch wird als Zeichen des Beginns der Fastenzeit das Aschenkreuz aufgelegt. In allen Gottesdiensten der Innenstadtpfarrei. Um 11.30 Uhr in der Citymesse in der Stadtpfarrkirche. Dann zusätzlich gibt es kurze Impulse "Aschenkreuz to go!" um 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr. (pm) +++

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